Aachen: Initiative im Bürgerforum: Die Träume der Kinder „hinterm Bahndamm“

Aachen: Initiative im Bürgerforum: Die Träume der Kinder „hinterm Bahndamm“

Sie wollen nicht vergessen werden, die Kinder am Bahndamm im Aachener Ostviertel. Weshalb sie im Bürgerforum auf sich aufmerksam machten. Sie hatten sich bestens vorbereitet und sie waren auf die Minute topfit. Es war ihr großer Auftritt, den sie so schnell nicht vergessen werden. Die Kinder leben hinterm Bahndamm. Dort muss es längst nicht mehr so schmutzig und duster sein, wie das früher in den meisten Städten und Orten halt so war.

Für die Kinder aber, die im Bürgerforum erzählten, ist es noch immer so: Hinterm Bahndamm am Bahnhof Rothe Erde im Ostviertel ist es schmuddelig und grau und trist. Die Kinder leben in der Robert-Koch-Straße. Ihre Straße gilt im Amtsdeutsch als „sozialer Brennpunkt“.

Vor mehr als einem halben Jahr rappelten sich die Kinder aus der Robert-Koch-Straße zu einer Aktion auf. „Die RoKo in Kinderhände“ hieß die. Die Aachener „Falken“, die Sozialistische Jugend Deutschlands, unterstützten die Jungen und Mädchen. Was dabei herausgekommen ist, bat Bürgermeister Björn Jansen (SPD) im Bürgerforum zu diskutieren.

Er schrieb an den Forums-Vorsitzenden Karl Schultheis: „Es geht darum, den Kindern eine Stimme zu geben und an die Politik weiterzuvermitteln, was in der Robert-Koch-Straße aus Sicht der jungen Menschen verändert werden soll.“

Sogar einen Film gedreht

Schultheis hatte die Kinder ins Bürgerforum eingeladen. Dort nutzten sie die Gunst der Stunde. Und obwohl es um viel ging, ihr tägliches Umfeld, ihr Zuhause, schöner zu gestalten, waren sie unaufgeregt und ganz ohne Scheu. Ihr Vortrag war beeindruckend. Und berührend war es, als die stark sehbehinderte Alina mit kräftiger Stimme verkündete: „Wir haben für Euch einen Film vorbereitet. Wir haben ihn selbst gedreht. Und wir haben uns Mühe gegeben.“

Und wie. Mit dem Ton haperte es zwar, aber die Bilder und die Interviews mit Kindern und Erwachsenen sprachen für sich. Hinterm Bahndamm Rothe Erde ist es nicht sonderlich schön. Kein feines Viertel. Wer geht da schon hin. Aber die Kinder leben da, und ihre Eltern. Und es könnte so leicht einiges geändert, verbessert werden. Man — nur die Politiker? — muss nur hinschauen. Die Mädchen und Jungen erzählten. Im Sitzungssaal hatten sie auf vier Tischen ein großes Modell aufgebaut, sie umringten es mit den Politikern und erklärten „unseren Traumspielplatz“.

Bei der Aktion „Die RoKo in Kinderhände“ ist eine lange Wunschliste herausgekommen. Bürgermeister Jansen hatte sie für das Forum stichwortartig zusammengefasst: „Schlaglöcher beseitigen. Namensschilder, Klingeln, Briefkästen anbringen. Häuser anstreichen (bunte Farben). Bessere Straßenreinigung. Lärmschutz (wegen Bahnhof). Häufigere Leerung der Müllcontainer. Moderne Bänke. Besserer Fußballplatz (mit Kunstrasen).

Fußballplatz und Basketballplatz getrennt. Tischtennisplatte. Reparierte Spielgeräte. Mehr und schönere Spielgeräte. Einfache Spielgeräte für mehrere Kinder. Kletterspielzeug. Rutsche. Sauberer Spielplatz (sauberer Sand, keine Glasscherben, Spritzen, Hundekot). Hundeplatz, Hundekotbeutel. Tiere zum Streicheln, Hühner, die Eier legen. Kleiner Ententeich.“

Hühner und Ententeich

Kinderwünsche. Träume. Vielleicht ist das mit den „Hühnern, die Eier legen“ und einem „kleinen Ententeich“ gar nicht so einfach zu handhaben, aber saubere Anstriche für die städtischen Wohnblocks, Namensschilder, Klingeln und Briefkästen zählen doch wohl auch „hinterm Bahndamm“ zur Würde des Menschen.

Und so beschlossen die Politiker im Bürgerforum: Die Verwaltung möge den Film der Kinder sichten und prüfen, welche Ämter und Ratsausschüsse sich mit den darin aufgeworfenen Fragen befassen sollen. „Auch der Wohn- und Liegenschaftsausschuss, wegen des Anstrichs der Häuser“, unterstrich Andreas Müller, Ratsherr der Linken.

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