Aachen: Joost Meyer und das Nashorn mit der Pfeife

Aachen : Joost Meyer und das Nashorn mit der Pfeife

„Wer beobachtet hier wen?“, ist die wohl vorherrschende Frage in den Räumlichkeiten des Dezernats für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport. Denn egal ob in Flur, Besprechungs- oder Büroraum — überall hängen Tierköpfe aus Bronze wie Jagdtrophäen an den Wänden.

Zweimal im Jahr bietet das Dezernat Künstlern die Möglichkeit, die Räume als Ausstellungsplattform zu nutzen. Noch für einige Monate sind nun die Werke von Joost Meyer unter dem Motto „einfach mal hängen lassen“ dort zu sehen.

„Jeder ist eingeladen, ein bisschen durch die Zimmer zu spazieren“, meinte die Kulturdezernentin Susanne Schwier bei der Eröffnung am Freitag. Auch ihr eigener Arbeitsplatz ist für die nächste Zeit im direkten Blickfeld eines Pfeife rauchenden Nashorns. „Ich fühle mich nicht beobachtet. Es wirkt eher beruhigend“, meinte Schwier. „Nur das mit dem Rauchverbot versteht das Tier noch nicht so ganz.“

Für die Platzierung der Skulpturen sorgte Künstler Joost Meyer selbst. So sind unter anderem Seekühe, Krokodile, Wasserbüffel sowie „Der Typ und der Hai“ quer in den Räumen verteilt. „Bekanntschaft machen mit dem Aachener Tierpark“, nannte es Myriam Kroll, Kuratorin des Centre Charlemagne. Doch es gibt mit dem bronzenen Mops- und dem Hausschweinkopf auch Haustiere zu entdecken.

„Man nimmt mit den Exponaten direkten Kontakt auf“, zeigte sich Kroll fasziniert. Einerseits beobachte der Besucher die Tiere, andererseits scheinen aber auch die „Viecher“, wie Kroll sie bezeichnete, die Menschen zu beobachten.

Die von Meyer geschaffenen Kreaturen führen die eigenen Beziehungen und Gefühle zu den Mitgeschöpfen vor Augen. Die tierischen Kunstwerke können im Übrigen nicht nur bewundert, sondern auch gekauft werden.

Die Exponate sollen für Gesprächsstoff sorgen, vielleicht sogar ein wenig irritieren, so Susanne Schwier: „Denn wo kann man besser über Kunst und Kultur diskutieren als hier?“ Die animalische Ausstellung der Reihe „Kunst in der Mozartstraße“ ist noch bis zum 28. März in den Räumlichkeiten des Dezernats zu sehen. Ob das Nashorn sich bis dahin das Rauchen abgewöhnt, ist sehr fraglich.

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