Aachen: In den klassischen Einkaufslagen wachsen allmählich die Sorgen

Aachen: In den klassischen Einkaufslagen wachsen allmählich die Sorgen

„Handel ist Wandel“ — mit dieser alten Weisheit tröstet sich Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands, über manch unschönes leerstehendes Geschäft in der Stadt hinweg. „Leerstände gehören dazu“, sagt er. Sorgen bereiten sie ihm aber doch, denn sie sind auch sichtbarer Ausdruck der größer werdenden Probleme einzelner innerstädtischer Einkaufslagen.

Immer schwerer bis unmöglich werde es etwa, Geschäfte am Adalbertsteinweg oder an der unteren Adalbertstraße zu vermieten, sagt Piana. Beide Lagen gelten als zunehmend unattraktiv, was zumindest im letzteren Fall leicht zu erklären ist: Die Baustelle für Aachens neues Einkaufszentrum „Aquis Plaza“ vergrault Kunden und Geschäftsleute derzeit gleichermaßen.

Doch auch fernab liegende Adressen bereiten Sorgen: In der unteren Großköln­straße und entlang der einstigen Trendmeile Dahmengraben stehen etliche Geschäfte leer. Schon fragt man sich dort sorgenvoll, was erst passieren wird, wenn der neue Shopping-Gigant „Aquis Plaza“ mit rund 130 Geschäften am Kaiserplatz im Frühjahr 2016 öffnen wird.

„Die gesamte Innenstadt wird sich warm anziehen müssen“, ist Till Schüler überzeugt. Er koordiniert die Interessen der Immobilienbesitzer und Geschäftsleute im Bereich Holzgraben und Dahmengraben und ist überzeugt, dass sich der gesamte Einkaufsbereich bis hin zum Markt und zur Großkölnstraße 2016 auf eine Durststrecke gefasst machen muss.

Nur mit Rabatten und speziellen Verkaufsaktionen wird die Schlacht gegen den neuen Einkaufspalast am Kaiserplatz nicht zu gewinnen sein, ist Schüler überzeugt — wie überhaupt die Geschäftsleute alleine vermutlich überfordert sein werden.

„Es ist höchste Zeit alle an einen Tisch zu holen: Eigentümer, Einzelhändler, Stadtplaner, Projektentwickler, Marketingexperten“, fordert Schüler. Alle müssten an einem Strang ziehen, um ein Gegengewicht zu schaffen. „Wir brauchen eine Initialzündung.“ Denn gefährdet sei der gesamte Bereich „hinter dem Elisenbrunnen“ — also selbst die kleinen malerischen Gassen um Dom und Rathaus, die zum Bummeln einladen.

„In Schönheit sterben“

„Man kann auch in Schönheit sterben“, warnt auch Piana, der ins gleiche Horn bläst wie Schüler. „Es fehlt ein Konzept für eine gesamtstädtische Entwicklung.“ Stadt, Handel und Immobilienbesitzer müssten gemeinsam die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und auf die riesige Verkaufsfläche reagieren, die in der neuen Shopping-Mall entstehen wird.

„Es wird Umverteilungen geben“, ist Piana überzeugt. Umso wichtiger sei es, andernorts rechtzeitig neue Aufenthaltsqualität zu schaffen und über neue Verkehrs- und Wegeführungen nachzudenken.

Am Dahmengraben ist derzeit gut zu sehen, wie schwer es ist, eine einmal in Gang gesetzte Abwärtsspirale zu stoppen. „Jedes Geschäft, das zumacht, zieht weitere Schließungen nach sich“, sagt Schüler. Wenn die Attraktivität verloren geht, bleiben potenzielle Kunden immer häufiger fern.

Die Ursachen für solche Probleme sind jedoch vielfältig. Vielfach seien die Mietforderungen der Eigentümer inzwischen unrealistisch. Auch sind die Verkaufsflächen für heutige Ansprüche häufig zu klein, oftmals auch in einem schlechten Zustand.

Erst jüngst hat eine Erhebung der Initiative Aachen und der Industrie- und Handelskammer gezeigt, dass erstmals seit Jahren die Leerstandsquote in Aachen wieder steigt und zugleich die Mieten für Geschäftslokale leicht sinken. So empfehlen auch die städtischen Wirtschaftsförderer inzwischen immer öfter, dass Immobilienbesitzer in der Innenstadt nicht immer nur auf Einzelhändler hoffen sollen, sondern auch über eine Umnutzung in Wohnraum nachdenken sollten.

Um die Kundschaft zu halten, müsse ein „attraktiver Rundlauf“ geschaffen werden, meint Schüler, der dabei den gesamten inneren Grabenring und Bereiche darüber hinaus im Blick hat. Vor allem im Umfeld Bushof müsse endlich etwas passieren, hat auch die Politik vor einigen Monaten erkannt. Höchste Zeit für zündende Ideen, denn viel Zeit bleibt bis zur „Aquis Plaza“-Eröffnung im Frühjahr 2016 nicht mehr.

(gei)