Junge Menschen mit neuer Lunge sprechen über ihre Transplantation

Tag der Organspende : Eine neue Lunge als zweite Chance

Klaus Maas ist 33 Jahre alt, verheiratet und lebt in der Eifel. Pia Pelzer ist 16, Schülerin und lebt in Geilenkirchen. Auf den ersten Blick haben beide nicht viel gemeinsam. Doch der Schein trügt: Denn die beiden sind Mukoviszidose-Patienten und haben eine neue Lunge.

Es war der 31. Dezember 2015, als Klaus Dieter Maas einen Anruf aus Gießen erhielt. „Sind Sie bereit für eine Lungentransplantation?“ Der Mann, der an Mukoviszidose leidet, befand sich gerade im Aachener Luisenhospital, ihm ging es nicht wirklich gut, und auf eine neue Lunge wartete er bereits seit über einem Jahr. Jetzt war endlich ein Spenderorgan gefunden, und es ging alles ganz schnell: Bereits am gleichen Abend, noch im alten Jahr, wurde die neue Lunge erfolgreich in Gießen transplantiert.

Noch viel schneller ging es bei Pia Pelzer aus Geilenkirchen, die ebenfalls an Mukoviszidose leidet. Sie wurde am 5. April dieses Jahres in Hannover operiert. Und das war auch bitter nötig, sagt die Jugendliche. „Ich lag im Krankenhaus, meine Lungenfunktion lag nur noch bei 11 Prozent.“ Beide, sowohl Klaus Maas als auch Pia Peltzer, sind vom Verein Mukoviszidose Aachen unterstützt worden. Am heutigen Tag der Organspende, zu dem es eine Zentralveranstaltung in Kiel gibt, will der Verein darauf aufmerksam machen, dass eine Transplantation für viele schwerkranke Menschen die letzte Hoffnung ist.

Schon länger sei eine Lungentransplantation für sie ein Thema gewesen, die Risiken seien ihr bekannt. „Doch ganz ehrlich: In dem Moment denkt man nicht an die Risiken. Man weiß, dass das die einzige Chance ist, die man noch hat.“ Und dass sie diese Chance ergriffen hat, bereut Pia Pelzer keine Sekunde.

Bereuen tut auch Klaus Maas nichts, auch wenn es bei ihm etwas länger gedauert hat, ehe er sich mit dem Gedanken anfreunden konnte, eine neue Lunge zu bekommen. „Ich habe mich jahrelang nicht damit beschäftigen wollen“, sagt er. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, er musste seine berufliche Tätigkeit aufgeben, und immer noch wollte er lieber keine Transplantation. Doch irgendwann war klar, dass jetzt etwas passieren muss.

Und nach der erfolgten OP hat Maas, wie er selbst sagt, viele Dinge nachgeholt. „Ich kann wieder Treppen steigen, das war vorher undenkbar. Ich konnte bei meiner Mutter ausziehen, habe geheiratet, habe einen Führerschein gemacht und wir haben einen Hund“, erzählt er. Nein, kurzentschlossen sei das nicht, aber „man lebt einfach bewusster, wenn man so etwas erlebt hat“, sagt er. Und: „Ich trage eine Verantwortung für das Organ, das man mir gegeben hat. Ich kann mein Leben jetzt nicht in der Dunkelkammer verbringen.“

Dabei ist auch das Leben mit einer neuen Lunge nicht gerade ein Zuckerschlecken. Denn ein transplantiertes Organ macht Arbeit. Viel Arbeit. „Ich muss im Moment 32 Tabletten am Tag schlucken“, sagt Pia. Das sind Immunsuppressiva, Medikamente gegen Pilzerkrankungen, Antibiotika und Kortison. Sie darf keine Grapefruit essen und muss auch bei anderer Rohkost aufpassen, die man nicht richtig gründlich reinigen kann – beispielsweise Blattsalat. „Ich muss jetzt auch mit der Sonne aufpassen, weil meine Haut durch die Medikamente sehr empfindlich geworden ist.“ Ganz schön viele Einschränkungen für eine junge Frau. Und doch: Auf die Frage, ob es ihr denn dadurch schlecht ginge, antwortet sie: „Nein! früher ging es mir schlecht. Ich kann jetzt endlich wieder durchatmen.“

Weder Pia Pelzer noch Klaus Maas wissen etwas über ihre Spender. Das Verfahren verläuft komplett anonym. Nur über Eurotransplant, das ist die Datenbank, in der alle Menschen verzeichnet sind, die auf ein Organ warten, kann man anonymisiert mit den Angehörigen Kontakt aufnehmen. „Ich bin unglaublich dankbar und würde der Familie gerne sagen, dass es mir gut geht“, sagt Pia. Und Klaus Maas würde sich freuen, wenn alle Menschen sich gedanklich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen würden: „Es soll ja niemand gezwungen werden, einen Organspendeausweis auszufüllen“, sagt er. Doch es gebe viele Menschen, die durch die Spendenbereitschaft eines anderen eine zweite Chance bekommen. So wie Pia Pelzer und Klaus Dieter Maas.

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