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Aachen: Jobcenter-Neubau bekommt keine Sicherheitsschleuse

Aachen : Jobcenter-Neubau bekommt keine Sicherheitsschleuse

Die Erwerbsloseninitiative Joycenter.net fordert, dass beim Neubau des Aachener Jobcenters an der Krefelder Straße Sicherheitsschleusen eingebaut werden. Begründung: Nur acht Monate nach einer tödlichen Messerattacke in Neuss ist es in dieser Woche erneut zu einer schweren Angriff gekommen, diesmal im Jobcenter in Leipzig.

Ein junger Mann schlug mit einem Hammer auf eine Sachbearbeiterin ein. Die 52-Jährige wurde am Kopf verletzt, ein Kollege stoppte den Angreifer und verhinderte Schlimmeres. Klaus Heck, Leiter der von mehreren Hartz-IV-Empfänger aus Aachen gegründeten Initiative und Sprecher des Netzwerk SGB II der Städteregion Aachen, fordert die Verantwortlichen auf, die anhaltende Bedrohungslage für die Mitarbeiter und Kunden der Jobcenter ernst zu nehmen und Sicherheit an die erste Stelle zu setzen.

Angesichts der lebensgefährlichen Hammerattacke vom Dienstag fordert Heck deshalb die Einrichtung von Sicherheitsschleusen in dem geplanten Jobcenterneubaus. „Sind denn Jobcentermitarbeiter weniger wert als Mitarbeiter in den Gerichten?” fragt Heck. So seien NRW-weit die Gerichte mit Sicherheitsschleusen ausgestattet.

„Neben anderen Maßnahmen, wie einer Spielecke für Kinder, einer sichtbaren Präsenz von Beratungsstellen im Eingangsbereich usw. würde eine solche Schleuse im Eingangsbereich die Sicherheit der Besucher und Mitarbeiter erheblich erhöhen.” Dass auch die Mitarbeiter und Besucher in Aachen gefährdet sind, weiß Heck nur zu gut: „Beinahe wöchentlich kommen Menschen in unsere Beratung, die heftige Drohungen gegen ihre Sachbearbeiter aussprechen, meist, weil sie völlig verzweifelt sind, sich schikaniert fühlen, hungern, ihnen der Strom abgestellt wurde oder sie kurz vor der Räumung ihrer Wohnung stehen. Wir bieten dann unsere Begleitung an, denn das deeskaliert auf jeden Fall.“

Christian Neuß, Sprecher des Jobcenters der Städteregion, versichert, dass man das Thema Sicherheit sehr ernst nehme, immerhin sei man ja 2007 selbst Ziel einer Geiselnahme in der Dependance Neuenhofer Weg gewesen. Zwei Mitarbeiter waren seinerzeit von einer 46-Jährigen mit einer Waffe bedroht worden. Die Frau war nach etwa einer Stunde von der Polizei überwältigt worden, das Drama endete unblutig. Neuß: „Nach dem Vorfall in Neuss haben wir das vorhandene Sicherheitskonzept auf den Prüfstand gestellt.“ Dort hatte im September 2012 ein Mann eine Jobcenter-Angestellte in deren Büro erstochen, er bekam lebenslänglich.

Beim Durcharbeiten des einschlägigen Empfehlungskatalogs der Regionaldirektionen habe man, so Neuß, daraufhin festgestellt, dass man viele Maßnahmen in Aachen schon verwirklicht habe, etwa ein Alarmsystem oder das Eskalationstraining für Mitarbeiter. Verstärkt habe man nach der tödlichen Attacke in Neuss aber den Sicherheitsdienst. So sind an der Roermonder Straße jetzt zwei Sicherheitsleute eingesetzt (vorher einer), am Neuenhofer Weg (350 Mitarbeiter) sogar drei bis vier. Sie begleiten auch „Problemkunden“ zu den Mitarbeitern.

Sicherlich sei die Eingangssituation am Neuenhofer Weg nicht ideal, räumt Neuß ein. Besser werde es im geplanten Neubau an der Krefelder Straße, der ein großzügiges Foyer erhalte, das eine freundliche Atmosphäre verbreiten sollte. Dort werde auch die Besuchersteuerung optimiert, so dass die Besucher direkt an die richtige Stelle geleitet würden. Der Neubau, der von einem Investor errichtet wird, soll Anfang 2015 fertiggestellt sein (wir berichteten).

Keine absolute Sicherheit

Über das Thema Sicherheitsschleuse im Neubau habe man auch mit Polizei und Personalrat geredet und sei zu einer ablehnenden Haltung gekommen. „Davor würde es zu einem Stau kommen, wodurch Aggressionen entstehen können.“ Wenn man Situationen wie in Leipzig ausschließen wolle, müsse man sich komplett abschotten: „Das wollen und das können wir nicht Wir sind eine offene Behörde.“ Eine absolute Sicherheit gebe es auch mit einer Sicherheitsschleuse nicht.“ Es gehe auch um das Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und Mitarbeitern.