Aachen: Junges Grenzlandtheater führt „Bagdad brennt” auf

Aachen: Junges Grenzlandtheater führt „Bagdad brennt” auf

Eine junge Frau erlebt den Irakkrieg hautnah mit: entwürdigende Razzien, Bombardierung der Zivilbevölkerung, antiterroristische Maßnahmen. Ihre Ängste und Gedanken, auch über den ganz normalen Alltag, schreibt sie in ein Tagebuch im Internet, einen Blog. Ihr Pseudonym: „Riverbend”, Blogtitel: „Baghdad burning”.

Durchs Internet surfen

Begonnen hat „Riverbend” mit dem offenen Tagebuch im Jahr 2003. Über die Zeit haben sich viele Seiten angesammelt. Jahre später geht Manfred Langner, Intendant des Grenzlandtheaters, einem seiner Hobbys nach: durch das Internet surfen.

„Als ich auf den Blog stieß, konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen”, sagt Langner. „Ich war sehr bewegt von der Geschichte und dachte zugleich: Das müssen mehr junge Menschen erfahren.”

So ging der zweite Gedanke des Intendanten sofort Richtung „Greta”, dem jungen Team des Grenzlandtheaters. Glücklicherweise erstellten John und Peter von Düffel für die deutsche Bühne bereits ein Theaterstück aus dem Tagebuch von „Riverbend”, welches 2008 in Göttingen seine Premiere feierte.

Der Intendant zählte eins und eins zusammen und heraus kam die neueste Produktion des jungen Grenzlandtheaters: „Bagdad brennt”. „Das Stück ist auch für Erwachsene geeignet, in erster Linie wollen wir aber Schüler ansprechen”, sagt Langner. Zugute kommt ihm die jüngste Kooperation mit dem Gymnasium St. Leonhard. Denn in der Aula findet Greta nicht nur einen Proberaum, auch die Premiere in St. Leonhard steht bereits fest. Zurzeit begleitet Referendarin Annette Büchers mit ihrer Klasse die Proben, bezieht das Stück in den Unterricht mit ein. „Theater ist wichtig für junge Menschen”, sagt Schulleiter Günther Dick. „Mein Blick für die Zukunft: Wenn wir Ganztagsschule werden, ist Kunst, Musik und Tanz bei uns Programm.”

Derweil wird hinter den Türen der Aula noch eifrig geprobt, der junge Regisseur Christian H. Voss feilt an der perfekten Umsetzung. Enorme Arbeit bedeutet das in erster Linie für Shadi Hedayati. Sie ist die Schauspielerin - und zwar die einzige. Die gerade mal 23-Jährige verbindet viel mit den Gedanken von „Riverbend”. „Ich bin selbst Iranerin, Riverbends Emotionen sind mir aus den Erzählungen meiner Eltern in Beziehung zur iranischen Revolution bekannt”, erzählt sie. Im Stück aber nehme Hedayati bewusst keine politische Stellung ein: „Das ist eine Aufführung für jeden Kulturkreis, für alle, die das bewegte Leben einer Frau sehen möchten.”

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