Inklusion und Digitalisierung in Aachen: Jetzt fehlt nur noch ein Englischkurs

Inklusion und Digitalisierung in Aachen : Jetzt fehlt nur noch ein Englischkurs

Heiko Hilkert und Patrick Quasten kümmern sich um die jungen Unternehmer, die sich mit ihren Start Ups in der Digital Church in Aachen tummeln. Die beiden stammen aus der Werkstatt der Lebenshilfe.

„Eigentlich hätte sich die Community im digitalHUB selber um Ordnung an der Bar kümmern sollen“, sagt Geschäftsführerin Iris Wilhelmi. Geklappt hat das in der Praxis dann aber nicht so gut. Facility-Manager Hermann Toro hatte alle Hände voll zu tun, um neben all seinen anderen Aufgaben in der digital Church an der Jülicher Straße auch an der Theke für Ordnung zu sorgen. „Wir sind so froh, dass Ihr beide da seid“, sagt Iris Wilhelmi jetzt noch einmal ganz ausdrücklich in Richtung ihrer zwei neuen Mitarbeiter. Heiko Hilkert und Patrick Quasten kümmern sich nun um den Empfang der Gäste, bereiten Tische für Konferenzen vor und sorgen für Ordnung an der Bar. Das Besondere dabei: Die beiden stammen aus der Werkstatt der Lebenshilfe und arbeiten nun in unmittelbarer Nähe zu den Start Ups, die in der Digital Church an ihren Ideen basteln.

Norbert Zimmermann, Geschäftsführer der Lebenshilfe-Werkstätten, ist überzeugt, dass die jungen Unternehmer den Kontakt zu Menschen mit Behinderungen als wertvolle Erfahrung mitnehmen werden. Inklusion am Arbeitsplatz ist offensichtlich nicht immer ganz einfach, und dass es in der Digital Church so gut klappt, ist nach Meinung aller Beteiligten vor allem auch Hermann Toro zu danken. Der bringt die nötige Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung mit.

Laut Zimmermann arbeiten rund 90 Menschen mit Behinderungen an sogenannten „betriebsintegrierten Arbeitsplätzen“: Beispielsweise bei Zentis, Pro-Idee, Vygon und der Jugendherberge Colynshof. Die Beschäftigten bleiben Mitarbeiter der Werkstätten und haben bei Bedarf das Recht, zurückzukehren. Heiko Hilkert hat viele Jahre in der Lebenshilfe-Werkstatt gearbeitet und schätzt seinen neuen Arbeitsplatz sehr. „Die Menschen hier sind sehr freundlich“, sagt er und sein Kollege Patrick Quasten kann das nur bestätigen. Immer wieder werden die beiden auch auf englisch angesprochen, und deshalb halten sie einen Sprachkurs durchaus für eine gute Idee.

Die Bereitschaft, zu lernen und sich für den neuen Arbeitsplatz fit zu machen, war eine wesentliche Voraussetzung, um für diese Arbeit ausgewählt zu werden. Qualifizierungstrainer der LEWAC, einem Tochterunternehmen der Lebenshilfe-Werkstatt, haben die Kandidaten dann auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. „Die Lernbereitschaft war da“, sagt Ulrike Feldmann-de Vet, Geschäftsleitung LEWAC. Sie lobt zudem die gute Zusammenarbeit zwischen all jenen, die an dem Projekt beteiligt sind. Dass jetzt alles so gut funktioniert, begeistert vor allem auch Iris Wilhelmi. „In ihrer freundlichen Art passen die beiden ganz wunderbar ins Team“, sagt sie. Der digitalHUB wolle zudem ein Zeichen setzen und andere Betriebe ermutigen, Menschen mit Behinderung mehr Chancen für die Teilhabe am Arbeitsplatz zu geben.

Voraussetzung sei aber eben auch, dass an der jeweiligen Arbeitsstätte jemand ein Auge darauf habe, dass die Menschen mit Behinderung beispielsweise auch bei Betriebsfeiern gemeinsam mit ihren Kollegen an einem Tisch sitzen, betont Zimmermann. Und erst wenn das gelinge, sei die Inklusion perfekt.