Aachen: Kabarett Öcher Nölde präsentiert das Beste aus 13 Jahren

Aachen: Kabarett Öcher Nölde präsentiert das Beste aus 13 Jahren

Wenn Künstler anfangen, auf ihr Schaffen zurückzublicken, muss man sich normalerweise Sorgen machen. Nicht so beim Öcher Kabarett. Die Nölde sind nur umgezogen, und zwar terminlich wie räumlich.

Künftig spielen sie im Herbst statt im Frühjahr, und um die längere Wartezeit zu überbrücken, gab es als Einstand im Einhard ein „Best-of”-Programm mit den Höhepunkten der vergangenen 13 Jahre. Daher auch der Titel „Juwiele uus 13 Johr”. Dem treuen Stammpublikum war´s offenbar recht, denn erstmals waren bereits wenige Stunden nach dem Beginn des Vorverkaufs alle Karten weg.

Die einzelnen Nummern wurden unverändert gespielt. Das machte aber nichts, etwa bei dem uralten Sketch über die x-te Gesundheitsreform. Was damals noch als Horrorvision in D-Mark ausgemalt wurde, ist längst in Euro Realität geworden. Noch müssen die Patienten nicht das Klo putzen, aber auch das kommt ja vielleicht noch, wenn man nicht privat zahlen kann.

Die jeweiligen Zeitbezüge stellte Jan Savelsberg in seinen Moderationen her, bei denen besonders deutlich wurde, wie rasant sich alles verändert. Wer kann sich etwa noch an den Stadtrat von 2003 und seine Taten erinnern?

Gleich bleiben nur die Grundfragen des Lebens, etwa ob man besser in einem rechts- oder linksdrehenden Aldi zurechtkommt, und das sind doch letztlich die Dinge, die uns wirklich interessieren. Um die Mitte des Jahrzehnts war etwa Geiz besonders geil; seitdem kauft man Grabsteine nicht, wenn man sie braucht, sondern wenn es Rabatt drauf gibt. Und der „Jrazies” (Beerdigungskaffee) wird als Schnäppchen ergattert und vorsorglich eingefroren. Ein Glück, dass man so viel Geld sparen kann, denn sonst wäre ja nichts mehr da, um es in der Krise zu verlieren.

2008 wurde Komasaufen das große Thema, und da legt die ältere Generation doch Wert auf die Tatsache, dass sie noch im Anzug gekotzt hat und dass man vor allem einen Anlass zum Saufen hatte, nicht einfach nur Langeweile. In der guten alten Zeit wurde bekanntlich noch kreativ gesoffen, ausschließlich schönes, klares, reines Bier und dito Schnaps. Daher sitzen die Rentner heute auch nicht mehr frierend auf der Bank, sondern zockend in der Bank, sofern sie nicht das Pech haben, krank und demzufolge „euternasitiert” zu werden.

Rentner sind überhaupt die Bevölkerungsgruppe, die im Nölde-Programm den breitesten Raum einnimmt, sie sind ja auch am einfachsten zu veräppeln. Aber haben nicht eher die Börsenzocker uns die Probleme eingebrockt? Haben Rentner wirklich mehr oder vielleicht doch weniger Zeit? Und entsteht da nicht unterschwellig und sicherlich ungewollt ein Klima, bei dem irgendwann das Lachen im Hals stecken bleibt?

Viel Zeit haben die Rentner etwa beim Kauf von Rheumadecken, besonders wenn - wie im Sketch von 2004 - die Ausgänge verschlossen sind und das umwerfend komische Gesangsduo Geschwister Leismann bis zum Erbrechen weitermacht.

Und wirklich lustig geht es im Altersheim 2069 zu, wo Tokio-Hotel-Fan Kevin der Sabber runterläuft und den Schantalls und Schakliins das Piercing im Gebiss hängenbleibt oder das Arschgeweih verrutscht. Also nichts wie hin zur Ü-70-Party!

„Anonyme Aachener”

Die „Anonymen Aachener” nehmen typische Ausdrücke aufs Korn, die kein anderer Volksstamm versteht, und Manni der Hausmeister erklärt gewohnt souverän die Weltlage. Das reicht von Urlaub und Fitness bis zum kreativen Sparen, bei dem vor allem der kleine Mann gemolken wird, während die da oben weiter ihre toten Pferde reiten. Auch dies ist ein vielumjubelter Auftritt.

Nach insgesamt fast drei Stunden Programm sah das Publikum seine Erwartungen voll erfüllt - insgesamt ein repräsentativer Querschnitt durch das Schaffen des Öcher Kabaretts. Sehr angenehm war dabei nicht zuletzt die Tatsache, dass man hier nicht auch noch in Liedform der Aachen-Tümelei frönt, sondern die coole „Combo Jazzlite” spielen lässt.

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