Aachen: Josef Gülpers und sein alter Bechstein

Aachen : Josef Gülpers und sein alter Bechstein

Dem alten Bechstein hat Josef Gülpers es zu verdanken, dass Pianistin Karina Sabac am Freitagabend in seinem Musikzimmer in Verlautenheide ein Privatkonzert gibt. Als die Musikerin via Facebook ein Bild von einem schicken Flügel postete, einem alten Bechstein, konnte Gülpers nicht anders und schickte ihr ebenfalls ein Bild — von seinem alten Bechstein-Flügel.

„Er ist aus den Jahren vor 1914“, sagt Gülpers, und sein ganzer Stolz. Als er den Flügel Anfang der 1980er Jahre erwarb, war er frisch restauriert, Gülpers damals gerade in den 20ern. Ein Bausparvertrag lief aus, und das Geld investierte er in das prächtige Musikinstrument.

„Ich bin ein Mensch der Extreme“, sagt er über sich selbst. Denn als er mit 20 Jahren Klavierunterricht nahm, reichte ein Klavier für den Anfang nicht aus. „Ich wollte immer einen Flügel.“ Ein neuer Bechstein wäre dann vielleicht doch zu teuer gewesen, aber den alten fand er damals in einem Musikhaus in Aachen.

Unverhofft kommt oft

Trotz der Restauration sei das Innere, also die Technik, noch so, wie eben früher Flügel gebaut wurden. „Er klingt weicher, deshalb hatte Frau Sabac auch so ein Interesse an dem Instrument“, sagt er.

Denn auch wenn Kunstsammler Gülpers musikalisch sehr interessiert ist und ebenfalls Klavier spielt, so ist doch eher das alte Instrument in seinem Haus der Grund dafür, dass Karina Sabac sich vor rund zwei Monaten unverhofft bei ihm meldete. „Auf meine Nachricht hat sie geantwortet und gefragt, ob sie mal auf dem Flügel spielen dürfe“, sagt Gülpers. Denn Sabac wird in absehbarer Zeit die sechs Bach-Partiten auf einem alten Bechstein-Flügel für eine CD-Aufnahme einspielen. Es wird dann zwar nicht der Flügel von Gülpers sein, mit dem sie die CD aufnimmt, aber eben ein ähnliches Modell. „Hier ist die Akustik zu schlecht. Für eine Aufnahme muss alles stimmen, da sollte der Boden aus Holz sein“, sagt Gülpers. Das ist er in seinem Musikzimmer leider nicht.

Dennoch möchte Sabac auf alten Bechstein-Flügeln üben — und das eben so häufig wie nur möglich. „Sie hat mich dann gefragt, ob sie vielleicht ein kleines Privatkonzert hier geben könnte“, sagt Gülpers. Und er hat gleich zugesagt. Sabac war schon einmal bei ihm, um den Flügel zu testen. Am Freitagabend wird sie etwa eine Stunde lang spielen — drei der sechs Bach-Partiten. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Gülpers. „Norma­lerweise veranstalte ich hier Kunsttreffen. Dass eine Pianistin hier spielt, das kommt nicht jeden Tag vor“, so Gülpers weiter. Für diesen Anlass hat er etwa 30 Gäste eingeladen. Mehr Platz hat er in dem Musikzimmer leider nicht.

Konzertpianistin Karina Sabac hat sowohl als Solistin bei Soloabenden als auch mit Orchestern in Amsterdam, Berlin, München und Bukarest gespielt. Sie trat in Triobesetzungen mit den Konzertmeistern und Stimmführern der Los Angeles Philharmonic und New York Philharmonic, mit Knut Weber, Cellist der Berliner Philharmoniker, und mit der Geigerin Midori Goto in der Disney Hall, Los Angeles, auf. Sie ist außerdem Preisträgerin mehrerer europäischer und US-amerikanischer Wettbewerbe und Auszeichnungen. Nun wird sie auch in Verlautenheide spielen.

„Das Faszinierende ist, dass sie sich zum Proben einfach an den Flügel gesetzt hat und drauflos gespielt hat — ohne Noten. Nebenher hat sie sich noch mit mir unterhalten“, sagt Gülpers, der immer noch sichtlich beeindruckt ist. Dass ein alter Bechstein ihm mal so einen spannenden Abend bescheren würde, das hätte er wohl nicht gedacht.