Aachen: Investoren suchen Aachens letzte Grundstücke

Aachen : Investoren suchen Aachens letzte Grundstücke

Bauen in Aachen boomt. Die Tatsache ist nicht gerade neu, aber erneut an vielen Ecken der Stadt zu beobachten. Auf größeren Grundstücken, auf denen vorher nur eine Villa oder ein Einfamilienhaus gestanden hat, werden ausgedehnte Baugruben ausgehoben und Millionenbauten mit vielen Wohnungen hochgezogen, etwa in Laurensberg, Vaalserquartier oder Eilendorf.

Brachliegende Grundstücke werden ebenfalls mit mehrgeschossigen Gebäuden zugestellt, etwa an der Roermonder Straße, wo unterhalb der Türme gegenüber der Kavenstraße ein Studentenwohnheim errichtet wird. Begonnen hat diese Entwicklung in teuren Wohngegenden, etwa im Südviertel oder in Laurensberg, jetzt hat sie auf die ganze Stadt übergegriffen.

Martin Fauck, städtischer Stadtentwickler, hat eine Erklärung für das Phänomen: „Die Verdichtung ist die Gegentendenz zum Bauen auf der grünen Wiese. Aachen gehört zu den leicht wachsenden Städten. Die Kollegen suchen händeringend nach zusätzlichen Flächen. Es ist schwierig, noch etwas zu gewinnen.“ In NRW boome die Rheinschiene mit Köln, Düsseldorf und Bonn, Münster und Aachen nähmen ebenfalls eine Sonderstellung ein.

Bunker ist weg

Ein Investor bringt es so auf den Punkt: „Die letzten Grundstücke in Aachen werden abgegrast, ob man noch ein Reststück bekommt.“ Architekt Robert Thomé zieht mit seiner Frau Melanie Gerhards ein großes Gebäude an der Ecke Vaalser Straße/Reutershagweg hoch, acht Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen dort. Das Interesse an dem Zweieinhalb-Millionen-Projekt ist groß, obwohl das Bauschild erst vor einer Woche aufgestellt wurde. Fertigstellung soll im Frühjahr 2016 sein.

Nur 200 Meter weiter, am Reutershagweg, werden 21 Eigentumswohnungen errichtet, zwei bis vier Zimmer und 56 bis 155 Quadratmeter groß und mit Tiefgarage. Fertigstellung ist im Frühjahr nächsten Jahres, die Wohnungspreise beginnen bei 194 900 Euro. Schon teilweise fertiggestellt ist ein Wohn- und Geschäftshaus an der Augustastraße, auf dem Gelände einer ehemaligen Busfirma.

Von den elf Wohnungen zwischen 40 und 140 Quadratmetern sind neun schon vermietet, die drei Gewerbeeinheiten warten noch auf eine Nutzung. Interessant: Im Untergeschoss sind mehr als 40 Stellplätze entstanden, die über das Parkhaus Ohligsbendengasse angefahren werden können. Die Hausbewohner können ihre Fahrzeuge ebenerdig auf 16 Stellplätzen abstellen.

An der Bismarckstraße und am Adalbertsteinweg geht eine Großbaustelle über Eck: In dem ehemaligen Kino wird die Fläche für einen dort untergebrachten Supermarkt auf rund 2000 Quadratmeter vergrößert, das Grundstück an der deshalb halbseitig gesperrten Bismarckstraße, auf dem sich zuletzt eine Autowerkstatt befand, wird zugleich mit zehn Mietwohnungen bebaut, die im zweiten Quartal 2016 bezogen werden können. Die charakteristische Fassade zum Adalbertsteinweg bleibt stehen, dort wird nicht aufgestockt. Grund: Der Bestandsschutz verhindert, dass teure Auflagen gemacht werden. Bauherr dort ist die Landmarken AG.

Dieses Unternehmen aus der Gruppe des Projektentwicklers Norbert Herrmanns zieht auch weiter das Projekt Lousberghöfe durch. Auf dem Gelände zwischen Rütscher Straße und Försterstraße ist der oberirdische Abriss des Hochbunkers, gegen den sich eine Bürgerinitiative lange gewehrt hatte, weitgehend vollzogen. Jetzt geht es an die Bodenplatte und das Fundament. Architekt Detlev Karsten: „Wir gehen davon aus, dass die in zwei Monaten weg sind.“

Eigentlich sollte der Abbruch längst über die Bühne gegangen sein, doch die Beschwerden der Anwohner haben dazu geführt, dass täglich nur zweieinhalb Stunden mit dem Meißel gearbeitet werden darf — und das zieht sich. Außerdem mussten Schallschutzwände errichtet werden, die bis zu zehn Meter hoch sind. Auch Lärm- und Erschütterungsprotokolle müssen wöchentlich der Bauverwaltung vorgelegt werden.

Den Gedanken, das Fundament auch für die neuen Gebäude, in denen etwa 50 Stadthäuser und hochwertige Apartments untergebracht werden, zu nutzen, hat man schnell wieder verworfen. Es befindet sich 20 Zentimeter über dem Bürgersteig, barrierefreies Wohnen wäre so nicht möglich gewesen. Karsten: „Sonst hätten wir das gerne gemacht.“ Nach dem Abriss wird er einen Bauantrag einreichen. Bis die Baulücke dann geschlossen ist, wird es noch zwei Jahre dauern.

Die Kölner Niederlassung der BPD Immobilienentwicklung, einer Tochter der Rabobank, errichtet in Eilendorf für rund 11,3 Millionen Euro das Stadtquartier „Bach-Terrassen“. Es umfasst insgesamt 38 Eigentumswohnungen, die voraussichtlich im Herbst 2017 bezugsfertig sind. Gebaut wird auf einem rund 5300 Quadratmeter großen Areal in der Rödgener Straße und Suttnerstraße unweit des Rödgerbachs.

Alle 38 Wohnungen sind unter anderem mit einer Fußbodenheizung, bodentiefen Fenstern, großzügigen Balkonen bzw. Dachterrassen ausgestattet. Die zwei bis vier Zimmer umfassenden Eigentumswohnungen, die teilweise auch als Maisonette konzipiert sind, variieren in den Wohnflächen zwischen ca. 60 und rund 120 Quadratmetern.

In Laurensberg stehen Baugeräte im Abstand von wenigen hundert Metern an zwei markanten Stellen. An der Ecke Rathausstraße wird gerade ein Apartmenthaus mit 17 Wohnungen errichtet. Investor ist der Optiker Manfred Fahr: „Es wird viel gebaut hier, aber das ist auch notwendig bei der wachsenden Studentenzahl.“ Wobei die gesetzlichen Vorgaben dazu führten, dass die Kosten in die Höhe gingen, etwa die Vorgaben für Energieeinsparung, die in diesem Drei-Millionen-Objekt durch eine Geothermie-Heizung erfüllt würden: „Es ist kaum möglich, billigen Wohnraum zu schaffen.“

Zurzeit wird das aus dem Jahre 1902 stammende und stark mitgenommene vorhandene Gebäude abgerissen, Fertigstellung soll im Juli 2016 sei: „Wenn die Aseag das zulässt.“ Bislang ist nämlich unklar, ob die vor der Baustelle liegende, stark frequentierte Haltestelle aus Sicherheitsgründen verlegt werden muss.

„Nachfrage sehr groß“

An der nächsten größeren Querstraße Richtung Stadt, der Schurzelter Straße, steht ebenfalls ein Kran. Die Arbeiten sind schon bis zu den Erdgeschossmauern gediehen. Dort investieren die Eheleute Ohlenforst rund 3,3 Millionen Euro, um an Stelle einer ehemaligen Arztpraxis elf Mietwohnungen hochzuziehen. Heinz Ohlenforst: „Wir kennen die Aachener Immobiliensituation sehr gut. Die Nachfrage in diesem Segment ist sehr groß.“

Auch diese Liegenschaft wird im Energieeffizienzstandard 70 errichtet, sie soll im August nächsten Jahres abgeliefert werden.