Aachen: Kaiserplatz-Galerie: Das Unternehmen „Reißleine” startet durch

Aachen: Kaiserplatz-Galerie: Das Unternehmen „Reißleine” startet durch

Am Tag zuvor war der Ratsmehrheit von Grünen und CDU bereits mit einem derben Knall der Kragen geplatzt. Im Visier hatten die Politiker die Planer und Investoren der Kaiserplatz-Galerie. Das 240-Millionen-Projekt schrammt dem Abgrund entgegen.

Denn der zum Baubeginn notwendige Notarvertrag zwischen Projektentwickler PEA und den neuen Investoren sollte bereits seit dem 31. März unterzeichnet sein, es gab dann noch eine Galgenfrist bis zum gestrigen 10. Mai obendrauf.

Doch jetzt war Schluss. Wie bereits angekündigt legte die Mehrheit im Planungsausschuss einen Beschlussentwurf vor, der das Ende des „vorhabenbezogenen Bebauungsplanes 891 Kaiserplatz-Galerie” beinhaltet und der eine Rückabwicklung der unendlichen Geschichte von der gläsernen Shopping-Mall im Schatten von St. Adalbert vorsieht. Der Planungsausschuss diskutierte die Sache zunächst öffentlich, fasste dann in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig den Beschluss, dem grausamen Spiel ein Ende zu setzen.

Dabei nehmen Aachens gewählte Entscheider einiges in Kauf. Bis zu 15 Jahre, befürchtet SPD-Fraktionschef Heiner Höfken, könne es im schlechtesten Falle dauern, bis neue Pläne und eine neue Nutzung entwickelt seien. Der Mitinitiator des Unternehmens „Reißleine ziehen”, Michael Rau (Grüne), bezeichnete die Sache „als ziemliches Desaster” und als Lehrstück, was passieren kann, wenn man keine „verlässlichen Partner” habe. Der grüne Planer machte klar, dass „die Rückabwicklung eines Bebauungsplanes genau so aufwendig” sei wie seine Aufstellung.

„Dass da an der Adalbertstraße wieder so etwas entstehen wird, das mit Einzelhandel zu tun hat, dürfte klar sein”, meinte Rau, doch „das Thema Wohnen” solle stärker berücksichtigt werden. Was auch CDU-Sprecherin Maike Schlick am Herzen lag: „Wir wollen parallel an alternativen Lösungen arbeiten.” Schlick hatte sich bereits am Tag zuvor auf eine „kleinteiligere Entwicklung”, als sie bislang vorgesehen war, festgelegt.

Diametrale Positionen

Bleibt noch die Beschreibung zweier diametral entgegengesetzter Positionen. Zunächst ersparte der Vertreter der Linken, Andreas Müller, dem Ausschuss den Seitenhieb, dass er das alles seit langem befürchtet habe. In der Tat hatte die Linke damals gegen das Mega-Projekt gestimmt. Jetzt will Müller aber gar kein Türchen mehr offen lassen. Die am Grundstückskauf interessierten Investoren Strabag in Köln und ECE in Hamburg sollen nach Müller absolut keine Chance mehr bekommen, das Ruder eventuell doch noch herumzureißen.

FDP-Mann Klaus Vossen erinnerte an den „zu frühzeitigen und voreiligen Abriss” an der Adalbertstraße, auch andere fühlten sich rückblickend durch die frühe bauliche Zerstörung des Viertels in die Geiselhaft der Geldinteressen genommen. Die FDP wollte ausdrücklich nicht gänzlich die Hoffnung auf ein gutes Ende aufgeben, was sie dieses Mal mit der SPD gemein hatte. So schwang bei den SPD-Ratsherrn Haase und Höfken das Prinzip Hoffnung mit. Letzterer ermahnte die Runde väterlich, man dürfe in dieser Sache „nicht alle in einen Topf schmeißen”. Und meinte damit den weiterhin deutliches Interesse bekundenden Investor Strabag.

Strabag-Pläne für Hotel am Büchel bleiben

Die Kölner Strabag Real Estate versicherte am Donnerstag, dass sie das 240-Millionen-Projekt Kaiserplatz-Galerie trotz der anstehenden Beschlüsse weiter verfolge. Ihr Geschäftsführer, Rainer Maria Schäfer, äußerte sich auch zum Bauvorhaben der Gesellschaft am Büchel.

Hier will die Strabag „noch vor dem Weihnachtsgeschäft”, wie es Anfang des Jahres hieß, das Parkhaus Büchel abreißen und kleinteiliges Gewerbe sowie ein Hotel der Zwei-Sterne-Kategorie errichten. Beim gleichzeitigen Bau der Kaiserplatz-Galerie hatte hier Ersatzwohnraum für die an der Adalbertstraße dann wegfallenden Wohneinheiten geschaffen werden sollen. Schäfer: „Wir sind da flexibel. Wenn die Galerie, was ich nicht erwarte, nicht kommen sollte, dann haben wir am Büchel eben mehr Platz für Einzelhandel.”

Schäfer versicherte, auch beim Bau von Wohnungen bleibe der Plan, dort ein Hotel einzurichten. „Wir brauchen etwas Zeit, denn wir können auf den letzten Metern nicht huddeln”, meinte Schäfer an die Adresse der Stadt.