Innenstadtsterbe: Privatinitiative startet Petition

Privatinitiative startet Petition : Bürger wehren sich gegen Innenstadtsterben

Eine private Initiative hat eine Petition über Facebook gegen das Innenstadtsterben in Aachen gestartet. Oberbürgermeister Marcel Philipp lädt die Ideengeber ins Rathaus ein. Einzelhandelsplattform ist schon online.

Leere Ladenzeilen, verdreckte Passagen, eine verkümmernde Innenstadt... Es sind furchtbare Szenarien, die zuweilen für die Aachener City skizziert werden. Dabei gibt es immer mehr Initiativen und Akteure, die dies nicht hinnehmen wollen – und ganz konkret Gegenschritte einfordern, wobei einiges bereits in Gang gesetzt ist.

Über 700 Menschen unterzeichneten innerhalb kürzester Zeit die Petition „Aachens versiegende Vielfalt – Aachener gegen das Innenstadtsterben“. Über Facebook haben Aachener Bürger bereits viel Zuspruch erhalten: Annette Krone, Claudia Kelmes, Kirsten Ulrich-Betz und Solveig Dürrwächter sind die Urheberinnen. Jetzt ist Einzelhändler Joachim Floegel mit seiner Aktion „Für ein schöneres Aachen“ hinzugestoßen. Man sucht den Schulterschluss, will Kräfte bündeln. Aus Empörung über Aachens Enwicklung soll Engagement wachsen. „Uns ist wichtig, alle mit ins Boot zu holen. Es geht nicht um pauschale Kritik an den beklagenswerten Zuständen, sondern um ein Wachrütteln der Bürger, Unternehmer, der Verwaltung und der Politik“, betont Krone. Es gehe um Lösungsansätze. Fünf Arbeitsfelder haben die Bürger herausgearbeitet:

Adieu Tristesse: Bürger engagieren sich gegen Missstände in der City – auch in der Großkölnstraße. Foto: ZVA/Michael Jaspers

1) Stadtplanung: Man schlägt „Einzelbeplanung von Grundstücken, wie zum Beispiel des Grundstücks Büchelparkhaus“, vor. „Hier könnte seit Jahren ein Wohn- beziehungsweise ein Geschäftshaus, vielleicht inklusive Markthalle stehen“, sagt Kelmes. Wünschenswert sei die Erstellung einer Satzung zum Erhalt der kleinteiligen Stadtstruktur – und keine Unterstützung von Großvorhaben im Stil einer Einkaufsmall wie des Aquis Plaza.

2) Mobilität: Die Initiatoren regen an, die Themen „Parkraum, Parkleitsysteme, Park & Ride“ genauso zu überarbeiten wie das Netz der Buslinien. „Wir benötigen Anreize, damit mehr Menschen auf den Bus umsteigen. Dazu müssten Fahrpreise reduziert werden – oder sogar Bustickets beim Einkauf in der Aachener Innenstadt von Einzelhändlern oder anderen erstattet werden“, meint Ulrich-Betz.

3) Sauberkeit und Ordnung: Dringend müssten hässliche Flecken, Dreck und wilder Müll aus der Stadt verschwinden. Hier sei nicht etwa nur der Stadtbetrieb gefragt. „Jeder Aachener Bürger muss da mitmachen“, heißt es.

4) Einzelhandel: Hier erwarten die Initiatoren, dass die Stadt sich angesichts vieler Leerstände mit dem Thema „Zwangsvermietung“ beschäftigt (siehe Infobox). Befürwortet wird die Förderung von Start-Ups durch die Bereitstellung leerer Ladenlokale. Dafür müssen die Stadtverantwortlichen Kontakte zu den Investoren nutzen, die die Flächen besitzen aber zeitweise nicht adäquat nutzen. Förderprogramme könnten Start-Ups ermöglichen, sich für ein halbes Jahr (oder ein ganzes) mietfrei anzusiedeln und nur die Nebenkosten zu bezahlen, ergänzt Dürrwächter.

5) Digitalisierung: Wünschenswert sei der Aufbau eines Internetportals, auf dem jeder potentielle Kunde sich informieren kann, welche Geschäfte mit welchen Artikeln und Marken in der Innenstadt zu finden sind. „Es gibt in dieser Richtung einige Aktionen von ein paar Verbänden oder eingetragenen Vereinen, die aber weit davon entfernt sind, dauerhaft und flächendeckend zu sein“, sagt Kelmes. Eine schon erfolgreiche Plattform sei www.aachen-shopping.de, erklärt Aachens Stadtsprecher Bernd Büttgens. „Es gibt ja durchaus eine sehr gute Resonanz auf die Initiative ‚Einkaufen in Aachen – Alles drin!‘, die seit drei Jahren von den maßgeblichen Akteuren aus Handel, Wirtschaft und Stadt vorangetrieben wird. Zahlreiche Aktionen hat es gegeben und gibt es dort“, sagt er.

Oberbürgermeister Marcel Philipp hat sich mit Interesse die Petition angeschaut und freut sich über die konstruktive Ausrichtung und Herangehensweise. Er veranlasst nun, dass die Initiatorinnen zu einem Gespräch im Rathaus eingeladen werden: „Das Thema ist nicht wegzudiskutieren, der aktuelle Zustand stört mich auch. Allerdings sind die Gründe für die Lage ausgesprochen komplex und erklärungsbedürftig. Wir bemühen uns in Politik und Verwaltung um Lösungsansätze. Es gibt auch durchaus einige Mut machende Signale.“, erklärt er auf Anfrage unserer Zeitung. Von daher sei der in der Petition herausgestellte Unmut der Bürgerinnen und Bürger, so Philipp, ein zusätzlicher Auftrag, aktiv zu werden. Philipp sieht die Petition als prädestiniertes Thema für eine Sitzung des Bürgerforums des Stadtrats. „Dort haben wir ein ausgezeichnetes Forum. Dort kann in aller Ausführlichkeit und mit allen Seiten diskutiert werden“, bietet der OB an.

Mindestens 2100 Unterschriften für Petition und Quorum will die Initiative trotzdem erreichen. Dieses Szenario wäre willkommen.

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