Aachen: Jobcenter mit Plan für Langzeitarbeitslose

Aachen : Jobcenter mit Plan für Langzeitarbeitslose

Rosemarie Kauric war lange arbeitslos und hatte mit ihren 59 Jahren auch kaum noch eine Chance, einen Job zu bekommen. Jetzt ist sie die erste Langzeitarbeitslose des Jobcenters Städteregion Aachen, die im Rahmen eines neuen Programms Arbeit gefunden hat. Seit dem 15. Juli arbeitet sie als Reinigungskraft für das Diakonische Netzwerk Wabe.

„Ich kann nicht nur zu Hause rumsitzen. Ich muss was machen“, sagt sie. Die neue Arbeit mache ihr Spaß, und die Kollegen seien alle super nett, schwärmt sie. Alois Poquett, Geschäftsführer der Wabe, ist seinerseits mehr als zufrieden mit seiner neuen Mitarbeiterin. Er ermuntert auch andere Arbeitgeber, auf den einzelnen Menschen zu schauen. „Vertrauen ist eine gute Investition“, meint er.

Geld von Bund und EU

Das Jobcenter will bis April 2020 insgesamt 200 Langzeitarbeitslose in den allgemeinen Arbeitsmarkt bringen. Das Projekt wird vom Bund und vom Europäischen Sozialfonds gefördert. Der Bund beteiligt sich mit 7,5 Millionen an den Kosten. Das Besondere an dem Projekt ist nach Angaben von Kurt Rieder, Projektleitung des Langzeitarbeitslosenprogramms im Jobcenter, dass die neuen Arbeitnehmer während der gesamten zwei Jahre Laufzeit des Projekts gecoacht werden.

Das entlaste nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Arbeitgeber, die sich um soziale Belange nicht mehr kümmern müssten. Der Coach des Jobcenters steht bereit, um bei Behördengängen oder Anträgen zu helfen, auftretende Probleme zu lösen und die Integration des neuen Arbeitnehmers zu erleichtern.

Außerdem bietet das Programm den neuen Arbeitnehmern die Chance, sich für die neuen Aufgaben zu qualifizieren. Alle Beteiligten hoffen, dass sie sich nach der zweijährigen Laufzeit des Programms in ihrem neuen Betrieb unabkömmlich gemacht haben und weiter beschäftigt werden.

„Der Arbeitsmarkt floriert“, meint Stefan Graaf, Geschäftsführer des Jobcenters Städteregion Aachen. Doch Langzeitarbeitslose würden davon nicht profitieren. Laut Statistik sind derzeit rund 10 000 Menschen in der Städteregion ein Jahr oder länger arbeitslos. In speziellen Förderzentren bekommen sie die Chance, sich auf eine Berufstätigkeit vorzubereiten. Aus diesem Pool sollen die künftigen Mitarbeiter stammen. Jetzt gehe es vor allem auch darum, neue Arbeitgeber für das Projekt zu gewinnen, meint Graaf.

Die ersten Stellenangebote liegen dabei laut Kurt Rieder bereits vor. Meistens seien es einfache Tätigkeiten in der Küche, als Reinigungskräfte, im Call-Center oder als Hausmeister beispielsweise. 22 Arbeitgeber haben sich demnach bereits mit 30 Stellen gemeldet. Dann wird geprüft, ob die Langzeitarbeitslosen für den jeweiligen Job geeignet sind. „Die Motivation muss stimmen“, meint Rieder. „Es müssen Leute sein, die sich der Arbeit stellen wollen“, fügt er hinzu.

Der Coach hilft

Bei Rosemarie Kauric hat offensichtlich alles gepasst. Sie ist vor allem auch dankbar für die Unterstützung durch ihren Coach, Bernhard Mommertz. Derzeit laufe alles gut, sagt er und hebt den vertrauten Umgang mit seinem Schützling hervor.

Insgesamt 15 Arbeitnehmer wird er im Rahmen des Projektes betreuen. Dabei werde es wöchentliche Kontakte geben, sagt er. Und die natürlich auch mit den Arbeitgebern.

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