Aachen: JVA-Insassen gepeinigt und vergewaltigt: Vier Jahre Haft für Haupttäter

Aachen: JVA-Insassen gepeinigt und vergewaltigt: Vier Jahre Haft für Haupttäter

In der Abteilung „Jugendstraftäter“ der Aachener JVA-Aachen ging es im Jahr 2015 ebenso rau und gewalttätig zu wie bei den „Alten“. Am Montag konnten sich zwei 28-jährige Insassen für ihre Übergriffe auf einen schwächeren Gefangenen die Rechnung in Form von weiteren Freiheitsstrafen bei der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht abholen — vorgeführt von den Wachtmeistern.

Für die Vergewaltigung und eine zweifache Misshandlung eines „sogenannten Opfers“, wie sich der Gepeinigte in seinen Aussagen selbst bezeichnete, muss der 28-jährige Haupttäter Adrian L. aus Heinsberg für weitere vier Jahre im Knast verbleiben. Sein Kumpel Pascal K. aus Stolberg kassierte für seine Beihilfe zu den Körperverletzungstaten immerhin noch ein Jahr und zwei Monate Strafhaft. Das Urteil wird beiden einen dicken Strich durch die Rechnung bezüglich ihrer eigentlich noch in diesem Jahr bevorstehenden Haftentlassung machen.

Beide hatten sich in der Abteilung mit offenen Haftraumtüren einen Prügelknaben ausgesucht, dem sie im März 2015 ganz massiv zusetzten. Das Ganze begann mit einer erniedrigenden Prozedur, wie es die Vorsitzende der Kammer, Richterin Regina Böhme, in der Urteilsverkündung formulierte. Nach den Erkenntnissen der Kammer stellten beide Angeklagte das Opfer zunächst in den Duschräumen. Mit einem Schrubber und einem Behältnis mit Scheuerpulver bewaffnet machten sie den Mitgefangenen zunächst wegen seines Hautausschlages auf dem Rücken herunter.

Dann versprachen sie scheinheilig Abhilfe und schrubbten ihn bis auf die Unterhaut mit dem Scheuermittel ab, sogar von blutigen Stellen war die Rede. Er habe arge Schmerzen und Angst gehabt, sagte der Zeuge im Prozess.

Die Prozedur diente nach Auffassung des Gerichts nur dazu, den Mitgefangenen gefügig zu machen. Eindeutig sei bei den Körperverletzungen Adrian L. der Haupttäter gewesen. Denn er war es auch, der den jungen Mann zwang, ihm seine Sportschuhe „abzutreten“. Kurz darauf bekam er eine Abreibung mit heftigen Schlägen ins Gesicht und in die Rippen. Und letztlich zwang Adrian L. den Gepeinigten laut Kammer dazu, ihn oral zu befriedigen, juristisch eine Vergewaltigung. All dies brachte dem Hauptangeklagten eine wesentliche härtere Strafe ein als dem Kollegen. „Das war demütigend und schmerzhaft für das Opfer“, bekräftigte am Montag die Vorsitzende Richterin Böhme in der Urteilsbegründung.

Zu allem Überfluss zwangen die beiden Täter ihr Opfer auch noch dazu, einen weiteren — unbeteiligten — Insassen zu beschuldigen, die deutlich sichtbaren Folgen der Schläge in Gesicht und am Körper verursacht zu haben. S wurden beide auch wegen des Straftatbestandes der „falschen Beschuldigung“ verurteilt.

Einen Haftbefehl musste die Kammer nicht ausstellen, der jetzige „Lebensumstand“ der einschlägig vorbestraften Angeklagten in der JVA wurde zeitlich einfach verlängert.

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