Aachen: In der CDU-Fraktion werden weiter die Stühle gerückt

Aachen: In der CDU-Fraktion werden weiter die Stühle gerückt

Das Stühlerücken in der CDU-Fraktion geht unvermindert weiter, Rotation wird im Vorstand anscheinend derzeit ganz groß geschrieben: Für den vergangene Woche abgewählten Ex-Vorsitzenden Harald Baal und den daraufhin zurückgetretenen Beisitzern Gaby Breuer und Wolfgang Boenke sind Christian Krenkel, Ferdinand Corsten und Ralf Demmer als Beisitzer nachgerückt.

Kurz vor der Wahl hatte Ratsherr Boenke am späten Montagnachmittag dem Vorstand mitgeteilt, dass er für eine weitere Mitarbeit als Beisitzer nicht mehr zur Verfügung stehe. „Ich brauche keine Alibifunktion in der Fraktion“, sagt Boenke. Er gehört — wie seine Parteifreundin Breuer — nicht der Gruppe der 16 Baal-Gegner an. Die verfügen nun über sieben Sitze im zehnköpfigen Vorstand. Denn die in der anschließenden Fraktionssitzung neu gewählten Mitglieder Krenkel, Corsten und Demmer zählen zu der Anti-Baal-Front, die per Abwahlantrag die vorzeitige Ablösung des ungeliebten Ex-Fraktionschefs besiegelte.

„Ich finde es schade, dass er seinen Rücktritt erklärt hat. Er hat auch nicht viel dazu gesagt. Ich muss diesen Schritt akzeptieren“, kommentiert die Fraktionsvorsitzende Maike Schlick Boenkes Rückzug. Der wiederum sagt Richtung Schlick : „Sie hat mich noch nicht mal nach den Gründen für meinen Rücktritt gefragt.“

Dass jetzt die Baal-Gegner den Vorstand dominieren, sieht Schlick mit gemischten Gefühlen: „Ich fand es sehr schade, dass sich nicht mehr Kandidaten zur Wahl gestellt haben. Ich hätte es befürwortet, wenn auch Nicht-Unterzeichner des Abwahlantrages kandidiert hätten.“

Schlick will nun versuchen, die tiefen Gräben, die sich quer durch die zerstrittene Fraktion ziehen, schnellstmöglich zuzuschütten. „Ich bleibe bei meiner Linie und will alle mitnehmen“, sagt sie. Deshalb möchte sie sich „zeitnah, am besten noch im Mai“, mit ihrer Fraktion zu einer Klausurtagung zurückziehen. Dort sollen politische Inhalte wieder in den Mittelpunkt rücken: „Wir haben noch anderes zu tun, als uns nur mit uns selbst zu beschäftigen.“

Ehe jedoch wieder Ruhe in die Fraktion einkehren könnte, muss Schlick noch eine weitere Personalfrage klären. Heute wird sie ein Gespräch mit der Fraktionsgeschäftsführerin Caroline Herff führen. Die enge Baal-Vertraute ist der Fraktionsspitze ein Dorn im Auge. Ihre Zukunft bei der CDU ist mehr als ungewiss.

Herffs möglicher Nachfolger scheint jedenfalls schon in den Startlöchern zu hocken: Detlef Malinkewitz, derzeit Referent des Oberbürgermeisters, soll am Dienstag schon ein Gespräch mit der CDU-Fraktionsspitze geführt haben. „Ich kommentiere das alles nicht“, hält sich Malinkewitz zurück.

Die Parteivorsitzende Ulla Thönnissen hofft in diesen für die Aachener CDU schweren Zeiten, dass die Fraktion nach all den personellen Querelen wieder zusammenfindet und sich Sachthemen widmet: „Sie sollte möglichst schnell wieder programmatisch arbeiten.“

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