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In Aachen wird Hans Stercken mit einem Parkplatz geehrt

Glosse zum Hans-Stercken-Platz : Der Parkplatz oder: Wie ehrt man verdiente Aachener?

Der CDU-Politiker Hans Stercken aus Aachen war ein herausragender Politiker: Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Zudem war er mehrere Jahre Präsident des Interparlamentarischen Rates der Interparlamentarischen Union IPU. Und wie ehrt ihn Aachen? Mit einem Parkplatz.

In diesen Tagen geht es noch relativ beschaulich zu. Die Sommerferien machen es möglich. Manchmal im Laufe des Tages ist doch ein wenig mehr von diesem städtebaulichen Kleinod zu sehen. Weil sich das Blech mitunter rar macht.

Wir befinden uns sozusagen auf dem Hans-Stercken-Platz. Hoffentlich nicht nur die älteren unter uns werden sich an ihn erinnern. Stercken war nun wirklich einer der ganz herausragenden nationalen Politiker aus Aachen – von 1976 bis 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages und dabei von 1985 bis 1994 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Zudem war er mehrere Jahre Präsident des Interparlamentarischen Rates der Interparlamentarischen Union IPU.

Anlass genug, ihn zu ehren, meinte vor allem die Aachener CDU, deren Mitglied Stercken von 1946 bis zu seinem Tod im Jahr 1999 war. Gesagt, getan. Am 1. Dezember im Jahr 2000, Punkt 15 Uhr, war es so weit. Der Hans-Stercken-Platz wurde eingeweiht. Nicht irgendein Grundstück, keine beliebige Fläche. Nein, der Hans-Stercken-Platz ist – ein Parkplatz! Unmittelbar vor der Annaschule, direkt am Grabenring. Mitten in der City findet man kaum einen hässlicheren Flecken Erde.

Dass Stercken in unmittelbarer Nähe sein Abgeordnetenbüro hatte, war einer der Impulse, mit der Würdigung nicht allzu weit auszuwandern. Und vielleicht waren andere Parkplätze zu dem Zeitpunkt auch bereits vergeben. Die Archive geben wenig Aufschluss da­rüber, welche Not die damalige, CDU-geführte Bezirksvertretung Aachen-Mitte dazu brachte, diesen großen Aachener mit einem kleinen Parkplatz zu ehren. Festgehalten ist aber dies: Die SPD war strikt dagegen. Heiner März wird in der Zeitung vom 2. Dezember 2000 so zitiert: „Dieser hässliche Parkplatz ist eines Hans Stercken unwürdig.“

Hans-Stercken-Platz vor der Annaschule. Foto: Andreas Herrmann

Hand auf den Parkplatz, pardon, aufs Herz: Würden Sie dem Genossen März knapp 19 Jahre später widersprechen? Immerhin: Anfang September sprach sich die CDU dafür aus, Lösungen zu suchen, Hans Stercken von geparkten Pkw zu befreien. Das war allerdings auch im Jahr 2000. Man sieht, die Sache dauert.

Jetzt kommt ganz aktuell aus der Bürgerschaft die Offerte, die Brüder Heinz (u.a. langjähriger IHK-Präsident) und Kurt (langjähriger OB) Malangré durch Benennung einer Straße, eines Platzes oder Gebäudes zu ehren. Aber da hat die Politik einen Riegel vorgeschoben: Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte hat vor geraumer Zeit beschlossen, keine verdienten Mitmenschen mehr auf Straßen oder Plätzen zu verewigen.

Ob die Dauerpeinlichkeit Stercken-Platz Pate stand, ist nicht überliefert. Dass der Entschluss eine Art Selbstschutz war, ist aber zu vermuten. Denn der Fantasie wären keine Grenzen gesetzt, weitere Park- oder Brachflächen zur Kultstätte zu erheben. An unansehnlichen Orten mangelt es Aachen dank vorausschauender Stadtentwicklungspolitik wahrlich nicht. Man mag sich gar nicht ausmalen, was Politikers Erfindergeist da zutage fördern würde – wenn es nicht diese Selbstbeschränkung gäbe.

Hoffen wir im Sinne verdienter Öcher, dass die Fraktionen keine Kehrtwende machen. Und dass sie Lösungen finden, Erinnerung an Öcher auf vernünftige Art und Weise wach zu halten. Dazu muss man ganz schön ausgeschlafen sein...