Aachen: „Jedermänner“ beim AT Aachen: Keine Fehlstunde in 52 Jahren

Aachen : „Jedermänner“ beim AT Aachen: Keine Fehlstunde in 52 Jahren

„Hop!“ ruft Alois Buller durch die Turnhalle an der Königstraße. Und wieder: „Hop!“ Dabei fegt der 81-Jährige im Eilschritt von der einen zur anderen Hallenseite, gefolgt von einem Dutzend weiterer Männer. „Passt auf, jetzt wird es schwierig“, warnt Buller und tippt mit seiner rechten Hand seinen linken Schuh an.

Schnurstracks ahmt die Gruppe seine Bewegung nach. Seit unglaublichen 52 Jahren trifft sich die „Jedermann-Abteilung“ des Allgemeinen Turnvereins Aachen wöchentlich. Und Buller ist — wie auch einige andere — seit Beginn im Jahre 1966 dabei.

Das Kuriose: „Keine einzige Stunde ist ausgefallen“, meint Buller. Ist die Halle belegt, weichen die Senioren-Sportler ins Waldstadion aus. Noch beeindruckender ist eigentlich nur, dass es bis heute insgesamt lediglich drei Übungsleiter gab — Buller ist einer von ihnen.

Gesundheit erhalten

Die „Jedermänner“, wie sie sich selbst betiteln, wollen mit Hilfe des Kurses ihre Koordination, Fitness, Kraft und Beweglichkeit stärken. Kurzum: Die Gesundheit erhalten. Daran hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert. Im Gegensatz zu den Übungen: „Wir haben hier früher Dinge gemacht, die heute als gesundheitsschädlich eingestuft werden“, erzählt Buller. Auch im hohen Alter nimmt der Übungsleiter daher an Fortbildungen teil, um stets auf dem neusten Stand zu bleiben.

Geändert hat sich aber vor allem die Gruppe selbst. „Es sind neue Leute dazugekommen“, sagt Buller erfreut, wird dann aber ernst: „Dennoch fehlt uns der Nachschub von unten.“ Etwa zwölf Leute nehmen freitagabends von 18 bis 20 Uhr an der Turnstunde teil, um gemeinsam Runden durch die Halle zu laufen, mit Medizinbällen zu werfen oder kleine Hanteln von Hand zu Hand zu führen. Je schwieriger die Übung, desto häufiger poltert ein Gewicht krachend zu Boden. In der letzten halben Stunde steht Prellball auf dem Programm. „Das ist Tradition“, betont Buller.

Der Ü50-Kurs ermöglicht zudem das Erlangen des Deutschen Sportabzeichens. „Rund die Hälfte der Leute hat es geschafft“, berichtet Teilnehmer Max Pohlmann. „Und die Anforderungen sind nicht so, dass man es mit links macht.“ Nicht zuletzt Alois Buller versucht auf spielerische Art, die Sportler zu einem Abzeichen zu bewegen. Schließlich ist der Übungsleiter selbst Besitzer des goldenen Sportabzeichens — und zwar 49facher. Seit dem 32. Lebensjahr habe er es jährlich erworben, erzählt er.

Wer die Männersportgruppe beim Turnen beobachtet, der merkt, dass Spaß und Harmonie an erster Stelle stehen. „Lächeln nicht vergessen“, wiederholt der zweite Übungsleiter Gereon Paul immer wieder. Mit 58 Jahren ist er das Küken der Truppe. „Ich mach drei Sekunden länger, dann brauche ich nicht lächeln“, antwortet ein Teilnehmer prompt. Die Sportler lachen. Es sind die kleinen Neckereien und Späßchen, die diese Gruppe so außergewöhnlich machen. Woche für Woche.

Interessierte können sich bei Alois Buller telefonisch unter 02408/2246 melden.

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