Jüdische Kulturtage vom 28. März bis 14. April in Aachen

Vielfältiger Veranstaltungsreigen : Auch Fredy Hirsch ist Thema bei den Kulturtagen

Die Jüdischen Kulturtage rücken in der Zeit vom 28. März bis 14. April aktuelles jüdisches Leben buchstäblich ins Rampenlicht. In zehn Veranstaltungen in Aachen geht es um zeitgenössische Kunst in allen möglichen Genres. In zwei Formaten liegt der Fokus aber auch auf der Erinnerungskultur, mit einem speziellen lokalen Charakter.

„Obwohl der Schwerpunkt in erster Linie auf dem Aktuellen liegt, haben wir uns dafür ausdrücklich ausgesprochen. Auch diese Themen haben weiterhin Bedeutsamkeit für die Gegenwart“, erklärte Friedrich Thul, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Aachen, bei der Programmvorstellung. Die Stadt Aachen beteiligt sich in enger Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde und als eine von 15 Städten zum fünften Mal an dem alle vier Jahre stattfindenden Format.

Bestätigt wird Thuls Wunsch nach lokalem Bezug durch das Motto der Jüdischen Kulturtage: „Zuhause“. „Dort wo ich Sicherheit, Frieden, Anerkennung und Toleranz erlebe, da kann ich mich zu Hause fühlen“, meinte Bürgermeisterin Hilde Scheidt dazu. Umso mehr erschreckten sie rechtsextreme und antisemitische Straftaten und Äußerungen. „Aber in Aachen haben wir auch immer wieder gezeigt: Viele stehen dagegen auf!“ Gerade auch das Begegnungsfest zum Abschluss der Jüdischen Kulturtage in Aachen auf dem Synagogenplatz mit Klezmer und koscheren Köstlichkeiten aus dem Food-Truck mache die Offenheit der Stadt und der Jüdischen Gemeinde deutlich.

Erinnert wird an Opfer des Holocaust der Aachener Region bei zwei Gelegenheiten: Die Ausstellung „We, The Six Million“, die von Studierenden der RWTH konzipiert wurde und am Jahrestag der Reichspogromnacht, 9. November, im Aachener Rathaus erstmals zu sehen war, wird vom 1. bis 5. April im Anne-Frank-Gymnasium gezeigt. Eine Podiumsdiskussion mit NRW-Prominenz wird die Vernissage begleiten. Am 3. April kommen Autoren und Journalisten in der Klangbrücke zusammen, um ihre Erkenntnisse über das Leben des Aacheners und Holocaust-Opfers Fredy Hirsch mit dem Publikum zu teilen.

Zeitgenössische jüdische Kultur aus der ganzen Welt ist indes in Lesungen, Konzerten und Filmen zu erleben. Itay Dvori, israelischer Pianist, Komponist und Dirigent mit Wohnsitz in Berlin, bringt zum Aachener Auftakt am 30. März gleich ein ganz neues Kunstgenre in den Ballsaal des Alten Kurhauses: In einem Comickonzert präsentiert er aktuelle Comics von israelischen und deutschen Zeichnern, die er am Flügel musikalisch interpretiert. „Das ist eine völlig neue Ausdrucksform“, begeistert sich Susanne Güntner vom Veranstaltungsmanagement im Kulturbetrieb der Stadt Aachen.

Als ebenso hochkarätig bewertet die Programmverantwortliche Güntner die Lesung von Irene Dische im Ludwig Forum am 2. April aus ihrem Buch „Schwarz und Weiß“: „Das ist eine schonungslose Autopsie des Patienten USA.“ Zudem holt sie das Paul-Spiegel-Filmfestival mit zwei Filmen über aktuelles jüdisches Leben ins Apollokino (8. und 11. April). Sie freut sich, dass sich auch beim fünften Mal sehr viele Kooperationspartner sehr schnell finden ließen: „Da gehen die Finger immer sehr schnell hoch.“

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