Aachen/Duisburg: Investor Hans Kahlen wird ein Millionen-Betrug vorgeworfen

Aachen/Duisburg: Investor Hans Kahlen wird ein Millionen-Betrug vorgeworfen

Wegen eines möglichen Millionen-Betrugs muss sich derzeit der Aachener Architekt und Projektentwickler Hans Kahlen vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 58-Jährigen unter anderem Kreditbetrug, Steuerhinterziehung und Insolvenzverschleppung vor.

In dem auf 21 Verhandlungstage angesetzten Mammutverfahren geht es laut Anklage um ein Millionenprojekt aus dem Jahr 2002, den Bürokomplex an der Düsseldorfer Hansaallee. Der Richterspruch wird für diesen Monat erwartet. Nicht ohne Spannung dürfte der Prozessausgang auch von den städtischen Spitzen in Aachen verfolgt werden: Kahlen ist einer der führenden Projektbeteiligten an der sogenannten Kaiserplatz-Galerie, deren Baubeginn seit Jahren nach hinten verschoben wird.

Die Ermittlungen gegen Kahlen haben vor Jahren begonnen. Bereits im Jahr 2007 hat es bei ihm Durchsuchungen gegeben, vorübergehend wurde er festgenommen, der Vollzug eines Haftbefehls wurde seinerzeit jedoch ausgesetzt. Kahlen selbst warf damals den Staatsanwälten vor, über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Die Vorwürfe wies er als haltlos zurück, sie würden sich „am Ende in Wohlgefallen auflösen”. Die Ermittlungen erklärte er mit dem Hinweis: Wer viel bewege, biete auch viel Angriffsfläche.

Künstlich aufgebläht

In der bereits seit Mitte Februar laufenden Verhandlung wirft die Staatsanwaltschaft Kahlen unter anderem vor, den Kreditgeber, die Landesbank Hessen-Thüringen, getäuscht zu haben. Er soll demnach das Volumen des Bauauftrags künstlich aufgepumpt haben und einen falschen Eindruck über millionenschwere Eigenleistungen erweckt haben. Die tatsächlich vereinbarten Baukosten mit dem Generalunternehmer seien um mehrere Millionen Euro niedriger gewesen. Über Scheinrechnungen soll das Geld an den Angeklagten zurückgeflossen sein. Das Geld soll er mit einem damaligen Geschäftspartner geteilt haben, der Medienberichten zufolge einige Zeit später einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sei.

Zugleich sollen die Finanzbehörden durch falsche Angaben um erhebliche Beträge an Einkommens- und Gewerbesteuer betrogen worden sein. Außerdem soll Kahlen Bilanzen verschiedener Firmen nicht vorgelegt und die Betriebe durch ungerechtfertigte Entnahmen in eine finanzielle Schieflage und existenzielle Krise gebracht haben.

Trümmerlandschaft

Kahlen, der am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, hatte bereits 2007 erklärt, dass die Ermittlungen zur Unzeit kämen - denn schon damals arbeitete er an den Plänen zur Umgestaltung der unteren Adalbertstraße. Der bundesweit tätige Projektentwickler will dort mit der Gesellschaft Kai 18 die Kaiserplatz-Galerie verwirklichen. Rund 240 Millionen Euro sind für den Bau des hochmodernen Einkaufszentrums veranschlagt, in dem gut 130 Geschäfte untergebracht werden sollen. Bis heute gleicht das Gelände jedoch immer noch nur einer Trümmerlandschaft.

Wegen der vielfachen Verzögerungen gab es in der Vergangenheit immer wieder Zweifel an der Realisierung der Kaiserplatz-Galerie. Unumstritten war sie nie - so hat sich auch eine Bürgerinitiative gegen die Planungen gebildet. Welche Auswirkungen das Verfahren in Duisburg auf das Aachener Projekt hat, ist derzeit nicht abzusehen. Der Verwaltungsspitze waren die Vorgänge offenbar bis Freitag nicht bekannt, entsprechend wollte sie auch niemand kommentieren.

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