IT-Berater aus Aachen erwirbt historischen Bau in der Theatertstraße

Neue Pläne für Haus Matthéy : Historisches Kleinod wird neuer Stammsitz der Dialego AG

Ein historisches Kleinod im Herzen der Stadt wechselt den Besitzer – und soll sich nach bewegter, über 180-jähriger Geschichte schon bald zum exponierten Standort für neue Investitionen in die Zukunft mausern: Das Aachener Marktforschungs-Unternehmen Dialego AG übernimmt das Haus Matthéy an der Theaterstraße 67 aus städtischer Hand.

„Der Erbpachtvertrag wird in den nächsten Wochen unter Dach und Fach gebracht“, berichtete Andera Gadeib, Inhaberin und Geschäftsführerin des 1999 gegründeten, international erfolgreichen IT-Dienstleisters, stolz. Mit ihrem Ehemann Volker Gadeib fiebert sie der anstehenden umfassenden Sanierung der seit Jahren in großen Teilen brachliegenden Bürgervilla sichtlich entgegen.

Voraussichtlich im kommenden Jahr dürften folglich die ersten Umzugskartons in den derzeitigen Firmenräumen in den Karmeliterhöfen, immer noch besser bekannt als ehemaliges Polizeipräsidium am „Dreiräubereck“, gepackt werden. Bis dahin freilich soll der klassizistische Prachtbau, errichtet anno 1834, umfassend umgebaut und saniert werden. Mehr als eine Million Euro wolle und müsse man für die groß angelegte Herrichtung des weithin verwaisten Objektes schon in die Hand nehmen, verrät Andera Gadeib. Eine grundlegende energetische Sanierung ist fällig, ein weit verzweigtes IT-Netzwerk muss ebenso installiert werden wie moderne Heizsysteme, Sanitärbereiche und Fenster, Wasserschäden im Dachgeschoss und im Keller müssen beseitigt werden. „Wir sind bereits im Gespräch mit dem Denkmalamt“, versichert Volker Gadeib, seinerseits Geschäftsführer der Software-Firma Smartmunk, das ebenfalls von der Karmeliter- an die Theaterstraße zieht. Und: Auch die langjährigen Mieter behalten ihre angestammten Adressen. Das Deutsch-Französische Kulturinstitut soll im Erdgeschoss des Hauses bleiben, ebenso wie das Kaleidoskop-Filmforum und die Musikinitiative Tonart. Auch das idyllische Gartenhaus im rückwärtigen Bereich kann und soll weiter für kulturelle Angebote genutzt werden.

Neue Büros und Seminarräume

In der ersten und zweiten Etage entstehen derweil neue Büros und Seminarräume. Dort waren zuletzt die Verwaltungsstellen des Zweckverbands Region Aachen sowie der Karlspreis-Stiftung untergebracht. Im Ganzen soll das Objekt auf einer Gesamtfläche von 1015 Quadratmetern somit künftig Platz für rund 35 Mitarbeiter bieten. „Wir wollen ein offenes Haus gestalten, in dem wir Unternehmen und Bürger einladen, sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinanderzusetzen und verständliche Ängste gegenüber neuen Technologien abzubauen“, verspricht die Dialego-Chefin, deren Unternehmen sich bei der Beratung für innovative Produktentwicklungen sowie mit umfassenden Kundenbefragungen im Hinblick auf neue Online-Technologien in einem denkbar breiten Branchenspektrum einen Namen gemacht hat.

So hatte auch der Stadtrat bereits im vergangenen Jahr beschlossen, das geschichtsträchtige Gebäude, nach Plänen von Adam Franz Friedrich Leydel erbaut im Auftrag des Tuchfabrikanten Heinrich Anton Deusner, auf Erbpachtbasis zu verkaufen. Heißt: Das Grundstück bleibt offiziell in kommunalem Besitz. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1988 hatte der Textilkaufmann und umtriebige Kunstsammler Teo Matthéy die pittoreske Fabrikantenvilla an die Stadt veräußert.

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