Aachen: In Rothe Erde trifft sich der „Fronleichnamsclub“ zum 30. Mal

Aachen : In Rothe Erde trifft sich der „Fronleichnamsclub“ zum 30. Mal

Brauchtum kann manchmal ganz schnell entstehen. Beim „Fronleichnamsclub“ in Rothe Erde reichten damals ein paar fröhliche Stunden. Und Freitag treffen sich die Mitglieder schon zum 30. Mal. Wobei „Mitgliedschaft“ schon ein zu formeller Begriff ist für die frohe Runde von Nachbarn am Fringsgraben. „Wer kommt, der kommt“, erklärt Paul Schürmann die simplen Aufnahmekriterien.

Meist kämen etwa 20 Leute, berichtet sein Nachbar Hans Bergmann. Angefangen hatte alles mit drei Frauen. Aber eigentlich reichen die Ursprünge noch weiter zurück, bis in die 1930er Jahre, als die Siedlergemeinschaft Fringsgraben entstand. Gemeinsam haben sie damals ihre Häuser gebaut, und gemeinsam machen sie seitdem weiter. „Inzwischen ist es die dritte Generation“, sagt Paul Schürmann.

So krempelten die Siedler auch wieder die Ärmel hoch, als nach dem Zweiten Weltkrieg die Fronleichnamsprozessionen von St. Barbara aus wieder in Gang kamen. Sie bauten Altäre aus allem verfügbaren Bauhölzern, schafften Sitzgelegenheiten herbei und schmückten alles mit Planzen aus den Gärten. „Da gab es ja immer genug“, erinnert sich Katharina Behrendt, die damals noch ein Kind war („das erste, das in der Siedlung geboren wurde.“) Gut fünf Jahrzehnte richteten sie stets den Wendehammer am Ende des Fringsgrabens als Station für die Prozession her. Hinterher musste natürlich alles wieder abgebaut werden.

Und so trugen im Jahre 1989 Marianne Schürmann, Inge Bergmann und Katharina Behrendt einen Tisch den Fringsgraben hinunter, als sie von Annemie David abgefangen wurden. „Ich war gerade Großmutter geworden“, erzählt Annemie David, „von Zwillingen.“ Das musste umgehend mit einem Schlückchen Sekt gefeiert werden.

Bei einem Glas blieb es nicht, später kamen noch die Ehemänner hinzu, weitere Gläser und Stühle wurden herangeschafft. Zu vorgerückter Stunde befand die Runde dann, dass der Feiertag künftig immer so begangen werden sollte und die Versammlung als „Fronleichnamsclub“ zu bezeichnen sei.

So geht das nun seitdem. Auf der Tagesordnung des jährlichen Clubtreffens stehen vor allem Sekt und Bier. „Früher kam auch noch der Pfarrer nach der Prozession auf ein Gläschen vorbei“, erzählt Marianne Schürmann. Aber die Zeiten haben sich doch ein wenig geändert. Die Fronleichnamsprozession machte letztmalig 2007 am Wendehammer im Fringsgraben Station, seither wird hier kein Altar mehr aufgebaut oder geschmückt.

Der Fronleichnamsclub trifft sich trotzdem, auch Freitag wieder, im Vorgarten von Annemie David. Dazu brauche die Fringsgraben-Siedler keine Prozession. Sie treffen sich ja auch in der Vorweihnachtszeit und gestalten gemeinsam Adventsfenster. An St. Martin ziehen sie singend zum Haus von Katharina Behrendt, anschließend gibt es Schnittchen. Auch gemeinsame Tagesausflüge gibt es.

Und dann ist auch schon wieder Fronleichnam mit Clubtreffen. „Das machen wir immer so weiter“, sagt Paul Schürmann. Brauchtum ist bekanntlich sehr langlebig.

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