Aachen: In digitalisierten Welten gibt es keine Freiheit

Aachen: In digitalisierten Welten gibt es keine Freiheit

„Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein“, ist das Lieblingszitat seines Lieblingsphilosophen Friedrich Nietzsche. Mit dieser These kommt der Betrachter gut und weit durch die politische Ausstellung von Ralph Tepel in der Kornelius-Galerie von Ute Hanczak, in der er rund 30 Gemälde aus dem gnadenlosen digitalisierten Leben zeigt, konterkariert mit primitiven, in seinem Sinne analogen Masken.

Ralph Tepel, einstiger evangelischer Pfarrer und Krankenhausseelsorger, malt und stellt international aus für eine bessere Gesellschaft mit besseren Lebensbedingungen für alle. „Frankfurt und Gomorrha“ bildete er mit den typischen Bankentürmen ab, allerdings ist ihr Licht erloschen. „May you’ll find another best place“, wünscht er wem auch immer.

Der Tanz um das goldene Kalb, der Börsenindex, das Auge Big Brothers, die Reichtumsverteilung in der Welt und die Freiheit schlechthin sind seine zentralen Themen, aus denen er deutlich politische Kunst macht. Selbst die Freiheitsstatue in New York ist kein echtes Freiheitssymbol mehr — eingesperrt in die digitale Welt wird sie zum Systemfehler. Nur analog, als gelebte, individuelle und „primitive“ Figur kann sie wirken.

„Big data, big brother, big loss“

Unter dem Ausstellungstitel „Die Gedanken sind frei“ denkt und reflektiert Tepel auf der Leinwand über die „Lemminge der digitalen Gesellschaft“ nach, ausspioniert bis ins letzte Detail. Es geht um „big data, big brother und big loss — of liberty“.

Wichtig ist dem Künstler dabei nicht nur die Verunmöglichung der Vorhersehbarkeit und Steuerung der Konsumwünsche, sondern die Erkenntnis der Möglichkeit, „Rahmenbedingungen für Menschenrechte und Menschenwürde“ zu setzen. Rousseau, der Vordenker der Französischen Revolution, hilft mit Sätzen aus zentralen Werken weiter. Tepels eigenes Manifest schließt mit den Worten: „Entdecke die Freiheit und liebe sie.“

Die Ausstellung hängt noch bis zum 22. März an der Korneliusstraße 12 in neuen Räumen der Galerie. Zu sehen ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten nach wie vor samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr oder nach Absprache unter Telefon Telefon 02408/3743.

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