Aachen: Insolvenzverfahren gegen die Straffälligenhilfe eröffnet

Aachen : Insolvenzverfahren gegen die Straffälligenhilfe eröffnet

Es sind bittere Tage für die Mitarbeiter der Straffälligenhilfe Aachen: Am 1. November ist offiziell das Insolvenzverfahren gegen die gemeinnützige GmbH eröffnet worden. Insolvenzverwalter Frank Graaf, Geschäftsführer Martin Czarnojan und Raimund Haack, Vorsitzender des Vereins Arbeitskreis Straffälligenhilfe, haben jetzt in einem Pressegespräch über den Stand der Dinge informiert.

„Das ist für uns natürlich ein großer Schock gewesen. Und dieser Vorgang spiegelt auch nicht die Arbeit wider, die unser Team leistet“, sagt Czarnojan. „Das Wichtigste ist aus unserer Sicht jedoch, dass unser Betrieb regulär weiterläuft“, ergänzt Haack. Sowohl die Angebote in den Justizvollzugsanstalten als auch die Beratung und das betreute Wohnen laufen wie gewohnt. Insgesamt 58 werden derzeit in der Städteregion betreut. „Es geht dabei zum Beispiel um Menschen, die gerade aus der Haft entlassen worden sind oder unmittelbar von einer Haft bedroht sind“, sagt Czarnojan.

Auch wenn die Mitarbeiter über das Insolvenzgeld ihr Gehalt weiter bezogen haben, bestehe dennoch eine große Unsicherheit im Team. „Von 22 Mitarbeitern haben einige gekündigt“, sagt Insolvenzverwalter Graaf. Weil die Arbeit der Straffälligenhilfe jedoch weitergehen soll, wird schon wieder neu eingestellt. Kein ganz einfaches Unterfangen: Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt — und eine laufende Insolvenz schreckt viele Bewerber ab.

Konzept übernehmen

Dabei könnte es schon bald Neuigkeiten geben: Denn neben dem regulären Insolvenzplan, der bis zum kommenden Sommer abgeschlossen sein soll, besteht die Möglichkeit einer übertragenden Sanierung. In diesem Falle würde ein neuer Träger die Straffälligenhilfe „übernehmen“, inklusive aller Mitarbeiter. „Das sieht derzeit ganz gut aus“, sagt Frank Graaf, der diese zweite Option definitiv für die günstigere hält.

Es gebe zwei Interessenten, deren Namen er jedoch noch nicht nennen möchte. „In beiden Fällen wäre der Interessent bereit, alle Mitarbeiter und vor allem auch das Konzept der Straffälligenhilfe zu übernehmen. „Die Situation ist durchaus noch angespannt, aber deutlich besser als noch vor zwei Monaten“, so Graaf. Er rechnet damit, dass es Anfang 2018 Klarheit über eine mögliche Übernahme gibt.

Zu der finanziellen Schieflage ist es bei der Straffälligenhilfe deshalb gekommen, weil nach Ansicht der Rentenversicherung in den Jahren 2012 bis 2015 einige Mitarbeiter als Scheinselbstständige beschäftigt worden waren. Für diese Mitarbeiter muss die Straffälligenhilfe nun Lohnnebenkosten in einer Höhe nachzahlen, die sie nicht stemmen kann. Darum wurde Ende August Insolvenz angemeldet.