Aachen: Jeden Tag mehrere Einsätze wegen Tieren

Aachen : Jeden Tag mehrere Einsätze wegen Tieren

Einsätze wegen allerhand Viehzeug sind für Polizei und Feuerwehr im wahrsten Wortsinn an der Tagesordnung. Im vergangenen Monat sind im Präsidium für die Städteregion 111 Einsätze im Zusammenhang mit Tieren registriert worden, im April waren es 112.

„Pro Tag fahren wir in der Regel zwischen drei und fünf Einsätze dieser Art“, sagt Polizeisprecher Andreas Müller. Die häufigste Ursache seien entlaufene Hunde. Allerdings längst nicht immer.

Beim ersten Tiereinsatz am Montag zeigt die Uhr gerade einmal 6.01 Uhr. Die Besatzung eines Streifenwagens meldet einen toten Frischling am Rande der Haarener Straße kurz vor dem Abzweig nach Zweifall. Die Beamten markieren die Stelle mit Flatterband, der Jagdpächter wird verständigt. Um 8.12 Uhr geht es am Höfchensweg weiter. Dort halten es zwei Schafe offenbar für eine gute Idee, ihr Gatter zu verlassen um eine Entdeckungstour zu starten. Gegen 10 Uhr wird der Einsatz in der Leitstelle aktualisiert: Die Tiere stehen wieder sicher auf ihrer Weide.

Zwischenzeitlich — 9.27 Uhr — stiefelt eine Kuh in aller Seelenruhe über den Radweg neben der Monschauer Straße. Eine Autofahrerin kann sie mit ihrem Wagen kurzzeitig in Schach halten. Um 9.37 Uhr wird das Tier dann im Baumgartsweg gesichtet, 20 Minuten später kommt auch in diesem Fall die Entwarnung: Kuh zurück auf heimatlichem Bauernhof. Ein Fall mit toter Katze, die ein Anrufer auf dem Seitenstreifen der A544 meldet, wird an die Kollegen der Autobahnpolizei übergeben.

Besonderen Einsatz in besonderen Fällen bewiesen Beamte auch in der jüngeren Vergangenheit: Am 16. April etwa, als zwei Zwergponys Vetschau verließen, um offenbar über die Autobahn 4 zu neuen Ufern aufzubrechen. Das jedenfalls war die Richtung, die die Tiere über die Felder eingeschlagen hatten. Mit Möhren konnten Polizisten schließlich erfolgreiche Überzeugungsarbeit leisten und den Tieren gemeinsam mit einigen Landwirten an der Horbacher Straße Zaumzeug anlegen.

Gefahrenabwehr

Oberstes Gebot für die Ordnungshüter ist die Gefahrenabwehr, heißt es aus dem Präsidium. Im Falle der Kuh an oder auf der Straße zähle im Zweifel jede Minute, um einen schlimmen Unfall zu verhindern. Wie massiv die Tiere sind, davon bekam eine Streifenwagenbesatzung im September 2014 selbst eine Kostprobe. 16 Rinder waren damals nachts auf der Freunder Landstraße unterwegs gewesen.

Die Beamten reagierten schnell, stellten den Streifenwagen quer und lotsten die Tiere auf einen Parkplatz an der Josefallee. Ein akustischer Alarm irgendwo in Brand versetzte die Herde aber plötzlich in Panik, bei der Flucht prallten sie mehrfach gegen das Einsatzfahrzeug und demolierten es ordentlich. Ein Beamter wurde ebenfalls touchiert und verletzt.

Im Gefahrenfall sorgt die Polizei für Hilfe nicht selten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. 338 Mal haben Tiere in Notlagen im vergangenen Jahr nach Auskunft der Stadt die Feuerwehr auf den Plan gerufen, darunter Anlässe vom Klassiker — der Katze auf dem Baum —, bis zur Kuh im Bach. Die Aachener Berufsfeuerwehr hat ein Fahrzeug, das mit Utensilien zum Fang und Transport von Tieren ausgerüstet ist — Kescher, Fangschlingen, Boxen, aber auch Futter als Lockmittel —, die Mitarbeiter sind in der Ausbildung alle im Umgang mit Tieren geschult worden.

Rote Schlange

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass der Einsatzalltag bei Polizei und Feuerwehr neben entlaufenen Hunden ab und an auch Exoten bereithält. Wie im Januar 2011 etwa, als ein Ladenbetreiber in der kleinen Adalbertstraße in Panik auf die Straße gelaufen kam, weil er in seinem Geschäft fast über eine rote Schlange unbekannter Herkunft gestolpert war.

Erste am Einsatzort waren zwei Polizeibeamte, die zu Fuß an der Adalbertstraße unterwegs waren. Nachdem das Reptil mit Hilfe eines Handyfotos identifiziert und als nicht giftig erkannt war — es handelte sich um eine Königsnatter — griffen die Beamten beherzt zu und legten das Tier in einen Eimer. Die Feuerwehr besorgte anschließend den Abtransport in den Tierpark.

Einsätze mit Tieren sorgen bei den Einsatzkräften aber nicht nur für Stress, sondern auch für Emotionen. Auf der ernsten Seite der Skala lag sicher ein Einsatz der Bundespolizei im November 2013, als Beamte einen Kleintransporter auf der A44 anhielten. Auf vier Quadratmetern Laderaum waren sieben Ponys gepfercht, die in ihren eigenen Exkrementen standen, ohne Wasser, ohne Futter.

Eines von ihnen habe mit eingeklemmtem Huf auf dem Boden gelegen. Die Tiere, offenbar illegal transportiert, wurden beschlagnahmt und Mitarbeitern des Veterinäramts übergeben. Die Lungen waren vereitert, der Eiter floss sogar aus den Nasen der Tiere.

Auf der anderen, amüsanteren Seite steht ein Tier, dass einem Polizeieinsatz wohl gerade so noch einmal aus dem Weg gehen konnte. Gemeint ist der Gewissenskampf eines Erpels, den Andreas Müller in einer Meldung Anfang März schilderte. Das Tier, regelmäßiger Besucher am und auf dem Teich vor dem Eingang des Polizeipräsidiums, saß vor dem kleinen Gewässer und war nach Lesart der Beamten hin- und hergerissen: ab ins eiskalte und angefrorene Wasser, oder nichts riskieren und den per Schild zum Ausdruck gebrachten Anweisungen der Ordnungshüter folgen? Dem Vernehmen nach ließ der Erpel sich vom Polizeischild beeindrucken und hielt seine Füße trocken.

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