Aachen: Junge Musiker schwingen den Taktstock

Aachen: Junge Musiker schwingen den Taktstock

Melina zeigt wo´s langgeht. Mal zeigt sie mit ihrem Zeigefinger auf den Mund, um den Schlagzeuger etwas zurückzunehmen. Ein anderes Mal hebt sie kraftvoll ihre Arme, um den Spielern mehr Dynamik zu entlocken.

Die Waldorfschülerin dirigiert sieben Musiker, gemeinsam entführen sie die Zuschauer mit dem Stück „Saloon” in den wilden Westen.

Melina und ihre Mitmusiker nehmen an dem Projekt „Keine Lust auf Mozart” teil, das Kindern und Jugendlichen von 8 bis 17 Jahren ermöglicht, gemeinsam mit professionellen Musikern eigene Stücke zu komponieren und schließlich aufzuführen. Insgesamt haben rund zehn Schüler der Kompositionsklasse der freien Musikschule „Music-Loft” und circa 30 Zehntklässler der freien Waldorfschule daran teilgenommen.

„Mir ist bewusst, dass der Titel Keine Lust auf Mozart´ nicht überall Anklang findet. Aber ist vor allem eins: sehr prägnant”, sagt Johanna Daske, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (GZM) und schmunzelt. Der Ursprung des Titels liegt im Mozartjahr 2006. Denn als die Radio- und Fernsehsender die Kompositionen des weltberühmten „Wunderkindes” rauf und runter spielten, hatten Johanna Daske und Birgit Baum, Leiterin des „MusicLoft” tatsächlich erstmal keine Lust (mehr) auf Mozart´. „Wir wollten ein Projekt starten und vor allem Kinder und Jugendliche involvieren. Und Mozart war nun wirklich jedem ein Begriff”, erinnert sich Johanna Daske an die Anfänge.

So entstand im darauffolgenden Jahr 2007 die erste Kompositionsklasse des „Music-Loft”. Ein Jahr später wurden im Rahmen des Projekts Stummfilme vertont. „Auch wenn wir jedes Jahr neue Elemente hinzufügen, ist und bleibt der Kern des Ganzen die Interpretation Neuer Musik”, fügt Daske hinzu.

Insgesamt sechs Wochen haben die Kinder und Jugendlichen in diesem Jahr an ihren eigenen Stücken geprobt. Zunächst stellten die Profimusiker Hans-Günter Eisele, Tom Morrison und Regina Pastuszyk sowie der Musiklehrer Henning Hoffman ihre Instrumente und deren Klang vor. „Dadurch wurde den jungen Komponisten bewusst, dass ihnen keine Grenzen gesetzt sind und dass sie mit Musik wirklich alles ausdrücken können, was sie beabsichtigen”, erklärt David Graham.

Die Nachwuchstalente haben allerdings nicht bloß komponiert, sondern ihre eigenen Stücke schließlich auch aufgeführt und eben auch dirigiert. Von bizarr bis harmonisch, von melancholisch bis komisch - den Zuhörern wird dabei eine breite musikalische Palette geboten. Julian Salmassis Stück „Tonight” stimmt das Publikum eher nachdenklich. Die 16-jährige Antonia Hillebrand erntet für „Ozean” großen Applaus.

Die besten Kompositionen - von Schülern aus der 10. Klasse des Rhein-Mass-Gymnasiums - werden auch noch verfilmt. Dies hat die 14-jährige Schülerin Dana Fröhlich bei ihrer Komposition durchaus bedacht: „Ich habe ich mir zu meinem Titel Weltreise´ eine musikalische Reise vorgestellt. Darunter die Glocken des Big Ben oder die orientalischen Klänge Asiens”, erklärt sie. „Ich bin gespannt, ob wir tatsächlich nach Asien oder über den Ozean reisen”, sagt Johanna Daske und freut sich auf die Filmpremieren am 13. Dezember.

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