Aachen: Internationaler Tag der Städtepartnerschaften: Aktive Vereine in Aachen

Aachen : Internationaler Tag der Städtepartnerschaften: Aktive Vereine in Aachen

Positiv überrascht vom regen Zuspruch auf seinen Vortrag über die Zukunft der Städtepartnerschaften am Donnerstagabend im Aachener Haus Löwenstein zeigte sich Professor Frank Baasner, Leiter des Deutsch-Französischen Instituts.

Rund 100 Menschen hätten sich an der regen Diskussion über die Aufgaben und Herausforderungen für Partnerschaftsvereine beteiligt, sagt Baasner. Ein gutes Zeichen an diesem Wochenende, an dem der internationale Tag der Städtepartnerschaften begangen wird.

„Städtepartnerschaften stehen ja heute in dem Ruf, etwas verstaubt zu sein“, sagt Baasner im Gespräch mit den „Nachrichten“. Dabei seien sie in der heutigen Zeit ebenso wichtig wie vor Jahrzehnten, als es vor allem um die Aussöhnung von Frankreich und Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg ging. Eine aktuelle Studie seines Instituts, an der sich mehr als 1400 Menschen beteiligt haben, habe einige durchaus erfreuliche Ergebnisse erbracht. „76 Prozent der Menschen, die wir befragt haben, sehen Städtepartnerschaften grundsätzlich als etwas Gutes an“, sagt Baasner. Auch seien 70 Prozent der Befragten der Meinung, dass Stadtverwaltungen die Bedeutung von Städtepartnerschaften erkannt haben.

Allerdings gibt es laut Baasner auch Baustellen, um die sich die Städtepartnerschaftsvereine kümmern. „Viele Vereine beklagen, dass kaum Nachwuchs kommt“, sagt Baasner. Das beziehe sich nicht nur auf das Alter neuer Mitglieder, sondern vor allem auch auf deren Anzahl. Baasner: „Auch Leute im Alter von 40 bis 50 Jahren haben weniger Interesse an Partnerschaftsvereinen als früher.“

Er schätzt, dass es den Komitees nicht anders geht als beispielsweise Musik- oder Sportvereinen. „Wenn man der Partnerschaftsarbeit etwas mehr Eventcharakter gibt, dann wird man auch wieder mehr junge Leute begeistern können“, ist Baasner sich sicher. Auch für bessere Öffentlichkeitsarbeit müsse gesorgt werden. Erste Ansätze würden derzeit in Baden-Württemberg verfolgt: Dort gibt es Workshops für Partnerschaftsvereine, damit diese sich in Zukunft professioneller aufstellen können.

Auch Wolf Steinsieck, stellvertretender Vorsitzender im Partnerschaftsverein Aachen-Reims, sieht die Wichtigkeit der Städtepartnerschaften: „Die Aktualität erübrigt sich ja nicht einfach“, sagt er. Zwar sei der Versöhnungsaspekt mit Frankreich nicht mehr so sehr im Vordergrund wie vor Jahren. „Doch wir müssen immer noch sehr stark daran arbeiten, uns wirklich gegenseitig zu verstehen“, betont er.

Auch wenn die Arbeit manchmal wie der „Kampf gegen Windmühlen“ anmute, sei die Freundschaft gerade zu Frankreich elementar für den Frieden in Europa. Ein wesentlicher Schlüssel für die Verständigung sei weiterhin die Sprache. Steinsieck wirbt daher mit Leidenschaft für das Erlernen des Französischen. „Natürlich kann man auch nach Frankreich fahren, ohne Französisch zu sprechen. Aber zur wirklichen Verständigung muss man es eben doch können.“

Ähnlich enge Bindungen wie zu Frankreich — immerhin gebe es rund 2200 deutsch-französische Städtepartnerschaften — könne er sich auch mit Nachbarländern im Osten Europas vorstellen.

Auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp hat sich bereits mehrfach zum Thema Städtepartnerschaften geäußert. In Aachen, heißt es aus dem Rathaus, pflegen die Partnerschaftsvereine auch untereinander engen Kontakt, um sich abzustimmen und gemeinsame Aktionen zu verabreden. Es gibt regelmäßige, gemeinsame Treffen.

Insgesamt zehn Partnerstädte hat Aachen: neben Reims und Montebourg in Frankreich sind das Naumburg in Sachsen-Anhalt, Toledo in Spanien, Halifax/Calderdale in Großbritannien, Nigbo in China, Arlington in Virginia/USA, Kostroma in Russland, Sariyer in der Türkei und Kapstadt in Südafrika. Wichtig ist dem OB die Kommunikation, das Gespräch miteinander als Basis für ein friedliches Miteinander. Lebendige Städtepartnerschaften leisten seiner Einschätzung nach einen unschätzbaren Beitrag zur Verständigung und zur Aussöhnung nach Konflikten.

Die Städtepartnerschaften Aachens seien dafür ein gutes Beispiel, auch wenn die Intensität der Aktivitäten in den einzelnen Partnerschaftsvereinen unterschiedlich ist. Gerade die innereuropäischen Städtepartnerschaften seien „gelebtes Europa“ und stärkten die europäische Identität.

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