Aachen: In Haaren mieft es schlimmer als in der Innenstadt

Aachen : In Haaren mieft es schlimmer als in der Innenstadt

Die Aachener Umweltverbände drängen verstärkt darauf, die Außenbezirke in den neuen Luftreinhalteplan und auch in die geplante Umweltzone einzubeziehen. So soll nun nach dem Willen des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) bis spätestens Ende des Jahres auch eine Luftmessstation an der Alt-Haarener-Straße eingerichtet werden.

Die Verbände erhoffen sich davon genauere Erkenntnisse über die Stickstoffdioxidbelastung an der Straße, die offenbar die höchsten Grenzwertüberschreitungen im gesamten Stadtgebiet aufweist. Diese überraschende Erkenntnis beruht bislang auf Modellberechnungen, die nach anerkannten Verfahren erfolgen und die nun auf Antrag des BUND mit Messungen zusätzlich unterfüttert werden sollen. Dahinter steht auch die Überzeugung der Umweltverbände, dass die bislang geplante Umweltzone zu klein ist, um die entsprechende Wirkung im Aachener Talkessel zu entfalten. So seien insbesondere die Bewohner in Eilendorf, Haaren und Laurensberg weiterhin hohen Schadstoffbelastungen ausgesetzt.

Während viele Menschen die höchsten Belastungen noch am Adalbertsteinweg und an der Wilhelmstraße vermuten, habe sich inzwischen die Alt-Haarener-Straße als höchstbelasteter „Hotspot“ erwiesen, legt der BUND in einem Schreiben an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) dar.

Zwar sei die Straße außerhalb der dicht besiedelten Innenstadt mit rund 16.000 Fahrzeugen täglich „relativ gering“ befahren, doch trage die „enge schluchtenartige“ Bebauung und die dichte Taktstruktur der Linienbusse zu einer erheblichen Belastung bei. Der BUND hat daher beim Lanuv beantragt, noch in diesem Jahr eine Stickstoffdioxid-Messstation an der Alt-Haarener-Straße einzurichten. Dies wäre dann die vierte Messstation neben jenen an der Wilhelmstraße, am Adalbertsteinweg und in Burtscheid.

Grundsätzlich sei dies auch möglich, sagt Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia. So habe man auch schon andernorts derartige Anfragen von Bürgerinitiativen in die Messplanungen aufgenommen. Bei einem begründeten Verdacht auf Grenzwertüberschreitungen sei eine sogenannte Sammlermessstelle auch relativ schnell einzurichten. Sie könne mit wenig Aufwand an einem Laternenpfahl angebracht werden. Das weitere Vorgehen müsse nun von der Behörde geprüft werden.

Luftverpester fernhalten

Eine grüne Umweltzone soll aus Sicht ihrer Befürworter vor allem Dieselbusse mit veralteter Filtertechnik und Lkw als die größten Luftverpester fernhalten. Sie müsse daher größer gefasst werden als geplant, fordern die Umweltverbände, da vor allem stark belastete Straßen wie Trierer Straße, Von-Coels-Straße, Alt-Haarener-Straße, Krefelder Straße, Roermonder Straße, Kohlscheider Straße, Vaalser Straße oder Lütticher Straße nach jetzigem Stand weiterhin ohne Plakette befahren werden dürften.

Wie berichtet, plant die Bezirksregierung eine Umweltzone ab Außenring, Umweltverbände plädieren hingegen für eine Abgrenzung durch die Autobahnen A4 und A44, im Süden ab Außenring und im Westen ab holländischer Grenze.

Die Stadt hegt demgegenüber weiter die Hoffnung, die Umweltzone durch den Ausbau der E-Mobilität, eine Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs und weitere Maßnahmen noch verhindern zu können.

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