Jazz-Konzert in Kornelimünster

Musik in der alten Reichsabtei : Raggae-Klänge passend zur Violine

Bach-Choräle zu Jazz-Stücken verarbeitet: Die Band „Uwaga!“ trat bei „Jazzplus“ der Kulturinitiative Kornelimünster in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus NRW in der alten Turnhalle der ehemaligen Reichsabtei auf.

Man könnte mangelnden Respekt vermuten, wenn die Band „Uwaga!“ Mozart-Sonaten und Bach-Choräle zu Jazz-Stücken verarbeitet. Wahrscheinlich ist es aber das genaue Gegenteil: Eine riesige Achtung vor und Liebe für diese und andere Kompositionsmeister und zugleich eine eigene hohe Musikalität, die nicht nur einen billigen Abklatsch verhindert, sondern auch etwas großartiges Neues entstehen lässt. Dann geht sogar eine Raggae-Violin-Sonate. Die vier Musiker traten am Sonntag bei „Jazzplus“ der Kulturinitiative Kornelimünster (KiK) in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus NRW in der alten Turnhalle der ehemaligen Reichsabtei auf.

Die Chance ergriffen

Vor einem Jahr hatten KiK und Kunsthaus die Chance ergriffen, den Lager- und Baustellencharme der Halle ebenfalls für Kultur zu nutzen. Die RWTH rückte ihre ohnehin reduzierten Lagerbestände ein wenig zur Seite und schaffte Platz für eine improvisierte Bühne. Anmerkung am Rande: Die Hochschule hat ihre Lagerstätte jetzt auch als Forschungsobjekt entdeckt und ein Vermessungsprojekt gestartet. „Es ist wohl nicht nur eine alte Turnhalle, sondern Teil der ehemaligen Vorburg der Reichsabtei“, wusste Dr. Marcel Schumacher, Leiter des Kunsthauses, bereits zu berichten.

An dem rauen Ambiente hat sich dennoch bislang nicht viel geändert. Es macht auch einen besonderen Reiz aus, den Christoph König (Violine und Viola), Maurice Maurer (Violine), Miroslav Nisic (Akkordeon) und Matthias Hacker (Kontrabass) offensichtlich zu schätzen wussten. Trotz oder vielleicht auch wegen eisiger Temperaturen bei abnehmendem Licht heizten sie den rund 120 Zuhörern ordentlich ein. Kein Problem, bei dem Temperament, das die vier klassisch ausgebildeten Profimusiker mitbrachten.

Musik macht glücklich

Musik ohne Grenzen, die glücklich macht und auf direktem Wege zu Herzen und in die Beine geht, das ist das Anliegen des Quartetts. Und das gelingt ihnen tatsächlich spielend: Egal ob mit Mozarts Klaviersonate (KV 331), bearbeitet für die vier Instrumente der Musiker und mit vielen Balkanverzierungen geschmückt, oder mit Tschaikowskis Blumenwalzer aus dem Ballett Nussknacker, der wie Kaffeehausmusik daher kommt. Astor Piazzolla, der „Übervater des Crossover“, darf natürlich auch nicht fehlen. Und von Bach gibt es den Choral „Ach, großer König“ aus der Johannes-Passion kombiniert mit Königs Schlaflied für seinen Sohn „Ach, kleiner König.“

Vielleicht ist „Uwaga!“ nichts für Puristen. Für alle, die Musik in jeglicher Form lieben und Spaß an hervorragender Qualität, unbändiger Kreativität und ein wenig Skurrilität haben, ist es ein Name, den man sich merken sollte.

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