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Initiative "Aachen Unverpackt" begutachtet Weihnachtsmarkt in Aachen

Rundgang mit „Initiative Unverpackt“ : Wie nachhaltig ist der Aachener Weihnachtsmarkt?

Ein Rundgang mit "Aachen Unverpackt"

Das Ziel ist klar: Im Jahr 2020 will der Aachener Weihnachtsmarkt bei Einwegprodukten möglichst plastikfrei sein – der Umwelt zuliebe. Malina Georg und Kevin Xiang von der Initiative „Aachen Unverpackt“ geben Tipps, was der Budenzauber noch machen könnte, um nachhaltiger zu sein.

Ein Abstecher auf den Aachener Weihnachtsmarkt gehört natürlich auch für Malina Georg und Kevin Xiang in der Vorweihnachtszeit zur Freizeitbeschäftigung dazu. Etwa wenn die Schwester aus der Heimat zu Besuch ist oder sich die Kommilitonen auf einen Glühwein treffen. „Ich hab’ hier auch schon mal ein Geschenk gekauft“, sagt der 27-Jährige, der an der RWTH seinen Master macht.

Dass er die Einmaligkeit dieser Aktion so deutlich hervorhebt, hat sicherlich mit seinem Studienfach Umweltmanagement zu tun. Noch mehr jedoch mit seinem Engagement für die Initiative „Aachen Unverpackt“, die sich unter anderem der Abfallvermeidung und dem nachhaltigen Konsum verschrieben hat. Das Thema Nachhaltigkeit bestimmt also nicht nur den Seminarplan, sondern den Alltag. Und das schließt nach Ansicht des Studenten eine Shopping-Tour über den Aachener Weihnachtsmarkt nun mal aus. Konsum und Umweltschutz – das passe nicht zusammen.

Für unsere Zeitung werfen er und seine Mitstreiterin Georg an diesem Donnerstagnachmittag dennoch einen ganz genauen Blick auf den Aachener Budenzauber. Denn der Veranstalter hat sich ein hohes Ziel gesetzt: Bis 2020 will man mit Blick auf Einwegprodukte möglichst plastikfrei sein. Und auch darüber hinaus soll der Klimaschutz einen immer höheren Stellenwert einnehmen.

Mit einfachen Lösungen sei das indes nicht zu bewerkstelligen, bekräftigt Malina. „Es ist ein komplexes Thema. Und ich fände es schade, wenn man sich dabei nur auf Plastik beschränkt.“ Ein gutes Beispiel dafür ist der deutschlandweit erste klimaneutrale Glühweinstand, der Oecher Glühweintreff auf dem Katschhof. Ausgerechnet dort kommt Kunststoff nämlich durchaus in Massen zum Einsatz – als wiederverwendbarer Becher für Heißgetränke. Sechs bis sieben Jahre lang werde ein Kunststoffbecher genutzt, erklärt Inhaber Marcel Schmitz im Gespräch mit Georg und Xiang. Weil sie in Deutschland und nicht, wie die meisten Keramiktassen, in China produziert werden, seien die Transportwege zudem kurz. Und dadurch deutlich CO2-ärmer.

Umweltschutz durch Plastikverzicht? Ganz so einfach ist es nicht, wie Malina Georg und Kevin Xiang von der Initiative „Aachen Unverpackt“ bei einem Rundgang über den Aachener Weihnachtsmarkt zeigen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Weiter geht’s auf dem Rundgang über den Weihnachtsmarkt. Immer wieder sieht man Schilder, auf denen Inhaber von Imbissbuden darauf hinweisen, dass man auf Plastikverpackungen verzichte, der Umwelt zuliebe. Nur noch vereinzelt werden die Fritten in beschichteten Schalen serviert. Und der Ketchup und die Mayonnaise kommen aus litergroßen Behältern. „Ich find’s gut, dass es das nicht in kleinen Plastiktütchen gibt“, sagt Georg. Weniger angetan ist sie indes vom kulinarischen Angebot selbst. „Man findet zwar schon vegetarisches oder veganes Essen, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Fleisch und andere tierische Produkte“, lautet ihre Einschätzung.

Ob Katschhof oder Markt: Seit Jahren schon wird der Glühwein auf dem Aachener Weihnachtsmarkt ausschließlich in Mehrwegbechern ausgeschenkt. Gut für die Umwelt sei das allemal. Malina würde sich jedoch wünschen, dass auch in anderen Bereichen auf Mehrweg umgestellt wird. „Eigentlich müsste man komplett von Einwegprodukten weg.“ Sprich: Reibekuchen vom Teller, der dann natürlich gespült werden muss. Dass das nicht so leicht umzusetzen ist, ist natürlich auch den Mitgliedern von „Aachen Unverpackt“ klar.

Zumindest in der Süßwarenabteilung habe sie sich schon häufig selbst mitgebrachte Gläser befüllen lassen, berichtet Georg. Bei gebrannten Mandeln sei sie jedoch erst am Vortag gescheitert. Die hätte es ausschließlich in einer mit Plastik beschichteten Tüte gegeben – weshalb sie dankend auf den süßen Schmaus verzichtet habe. „Vielleicht könnte man die Mitarbeiter besser darin schulen, wie das trotz Hygieneschranke möglich ist.“

Apropos Verzicht: Ambiente hin oder her, dass selbst tagsüber an den Buden alle Lichter brennen, können die beiden Studenten nicht nachvollziehen. Immerhin: Seit 2009 wird der Aachener Weihnachtsmarkt komplett mit LED beleuchtet. Und seit diesem Jahr setzt der Budenzauber zudem noch komplett auf zertifizierten Ökostrom.

Das Fazit fällt am Ende des Rundgangs also durchaus positiv aus: „Man merkt, dass sich die Leute mit dem Thema auseinandersetzen“. Und das sei schon mal ein wichtiger erster Schritt.