In Aachen klagen Mieter immer häufiger über kalte Wohnungen

Wie sich Mieter wehren können : Klagen über ausgekühlte Wohnungen nehmen zu

Auf dem angespannten Aachener Wohnungsmarkt geht es zwischen Vermietern und Mietern offenbar wieder deutlich ruppiger zu. Zu spüren bekommt das auch der Mieterschutzverein, der immer häufiger den eigenen Klienten beispringen muss. Sinken die Temperaturen, nehmen regelmäßig die Klagen über kaputte Heizungen und ausgekühlte Wohnungen zu.

Es sind Zustände, die Hans Knops, Geschäftsführer des Aachener Mieterschutzvereins, vor einiger Zeit eigentlich für überwunden hielt. Doch je knapper das Wohnungsangebot in der Stadt wird, desto rauer werden auch wieder die Sitten. Die horrenden Mieten, die inzwischen vielfach verlangt werden, sind die eine Seite. Der miserable Zustand vieler Zimmer und Wohnungen die andere. „Da ist unglaublich viel Schrott dabei“, sagt Knops. Kein Wunder also, dass in diesen Tagen auch die Klagen über kaputte Heizungen und kalte Wohnungen zunehmen.

In den allermeisten Fällen kommen Vermieter oder Hausverwaltungen ihren Verpflichtungen schnell nach und sorgen für Abhilfe. Meist reicht dafür ein freundliches Telefonat. Doch allem Anschein nach gibt es auch wieder zunehmend mehr schwarze Schafe unter den Vermietern, die sich erst mal taub stellen und tatenlos bleiben. Mehrere Beschwerden erreichten in den letzten Tagen auch unsere Redaktion. Wie sich frierende Mieter in solchen Fällen wehren können, erläutert Knops.

Ganz wichtig: Sobald die Heizung kalt bleibt, sollte man den Vermieter schriftlich davon in Kenntnis setzen und dann bereits mitteilen, dass man die Miete nur unter Vorbehalt bezahlt und sich auch eine Mietminderung vorbehält. Das Recht zur Mietminderung habe man nur nach einer schriftlichen Mitteilung, betont Knops. Ein Telefonat oder auch eine Whatsapp-Nachricht reiche nicht aus. Musterbriefe oder Textvorlagen sind dafür auch im Internet zu finden. Der Vermieter muss dann unverzüglich tätig werden und etwa einen Installateur beauftragen. Spätestens nach drei bis vier Tagen sollte die Heizung wieder laufen, so Knops.

Mietminderung ist möglich

Die Höhe der Mietminderung hängt auch vom Einzelfall ab, erklärt er. Die normale Zimmertemperatur liegt zwischen 20 und 22 Grad. Je tiefer die Temperatur sinkt, desto höher könne die Mietminderung sein. Auch wenn kleine Kinder betroffen sind, könnten höhere Mietminderungen möglich sein. Bei einer Temperatur unter 15 Grad könnten sicherlich 20 Prozent der Gesamtmiete für die jeweiligen Tage anteilig einbehalten werden. Knops empfiehlt, die Temperaturen im Beisein von Zeugen zu messen und aufzuschreiben, falls es zum Rechtsstreit vor Gericht kommen sollte.

Wenn die Heizung auch eine Woche nach der ersten Meldung nicht instand gesetzt wurde, könne auch eine einstweilige Verfügung gegen den Vermieter erwirkt werden. Dann wird er gerichtlich zur Reparatur verpflichtet.

Zwischenzeitlich können Betroffene die Wohnung auch mit Radiatoren beheizen. Die zusätzlichen Kosten – etwa auch für Strom – müssen ebenfalls vom Vermieter übernommen werden.

Hilfe können sich Betroffene immer beim Mieterschutzverein suchen. Für eine Beratung muss man jedoch Mitglied sein, der Mitgliedsbeitrag liegt bei jährlich 90 Euro. Menschen mit niedrigem Einkommen können sich jedoch auch an das Amtsgericht wenden und dort eine Beratungshilfe beantragen. Die Kosten für den Anwalt werden dann vom Staat übernommen. Mieter von öffentlich geförderten Wohnungen können auch Unterstützung beim Wohnungsamt erhalten. Leistungsempfänger können im Jobcenter zudem eine Berechtigung für eine kostenlose Beratung durch den Mieterschutzverein erhalten.

Der Mieterschutzverein Aachen hat seinen Sitz im Depot, Talstraße 2, und ist telefonisch unter 0241/9497910 zu erreichen.

Weitere Infos gibt es hier.

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