Eilendorf: Interessengemeinschaft will Eilendorf zu neuer Blüte führen

Eilendorf : Interessengemeinschaft will Eilendorf zu neuer Blüte führen

Jeden Tag brausen 36.000 Fahrzeuge über die Von-Coels-Straße. „Manchmal dauert es 20 Minuten, bis man über die Straße kommt“, sagt Christian Moeres. Er betreibt in Eilendorf einen Optikerladen und ist Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Handel, Handwerk und Gewerbe Eilendorf.

Mehr Fußgängerfreundlichkeit könnte sich der Einzelhändler auf der Hauptverkehrsachse des Ortes gut vorstellen, auch wenn im oberen Bereich Richtung Stolberg schon einiges in Sachen Verkehrsberuhigung passiert sei. Und auch sonst hat die IG Eilendorf durchaus einiges auf dem Schirm, was sich in dem über 16.000 Einwohner starken Stadtteil verbessern ließe.

„Wir wollen vieles einfach mal neu probieren“, bestätigt Achim Delheid, Rechtsanwalt und Vorstandsvorsitzender der IG Eilendorf. Gerade habe man am Rewe-Markt und in der Bezirksvertretung Displays aufgestellt, auf der die gut 70 IG-Mitglieder auf ihr Geschäft aufmerksam machen, aber auch Vereine über Veranstaltungen informieren können. Als erster Stadtteil überhaupt habe man sich in einem eigenen Zelt mit sieben Unternehmen bei der Euregio-Wirtschaftsschau präsentiert. „Mit guter Resonanz“, wie Moeres feststellt. Das Bürgerfest, bei dem sich die Vereine, aber auch der Handel stark engagiert haben, habe viele überzeugt.

„Die Alteingesessenen haben hier ohnehin einen guten Zusammenhalt, aber auch viele neue Eilendorfer sind gekommen“, freut sich Delheid über einen „Park voll mit Menschen“ am ersten Juni-Wochenende. Gerade die jungen, zugezogenen Familien in die Ortsgemeinschaft zu integrieren, verstehe die IG ebenfalls als eine ihrer Aufgaben.

Die Ansiedlung eines Augenarztes in Eilendorf sehen Delheid und Moeres als besonderen Coup an: „Das hatten wir, aber auch die Politik schon sehr lange auf dem Schirm“, so der Rechtsanwalt. „Jetzt konnten wir Dr. Arash Amjadi überzeugen, in Eilendorf eine Zweigstelle seiner Praxis vom Münsterplatz aufzumachen.“ Und auch die Kassenärztliche Vereinigung hat zugestimmt. Seit Mai ist die Praxis geöffnet.

Bei anderen (Fach-)Ärzten sieht es allerdings nicht so rosig aus. „Frauenärzte haben wir viele, aber einen Hals-Nasen-Ohrenarzt haben wir schon lange nicht mehr und auch bei den Allgemeinmedizinern wird es langsam schwierig“, beschreibt Moeres die Situation. „Viele sind in Rente gegangen oder werden das in absehbarer Zeit tun.“ Besonders für Senioren sei aber der Weg in die Stadt, nach Brand, Stolberg oder Würselen nicht so ohne weiteres zu machen. „Zudem versorgt Eilendorf auch viele Menschen aus Rothe Erde und Verlautenheide mit, weil dort selbst wenig Infrastruktur ist.“

Feste Bühne im Park

Der zweite Bereich, bei dem die beiden Interessenvertreter echten Handlungsbedarf ausgemacht haben, ist die Gastronomie. „Es gab in Eilendorf vor 15 Jahren noch 38 Kneipen, heute haben wir noch zwei“, moniert Moeres. Treffpunkte für die Dorfgemeinschaft fehlen also. Ebenso mau sehe es bei der Zahl der Restaurants aus. Dabei sei das Potenzial für mehr Gastronomie da. „Versuchen Sie nicht, hier auch unter der Woche ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen.“

Delheid hat noch ganz andere Visionen. „Eigentlich brauchen wir — wie jedes bayerische Dorf — eine feste Bühne im Park und eine Festhalle, damit man auch mal wetterunabhängig etwas auf die Beine stellen kann.“ Dass es dafür laut Politik und Verwaltung keinen Platz gebe, könne er nicht nachvollziehen.

Nachholbedarf bei den eigenen Mitgliedern haben Delheid und Moeres hingegen bei der Digitalisierung ausgemacht. „Eigentlich sind nur zwei gewinnbringend digital unterwegs: der Buchhändler und das Reisebüro. Die haben die Chancen genutzt“, sagt Moeres selbstkritisch. Seinen eigenen Online-Shop habe er nach zwei Jahren wieder geschlossen, weil er nicht die nötige Akzeptanz gefunden habe. Sein Geschäft wachse dennoch seit zwei Jahren „in enormen, nicht branchenüblichen Sprüngen“.

Moeres führt das vor allem auf seine persönliche Präsenz im Ort zurück. „Mal vor die eigene Tür zu gehen, das ist im dörflichen Miteinander eben noch wichtig.“ Sich präsentieren beim Bürgerfest, bei anderen Veranstaltungen Gesicht zeigen und Menschen treffen. Und der Bevölkerung zeigen, dass das Geld ihres Einkaufs auch wieder ins Dorf zurückfließe. „Dann will niemand woanders kaufen. Das ist unsere Chance in Abgrenzung zum Internet“, glaubt auch Delheid. Dann wartet der Kunde vielleicht auch mal 20 Minuten, bis er über die Straße und ins Geschäft kommt.

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