Aachen: Juniorwahl: Anne-Frank-Schüler haben den Klimawandel im Sinn

Aachen : Juniorwahl: Anne-Frank-Schüler haben den Klimawandel im Sinn

Ihre Stimmen werden noch nicht gewertet, abgegeben haben die Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums in Laurensberg sie dennoch. Denn 400 von ihnen haben in der vergangenen Woche gewählt, so wie 78,4 Prozent der wahlberechtigten Aachener am Sonntag.

Auch wenn sie damit noch keinen politischen Einfluss haben, haben die Schüler bei der bundesweiten Juniorwahl mitgemacht, sich wochenlang mit den Parteien, ihren Kandidaten und Wahlprogrammen beschäftigt, und ihre Kreuze gesetzt.

An zwei Tagen wurde in der Schule gewählt, Wahl-Teams haben die Wahl betreut und die Stimmen ausgezählt. Mit den Ergebnissen der Bundestagswahl 2017 wurden dann auch die der Schulen veröffentlicht. Insgesamt hatten sich 3490 Schulen beteiligt, 558 allein in Nordrhein-Westfalen, mit dem Ziel, Demokratie erlebbar und erlernbar zu machen.

Die 400 AFG-Schüler, die an der Juniorwahl teilgenommen haben, haben mit ihrer Erststimme ähnlich abgestimmt wie die Bürger in Aachen, zumindest was die Reihenfolge angeht. Sie haben mit 32,2 Prozent Rudolf Henke (CDU) an die Spitze gewählt, gefolgt von Ulla Schmidt (SPD) mit 22,2 Prozent und Katrin Feldmann von den Grünen mit 19,6 Prozent. Die Prozente variieren dabei teils deutlich von denen der Wahl in Aachen. Henke erreichte dabei 33,7 Prozent, Schmidt 32,5 und Feldmann 9,4. Die Schüler haben Schmidt somit weniger Stimmen, dafür Feldmann deutlich mehr gegeben.

Bernard Kerz, Politiklehrer am Anne-Frank-Gymnasium, hat die Schüler im Unterricht auf die Wahl vorbereitet und ließ schon in der vergangenen Woche anklingen, dass insbesondere die Grünen bei den Schülern oft weit vorne landen würden.

Die restlichen 26 Prozent der Schülerstimmen gingen an die sonstigen Parteien. „Das insgesamt starke Abschneiden des rot-grünen Lagers an unserer Schule entspricht den letzten bundesweiten Ergebnissen bei Juniorwahlen. Bei Heranwachsenden scheinen diese Parteien besonders beliebt zu sein; dies mag an einer besonderen Sensibilisierung für Themen wie soziale Ungerechtigkeit oder den Klimawandel in dieser Lebensphase liegen“, resümiert Lehrerin Marion Brögelmann.

Auch bei den Zweitstimmen liegen die Grünen ziemlich weit vorn, sie sind die drittstärkste Kraft. Die Schüler wählten die CDU mit 25,6 Prozent, gefolgt von der SPD mit 19,1 Prozent, und schließlich den Grünen mit 16,8 Prozent. Dann erst reihen sich die FDP mit 10,6 Prozent, Die Partei mit 7,1 Prozent, Linke mit 5,9 und die AfD mit 5 Prozent ein. Zehn Prozent gehen an die sonstigen Parteien.

Die Wähler in Aachen setzten hingegegen die FDP mit 14,2 Prozent auf den dritten Platz, dann kommen die Grünen mit 12,8 Prozent und schließlich die Linke mit 10,4 und die AfD mit 5,9 Prozent. Die CDU wurde mit 25,8 Prozent gewählt und die SPD mit 24,8.

Die übrigen Ergebnisse der Juniorwahl entsprächen den Entwicklungen, die bei den Erwachsenen zu beobachten seien — in abgeschwächter Form. „Es ist klar, dass auch unter Schülern hier viele Protestwähler zu finden sind“, so Brögelmann weiter. „Laut Shell-Studien ist das Interesse der Jugendlichen an Politik in den letzten zehn Jahren erheblich gestiegen, was wiederum unter anderem mit aktuellen Krisen wie Terrorismus zusammenhängt.“

Auch das allgemeine Interesse an der Juniorwahl und die Selbstverständlichkeit, wählen zu gehen, seien sehr hoch gewesen. Nicht jedoch bundesweit. Denn laut Infratest Dimap haben 34 Prozent der Erstwähler ihr Wahlrecht nicht genutzt. Mit Projekten wie der Juniorwahl möchten Lehrer wie Kerz und Brögelmann versuchen, diesem Trend entgegenzuwirken.

(lbe)
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