Aachen: Je weniger Kontakt, desto mehr Vorurteile

Aachen: Je weniger Kontakt, desto mehr Vorurteile

Die Bedenken ernst nehmen, Gespräche suchen und Menschen in Kontakt bringen: Das sind probate Mittel, um Fremdenhass und Sozialneid einen Riegel vorzuschieben, meinen die, die ganz eng mit Flüchtlingen in Aachen zusammenarbeiten.

Ihnen Asyl zu gewähren, sei ein Akt der Nächstenliebe.

„Wir als Kirche tun etwas, weil wir es tun müssen“, meint etwa Josef Voß, Pfarrer und Leiter der Gemeinden in Richterich, Laurensberg und Horbach und Save-me-Mitglied. Und Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International und Koordinatorin der Save-me-Kampagne in Aachen, verweist auf den 10. Dezember als Tag der Menschenrechte.

Bei den Asyl-Dialogen werden dann ab 19.30 Uhr in der Citykirche Menschen mit und ohne Fluchterfahrung aufeinandertreffen. Die „Bühne der Menschenrechte“ aus Berlin gibt hier den Flüchtlingen selbst eine Stimme. Diesem dokumentarischen Theaterstück liegen ausführliche Interviews zugrunde. Und im Anschluss stehen Bürgermeisterin Hilde Scheidt und Knut Paul von der Bundespolizeiinspektion Aachen für eine Diskussionsrunde zur Verfügung.

„Es braucht einen langen Atem, um der Flüchtlingsfrage wirklich gerecht zu werden“, meint Pfarrer Josef Voß. Denn das Thema werde uns noch lange beschäftigen. Und so sei es schon jetzt sinnvoll, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie sich unsere Gesellschaft verändern wird. Würden wir die Veränderung als Vielfalt oder gar Reichtum wahrnehmen, sei viel erreicht, meint er.

„Viel Frust bei den Flüchtlingen“

Derweil müssen die, die mit den Flüchtlingen vor Ort zu tun haben, mit tagtäglichen Problemen fertig werden. „Ich erlebe sehr viel Frust bei den Flüchtlingen“, sagt beispielsweise Ingeborg Heck-Böckler. Die hätten zum Teil Schwierigkeiten, ihre engsten Familienangehörigen nachzuholen oder Visa zu beantragen. Und bei den Schnellverfahren drohe ihnen neuerdings die Abschiebung von einem Tag auf den anderen. Dass die Situation der Flüchtlinge nicht leicht ist, weiß auch Dieter Spoo, Seelsorger der Citykirche und Save-me-Mitglied, in besonderem Maße. Er erzählt von illegalen Flüchtlingen in Aachen, die diesen Weg gewählt haben, weil sie in ihrer Verzweiflung keinen anderen Ausweg mehr sahen.

Alle gemeinsam setzen sich für Flüchtlinge ein. Dabei stellen sie zum Teil durchaus fest, dass die Geduld der Bevölkerung nachlässt. Die Ressentiments seien aber gerade dort am größten, wo die Bevölkerung am wenigsten Kontakt zu den Flüchtlingen habe. „Wir müssen die Menschen in Augenkontakt bringen“, meint Spoo. Denn die persönliche Begegnung zwischen Einheimischen und Fremden sei das beste Mittel, um Ängste und Vorurteile abzubauen.

Eintritt ist frei

Und auch Veranstaltungen wie die Asyl-Dialoge in der Citykirche können zum besseren Kennenlernen beitragen, meint Ingeborg Heck-Böckler. Dazu sind die Aachener nun am Donnerstag, 10. Dezember, 19.30 Uhr, in die Citykirche eingeladen. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten.

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