Junge Union und Jusos stellen sich auf Kommunalwahl in Aachen ein

Junge Union und Jusos vor der Kommunalwahl : „Kommunikation muss schneller und besser werden“

Die Europawahl hat gezeigt: CDU und SPD haben vor allem bei jungen Wählern Vertrauen verloren. Statt den (einstigen) Volksparteien gaben sie lieber den Grünen ihre Stimme – auch in Aachen. Die Jugendorganisationen Junge Union und Jusos ziehen daraus ihre Konsequenzen für die Kommunalwahl 2020.

Etwas zurückhaltend wirkt das Lächeln von Annegret Kramp-Karrenbauer neben Aachens junger Christdemokratin Annika Fohn schon. Fast so, als fühle sie sich etwas unbehaglich dabei, in die Handykamera zu strahlen, um anschließend mit ihrem Konterfei in den Sozialen Netzwerken zu landen. Zu sehen ist das Bild der CDU-Parteivorsitzenden auf dem Instagram-Kanal der Jungen Union Aachen. Aufgenommen wurde es im Dezember 2018. „Glückwunsch an AKK!“, schicken die Aachener Nachwuchspolitiker damals vom Bundesparteitag in Hamburg, auf dem Kramp-Karrenbauer zur neuen Parteichefin gewählt wurde, in die Welt.

Heute sähe der Ruf aus Aachen sicherlich etwas anders aus. Die Schlagzeilen der vergangenen Tage hat Annika Fohn natürlich genau verfolgt. „Das war nicht wirklich glücklich“, sagt die Vorsitzende der Jungen Union (JU) Aachen mit Blick auf die hilflose Reaktion der Parteiführung auf das millionenfach geklickte Video des Aachener Youtubers Rezo. Für Fohn steht fest: Die Kommunikation mit jungen Wählern muss schneller und besser laufen – Kriterien, die ein elf Seiten langes PDF-Dokument als Reaktion auf eine 55-minütige Abrechnung mit der CDU-Politik sicherlich nicht erfülle.

Und auch wenn die Diskussion um „Meinungsmache“ und das vermeintliche Unvermögen der (Noch-)Volkspartei, mit der jüngeren Generation zu kommunizieren, vor allem auf bundespolitischer Ebene geführt wird, weiß Fohn: Konsequenzen aus der Europawahl müssen auch in Aachen gezogen werden. Schließlich hat die CDU mit einem Wahlergebnis von 22 Prozent bei den Aachenern im Vergleich zu 2014 nicht nur 7 Prozentpunkte verloren. Sie wurde auch noch deutlich von den Grünen (32 Prozent) überholt. Ein Vorzeichen für die Kommunalwahl im Herbst 2020?

Eine erste Konsequenz hat die Aachener JU jedenfalls schon gezogen: Auf einer kurzfristig anberaumten Klausurtagung soll am 22. Juni der Blick nach vorn gerichtet werden. Das eigene Profil für die anstehende Kommunalwahl steht dann auf dem Programm. Themen, die junge Menschen in Aachen bewegen, gibt es laut Fohn immerhin genug: smart City, innovative Stadtplanung, kluge Mobilitätskonzepte. Darauf basierend soll ein eigenes Wahlprogramm entwickelt werden, das die Junge Union dann der großen Schwester „mit Nachdruck“, wie Fohn sagt, nahelegen werde.

Annika Fohn (im Bild links mit Annegret Kramp-Karrenbauer) hat als Vorsitzende der Jungen Union Aachen schon die erste Konsequenz aus dem schlechten Ergebnis der CDU bei der Europawahl gezogen: Am 22. Juni wird auf einer kurzfristig anberaumten Klausurtagung der Blick nach vorn gerichtet.

Während sich auf Bundesebene zunehmend ein Konflikt zwischen der Jungen Union und der Parteiführung abzeichnet, sieht Fohn auf kommunaler Ebene die Jugendorganisation gut in die Parteistruktur eingebunden. Nicht zuletzt weil sie auch das Amt der stellvertretenden Kreisvorsitzenden bekleidet. „Wir haben die Themen“, sagt die JU-Vorsitzende selbstbewusst mit Blick auf die Kommunalwahl. Diese müssten „nur“ angemessen kommuniziert werden – offline wie online.

Diese Aussage würde Halice Kreß-Vannahme sicherlich auch so unterschreiben. Nur eben mit einem anderen Bezug. Die Vorsitzende der Aachener Jusos bezweifelt, dass man das Ergebnis vom 26. Mai auf die Kommunalwahl übertragen kann. Mit 15 Prozent wurde die SPD in Aachen hinter den Grünen und der CDU nur drittstärkste Kraft. Zum Vergleich: 2014 landeten die Sozialdemokraten bei der Europawahl noch mit 35 Prozent in der Wählergunst ganz weit oben. Die Juso-Vorsitzende führt das vor allem auf Fehler der Bundes-SPD zurück. Und sagt mit Blick auf das Rezo-Video: „Die Kritik ist berechtigt. Die SPD hat viele Fehler gemacht.“

Glaub nicht, dass das Ergebnis der Europawahl die anstehende Kommunalwahl beeinflussen wird: Aachens Juso-Vorsitzende Halice Kreß-Vannahme. Foto: Katharina Menne

Eine wichtige Lehre für die Kommunalwahl müsse man dennoch ziehen: Die Zeiten, in denen die SPD „natürlicherweise“ um den Spitzenplatz mit der CDU ringt, seien vorbei. Auch deshalb müsse der anstehende Wahlkampf moderner werden. Nicht nur im Digitalen über Kanäle wie Facebook und Instagram. Sondern auch auf der Straße. Dazu gehöre selbstverständlich auch das richtige Personal. „Wir müssen zeigen, dass die SPD diverser ist als sie manchmal wirkt“, fordert Kreß-Vannahme. In Aachen sei man diesbezüglich zum Glück gut aufgestellt. Für die anstehende Kommunalwahl gibt sich Kreß-Vannahme zuversichtlich: Mit zentralen Themen wie bezahlbarem Wohnraum und einer Verbesserung des ÖPNV werde die SPD auch bei jungen Wählern wieder punkten können.

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