Junge Partei lässt alten Grenzübergang in Vaals auferstehen

Aktion an der alten Grenze : Von alten Grenzen und neuen Ideen

Grenzzaun, Wachmänner, Schlagbaum. So sah die niederländisch-deutsche Grenze früher aus – und nicht nur diese. Heutzutage sind die europäischen Grenzen offen, ursprünglich dank den Schengener Verträgen. Um diese offenen Grenzen geht es der transnationalen Partei Volt, die 2019 erstmalig zur Europawahl antreten möchte.

Die 2017 gegründete Partei hat inzwischen rund 15.000 Unterstützer in insgesamt elf Staaten, die sie als Partei anerkennen. Volt selbst beschreibt sich als „paneuropäische, progressive Bewegung“. Schon das Kunstwort „Volt“, so Pressesprecher Tim Kissels, stehe für den Willen, „Europa zu elektrisieren“.

Jetzt fand die Partei-Aktion „Grenzenlose Zukunft“ am Grenzübergang in Vaals statt. Durch diese wolle die Partei symbolisch zeigen, „was offene Grenzen bedeuten“, so Kissels. Am Ortsausgang Vaals postiert, inszenierten einige Parteimitglieder einen alten Grenzübergang – in Uniform, mit Passkontrollen und harschen Anweisungen. „Gerade für junge Menschen ist die Vorstellung von Grenzkontrollen sehr befremdlich“, erklärte Eileen O’Sullivan. Sie ist eine der Kandidatinnen für die kommende Europawahl am 26. Mai. Durch solche Aktionen wolle die Partei Abschottungstrends internationaler Politik etwas entgegensetzen. Mit Bildlichkeit Eindruck hinterlassen, zum Nachdenken anregen. „Wir wollen das Potential europäischen Zusammenhalts verdeutlichen“, betonte Paul von Loeper – eine Art Generalsekretär der Partei. So ließe sich wohl seine Funktion beschreiben, „wäre Volt eine herkömmliche Partei“, erläuterte er.

Und genau das will Volt nicht sein. Die Partei versteht sich als „politisches Start-up“. Sie will sich nicht direkt gegen die bekannten Parteien stellen, doch immerhin deutlich von diesen abgrenzen. Sehe sich Volt als linke Partei? Nicht wirklich. „Wir wollen uns auf keine ideologische Richtung einengen lassen“, erklärte einer der schauspielernden „Grenzbeamten“, Theo Söhler. Der Aachener Student kam durch zwei für ihn unerwartete politische Ereignisse zu der Partei: Trumps Wahlsieg und das Brexit-Votum. „Da war ich alarmiert“, sagte Söhler. Er sei offen für verschiedenste Parteien gewesen, doch habe ihn die „paneuropäische Idee“ überzeugt, der Wunsch nach mehr Zusammenhalt und gleichberechtigter Zusammenarbeit aller EU-Staaten.

Das sei der richtige Fokus einer Partei, da alles andere – Klimaschutz, Verhinderung von Steuerflucht, Umgang mit Flüchtlingen – nur zusammen gelöst werden könne, verdeutlichte Söhler. Doch scheint die Partei nicht nur durch ihr europäisches Konzept viele zu überzeugen. Es geht auch um das Moment des Neuen. Eine Partei, die sich abgrenzt vom „Establishment“, neue Wege gehen will, eine Alternative im Geist von Freiheit und Demokratie bieten möchte.