Johannes Donner zeigt neue Werke in den Aachen-Arkaden

Kunstgeschichten : Werke wie Naturgewalten

Vor allem sinnlich sind die Arbeiten von Johannes Donner mit ihren aufbrechenden Oberflächen zwischen zartem Craquelé, feinen Rissen und dramatischen Eruptionen. Doch in der Wirklichkeit des Künstlers, in seiner Arbeitswelt zwischen dem winterlichen Heinsberger Raum und sommerlich-mediterranen Open-Air-Ateliers, sieht es ganz anders aus. Bis 2. März zeigt er seine Werke in den Aachen-Arkaden an der Trierer Straße.

Wenn der einstige Fotograf und heutige Maler Johannes Donner eine Arbeit beginnt, steht er ohne Plan vor der weißen Leinwand. Ohne Idee begibt er sich ans Werk und lässt sich vom Material inspirieren. Marmormehl und Sumpfkalk spielen eine große Rolle, aber auch Pigmente, Öle, Binder und Tuschen. Donner bringt zusammen, was seine Fantasie will, arbeitet teils mit den bloßen Händen und gestaltet als Schöpfer mit Kraft und Gefühl für die Tiefe und Oberfläche seiner Bildobjekte zugleich. Lange muss er warten, bis die teils dicken Schichten verschiedenster Materialien getrocknet sind, allein das Mohnöl braucht Monate.

So entstehen Werke, die wie Naturgewalten wirken, Respekt vor den unbeherrschbaren Kräften auslösen, die die großen Erosionen, Erschütterungen, Veränderungen und vor allem die Prozesse von Werden und Vergehen auslösen. Donner scheint Momente anzuhalten, in denen Aufbrüche Unsicherheiten aufkommen lassen, weil das Darunterliegende nach Oben drängt. Dann wiederum zeigt sich Ruhe und Gelassenheit, etwa bei den Fresken, deren Technik er in Italien bei einer Meisterin gelernt hat, wohlwissend, dass Veränderung Zeit und Geduld für das Gelingen braucht.

Durchweg sind die Arbeiten, die Donner gerne als „Materialbilder“ bezeichnet, experimentell, keine gleicht der anderen, wenn auch die Handschrift des Künstlers deutlichen Wiedererkennungswert besitzt. Ob etwa bloße Leinwand, Haftputzgips aus dem Handwerkerbedarf oder Seidelbastpapier aus dem Himalaya – Johannes Donner schafft aus und mit ihnen lebendige Oberflächen, übergießt sie mit Dutzenden von transparenten Farbschüttungen und lässt sie zu Erde oder Stein werden, zu Höhlenmalerei oder Fresko, zu Natur pur oder zu Kunst, deren Hintergrund und Ziel selbst ihm als Kreateur bisweilen ein Rätsel im glücklichen Prozess bleibt.

Die Ausstellung mit dem Titel „Zeichen der Zeit“ ist in ihrer Sinnlichkeit unbedingt sehenswert und hängt bis zum 2. März im Kulturwerk der Aachen Arkaden, 1. Etage, Trierer Straße 1. Zu besichtigen sind die Arbeiten dienstags bis samstags von 13 bis 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

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