Aachen: Jung, interaktiv, anders: Künstler von C5

Aachen : Jung, interaktiv, anders: Künstler von C5

Passbildautomat? Fernsehstation? Überdimensionale Kaffeemaschine? Wer die letzten zwei Monate den Hauptbahnhof, das Kármán-Auditorium oder das Grashaus besucht hat, mag vielleicht solche Gedanken beim Anblick des zwei Quadratmeter großen Kabuffs mit dem roten Satinvorhang empfunden haben.

„C5-Kabäuschen” nannte sich das Ganze. Im Innenraum des Kastens war ein Bildschirm installiert, auf dem wildfremde Personen zu sehen waren. Sie erzählten, und das neben Deutsch auch auf Niederländisch, Französisch, Arabisch, Japanisch.

Manche sagten sogar gar nichts. Sie tranken etwas oder lasen ein Buch. Per Knopfdruck konnte der Betrachter zur nächsten Person wechseln. Dabei gab´s Kaffee aus dem Automaten.

Faktisch handelte es sich um eine Kunstaktion im Rahmen von „across the borders”. Vergangenen Freitag feierten das Projekt und seine Künstler im Grashaus einen gebührenden Abschied.

Im „C5-Kabäuschen” sollten Menschen aus der Euregio per Videoinstallation miteinander verbunden werden. Bei einer Reise durch das Dreiländereck hatte die Künstlergruppe C5, vertreten durch Frank Hauschildt und Philipp Noller, verschiedenste Personen zum Kaffee geladen - und das Reden oder Schweigen ihres Gegenübers auf Video festgehalten.

Diesen Aufzeichnungen aus Aachen, Maastricht und Eupen konnte dann später jeder im „C5-Kabäuschen” beiwohnen.

„Wir dachten erst daran, die ausländischen Stimmen zur besseren Verständlichkeit zu synchronisieren”, erzählt Frank Hauschildt. „Doch dann käme der Charakter extremer Gegensätze nicht mehr zu Geltung.”

Extreme Gegensätze und ausgefallene Ideen seien aber ein Markenzeichen der Aktionskünstler, die bereits mit dem Förderpreis „Young Artists on the Road” ausgezeichnet wurden. Mit diesem Projekt hatten sie erneut ihren Einfallsreichtum unter Beweis gestellt.

Auf der Finissage im Grashaus konnte per Videoinstallation dieser Reichtum bei so manch anderem skurrilen Projekt bestaunt werden. Beispielsweise als die Jungkünstler den Europaplatz in eine riesige Roulettescheibe verwandelten.

Aus dem 21. Stockwerk des benachbarten Hochhauses waren die knapp drei Meter großen Zahlen auf dem trockenen Brunnenboden gut zu erkennen, ebenso ein Vesparoller. Dessen Fahrer schaltete auf Funkbefehl den Motor aus und rollte dann so lange im Kreis, bis er auf einer Zahl zum Stehen kam - quasi eine lebendige Roulettekugel.

Die Zuschauer waren begeistert. Bleibt zu hoffen, dass C5 noch viele ähnlich ausgefallene Projekte auf Lager hat - jung, interaktiv, spontan, eben anders!

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