Aachen: Jeder Eierstand ist ein Fall für die EU

Aachen: Jeder Eierstand ist ein Fall für die EU

„Da kommt eine Riesenkatastrophe auf uns zu”, bei vielen Kollegen sei die schiere Existenzangst ausgebrochen - für Bernd Krämer stellt die neueste Verwaltungsanstrengung ein großes Übel dar.

Es geht darum, dass die Stadt Aachen dabei ist, die „Europäische Dienstleistungsrichtlinie” auch im Bereich der örtlichen Wochenmärkte umzusetzen. Was bedeutet, dass demnächst jeder Eierstand zwischen Eilendorf und Richterich europaweit ausgeschrieben werden soll und die bisherigen Anbieter um ihren angestammten Verkaufsplatz fürchten müssen. Krämer, Vorsitzender der IG Aachener Wochenmarktbeschicker, will nun retten, was zu retten ist, und setzt auf ein letztes Gespräch mit Rechtsamt und Immobilienmanagement.

Bisher herrscht auf den Aachener Märkten, zwölf an der Zahl, eine Art Gewohnheitsrecht: Die Jahresverträge verlängern sich, sofern es keinen Ärger gegeben hat, quasi stillschweigend. Auf diese Weise sind manche der zurzeit 65 auf Aachener Stadtgebiet tätigen Marktleute seit Jahrzehnten tätig - sie haben Planungssicherheit, die Stammkundschaft findet sie. Diese Errungenschaften drohen über Bord zu gehen; für Krämer sind die geplanten Neuerungen so einschneidend, dass er sich durchaus den einen oder anderen „Bankrott” vorstellen kann.

Der IG-Chef, der mit Obst und Gemüse handelt, ist zudem überzeugt, dass die Stadt Aachen allzu forsch vorgeht bei der Ausschreiberei, denn die fragliche EU-Richtlinie hebe nur ganz allgemein darauf ab, dass der freie Wettbwerb gesichert sein müsse. In ihrer Not sind die Marktbeschicker auch schon bei der Europaabgeordneten Sabine Verheyen vorstellig geworden.

„Überfällige Anpassung”

Beim städtischen Rechtsamt sieht man die Dinge etwas anders. „Wir vollziehen nur eine überfällige Anpassung”, hieß es am Donnerstag. Auf Geheiß des Innenministeriums sei das gesamte Ortsrecht auf Dinge durchforstet worden, die mit EU-Vorschriften kollidieren könnten. Dabei sei man auf die Wochenmärkte gestoßen, deren Organisation bis dato so ablaufe, dass neue Bewerber kaum eine Chance hätten - es müsse aber allen Interessenten Zugang verschafft werden.

Dem Vernehmen nach ist die Verwaltung durchaus gespalten in dieser Frage, gleichwohl ist schon ein neues Marktkonzept gebastelt worden. Es sieht unter anderem vor, dass jedes Jahr zwei Märkte ausgeschrieben werden sollen (beginnend mit Haaren), so dass die jeweilige Vertragsdauer sechs Jahre beträgt. Wer nicht zum Zuge kommt, nimmt auf einer Warteliste Platz. Um die Bewerber möglichst objektiv bewerten zu können, wird es einen langen Kriterienkatalog geben, wobei keinesfalls die Devise gelten soll: Wer am meisten zahlt, hat die besten Aussichten.

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