Aachen: Kaiser Karl lässt sich als Actionheld feiern

Aachen : Kaiser Karl lässt sich als Actionheld feiern

Qualm und Feuer kommen dem Betrachter beängstigend nah. Orangerote Flammen verkünden gnadenlose Zerstörung, dicker Qualm nimmt ihm die Luft zum Atmen. Gleich daneben lodert ein großes Feuer in grellem Gelb-Orange, der Rauch formt sich zur himmelsbestimmenden Wolke, die zur Landschaftsmalerei wird.

Bereits an zwei Gemälden im Schaufenster der Galerie des Kulturwerks inszeniert Martin Flesch seine Kunst zwischen Feuer, Rauch und Explosionen mit knalligen Farben und einer deutlichen Liebe zum Lichtspiel alter Meister.

Wenn das Aachener Rathaus brennt, wird Karl der Große auf dem Marktbrunnen zum Actionheld, der vom Licht der lodernden Flammen bestrahlt wird. So sehr das Bild vom Aachener Rathausbrand einer historischen Grundlage entbehrt und so sehr die Aachener sich wünschen, dass das Rathaus niemals brennen möge, so sehr gibt es auch und gerade im zu Ende gehenden Karlsjahr noch eine schöne Anspielung auf Karl als großen Helden, der sich selbst im Feuer noch feiert.

Ironisch gemeint sind die knalligen Feuer-, Rauch- und Explosionsbilder mitunter, wenn sie auf die Helden gewisser Actionfilme anspielen. Da darf das altmeisterlich gemalte Inferno in Öl ruhig ein bisschen zu grell sein angesichts der künstlerischen Vorbilder vergangener Jahrhunderte. Unter den Blicken von „Rambo“ Silvester Stallone, Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger und Batman werden die Gemälde gewissermaßen zu Filmstills und Hommagen an die Explosionen umstrittener Werte.

Pop Art-Stil

Konsequenterweise malt Martin Flesch im fotorealistischen Pop Art-Stil Porträts seiner Helden. Bruce Willis zeigt er mit rasiertem Schädel und lichtgrauem Pullover, kraftvoll und reduziert auf seine blitzenden Augen und einen gewissen Schalk, der ihm im Nacken sitzt. Silvester Stallone und Arnold Schwarzenegger sind deutlich verbrauchter — ihre gelifteten Gesichter machen sie zu starren Wachsfiguren ihrer selbst. Batman, der Dark Knight, zeigt edle aristokratische Züge unter seiner Maske. Auf dem schwarzen Leder der Uniform spielt das Licht in vielen Farben und spiegelt die Fähigkeiten des schwarzen Ritters wider.

Auch Marvin, der kleine Roboter aus dem Film „Per Anhalter durch die Galaxis“, hat seinen Platz in der Helden-Ausstellung gefunden. Sein Porträt ist winzig im Vergleich mit den anderen, aber durch und durch altmeisterlich gemalt. Von oben rechts fällt das Licht auf seinen weißen Roboterkörper und hellt ihn und den grauen Raum auf, während links unten, wohin der Glanz nicht fällt, Dunkelheit wohnt.

Jung, frisch und völlig anders sind die Bilder Martin Fleschs. Dennoch verraten sie die Handschrift des erfahrenen Malers, Zeichners und studierten Designers mit sichtlichem Hang zum bewegten Bild.

Die Ausstellung im Kulturwerk in den Aachen Arkaden, Trierer Straße 1, erster Stock, hängt bis zum 3. Januar 2015. Geöffnet ist sie montags bis samstags von 13 bis 19 Uhr. Die Vernissage findet am heutigen Samstag um 17 Uhr statt.