Aachen: International unterwegs im Kampf gegen Pocken

Aachen : International unterwegs im Kampf gegen Pocken

Am 19. April jährt sich der 250. Geburtstag von Gerhard Reumont zum 250. Male. Der Aachener führte im Jahre 1801 die Pockenschutz-Impfung mit Kuhpocken (Vakzination) nach der Methode des englischen Arztes Edward Jenner im Aachener Raum ein und erwarb sich dadurch besondere Verdienste im Bereich der Gesundheitsvorsorge und Seuchenprävention.

Gerhard Reumont war der zweite Sohn des Aachener Ratsherren Lambert Reumont. Die ursprünglich aus Lothringen stammende Familie war im 18. Jahrhundert aus der Wallonie nach Aachen eingewandert.

Nach einer Lehre in einer Recklinghausener Apotheke studierte Gerhard Reumont ab 1787 an der Universität Bonn Medizin. Durch Empfehlung erhielt Reumont 1791 einen Studienplatz an der Pariser Sorbonne. Dort war er auch als Assistenzarzt tätig.

Hohes Ansteckungsrisiko

Im Jahr 1792 wechselte er an die Universität Edinburgh. Ein Jahr später wurde er dort mit seiner Arbeit „De ascite abdominali“ promoviert. Aufgrund seiner herausragenden medizinischen Leistungen wurde der junge Mediziner kurz darauf zum Mitglied der Medizinischen und Naturwissenschaftlichen Gesellschaft von Edinburgh und im Jahr 1795 der Londoner Medizinischen Gesellschaft ernannt.

Nach Aachen war er bereits am 31. Dezember 1793 zurückgekehrt. Hier ließ er sich als approbierter Arzt nieder. Er war nun als Ordinator am sogenannten Marianischen Bürgerhospital tätig, später am Elisabethspital.

Im Jahr 1800 hospitierte er in London bei Edward Jenner, wo er die von diesem 1796 entwickelte, damals durchaus umstrittene Pockenschutzimpfung erlernte. Die Pocken, auch Blattern genannt, verursachten wegen ihrer hohen Ansteckungsgefahr eine Mortalitätsrate von über 30 Prozent.

Beachtliche Erfolge

Auf seiner Rückreise über Dover und Frankreich führte Gerhard Reumont bereits Impfungen durch und hielt in Paris einen Vortrag über das neue Verfahren. Einer seiner Zuhörer war Napoleon Bonaparte, der ihn mit der Durchführung von Pockenschutzimpfungen auf dem Reiseweg durch Nordfrankreich nach Aachen beauftragte.

Ab dem 17. April 1801 führte er an seinem Neffen Richard die erste Pockenschutzimpfung in Aachen durch. Von nun an trieb er das systematische Impfen in Aachen und Umgebung an. Als Impfarzt propagierte er die Schutzimpfung und erzielte bei der Bekämpfung dieser gefährlichen Virusinfektion beachtliche Erfolge, wenn auch die Krankheit nie endgültig besiegt werden konnte.

So wurden, unterstützt durch die französischen Verwaltungsstrukturen, die die Impfung bei Schülern und Kindern im Krankenhaus obligatorisch machten, im Roerdepartement zum Beispiel allein 1812 mehr als 10 000 Kinder gegen die Pocken geimpft. Auch konnte er zahlreiche Aachener Ärzte vom neuen Verfahren überzeugen, sodass zahlreiche Kollegen ihn bei den Impfungen unterstützten.

Gerhard Reumont, der 1804 auch behandelnder Badearzt der Kaiserin Josephine war, wurde 1805 zum Epidemiearzt des französischen Arrondissements berufen, ebenso zum Médecin inspecteur des eaux thermales d‘Aix-la-Chapelle (Badeinspektor von Aachen). In dieser Funktion wurde er auch Mitglied der obersten Medizinalbehörde im Departement, der Jury médical des Département de la Roer.

Vom Kaiser ausgezeichnet

Gerhard Reumont wurde für seine Verdienste rund um die Pockenschutzimpfungen von Kaiser Napoleon Bonaparte ausgezeichnet.

Nach den sogenannten Befreiungskriegen blieb Reumont auch unter der preußischen Regierung in seinem Amt als Bäderinspektor. Friedrich Wilhelm III. ehrte ihn für seine Verdienste im Gesundheitswesen und verlieh ihm 1816 den Titel eines Medizinalrates.

Auch gab Reumont mehrere Schriften über die Zusammensetzung der Aachener Thermalwässer heraus. Er war verheiratet mit Lambertine Kraussen (1786-1850), mit der er drei Töchter und drei Söhne hatte, darunter Alfred von Reumont (1808-1887) und Alexander Reumont (1817-1887).

Gerhard Reumont starb am 27.4.1828 in seiner Heimatstadt Aachen. Sein Engagement für die Pockenimpfung hatte entscheidend zum medizinischen Fortschritt im Rheinland beigetragen.