In Aachen gibt es bald den ersten Deutschintensivkurs für Klasse 5

Förderung von Flüchtlingskindern : An der Aretzstraße wird bald besonders intensiv gelernt

Zum Schuljahr 2019/20 geht Aachen mit der ersten Deutschintensivklasse im 5. Schuljahr neue Wege. Damit sollen die Kinder beim Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe I unterstützt werden.

Am Pius-Gymnasium weiß man besonders früh Bescheid. Schon für übernächste Woche werden die Viertklässler eingeladen, um sich für das kommende Schuljahr anzumelden. Da haben die Grundschüler noch nicht mal ihr Halbjahrszeugnis in der Hand. Doch auch an anderen Stellen werben die weiterführenden Schulen zumindest schon mit Infotagen und offenen Türen um die Fünftklässler von morgen. Im Primarbereich werden deshalb schon die Köpfe zusammengesteckt, um in Beratungsgesprächen mit Eltern und Schülern zu klären, für welche Schulform die Kinder am besten geeignet sind. Auch wenn letztlich vor allem der Elternwille zählt.

Integration schwierig

Gymnasium oder Realschule? Oder doch besser die Hauptschule? Manchmal sind diese Fragen selbst für erfahrene Pädagogen gar nicht so leicht zu beantworten. Schon gar nicht, wenn die Schüler erst seit wenigen Monaten in Aachen leben und die deutsche Sprache noch nicht ausreichend beherrschen. Die Folge sind Schwierigkeiten bei der Integration und absehbare Schulwechsel.

Um Flüchtlingskinder besser beim Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe 1 zu unterstützen, geht Aachen ab dem nächsten Schuljahr neue Wege. In einer sogenannten Deutschintensivkursklasse im 5. Schuljahr – auch DIKu 5 genannt – sollen Jungen und Mädchen, die im Laufe des vierten Schuljahres nach Aachen kommen und über keine oder wenig Deutschkenntnisse verfügen, besonders intensiv gefördert werden. Ein Jahr lang erhalten sie vor allem Deutsch- und Mathematikunterricht, auch Sport und Kunst sollen auf dem Stundenplan stehen. Um dann nach dem zusätzlichen Schuljahr eine Empfehlung für die weiterführende Schule zu erhalten, die auch wirklich ihren intellektuellen Fähigkeiten entspricht. Im Gegensatz zu den Integrativen Klassen, die es bereits an zahlreichen weiterführenden Schulen gibt, werden die Kinder in einer altershomogenen Gruppe unterrichtet.

Dass der Bedarf nach dieser Form der Förderung in der Übergangsphase besteht, weiß Mirjam Ropers genau. Die Deutsch- und Religionslehrerin leitet seit dem Schuljahr 2016/17 die Deutschintensivkursklasse an der katholischen Grundschule Passstraße – in Aachen gibt es davon aktuell sechs, so Ropers. Außerdem berät sie Grundschulen in Aachen und der Städteregion zu diesem Thema. Mit Andrea Leitner, Fachberaterin für den regionalen Integrationsprozess und stellvertretende Schulleiterin der Hauptschule Drimborn, hat sie das Konzept der DIKu-5 entwickelt und dem Schulausschuss am Donnerstagabend vorgestellt.

Schulverband Aachen-Ost

Los gehen soll es zunächst mit einer Klasse zum Schuljahr 2019/20. Als Standort habe man sich für die Hauptschule Aretzstraße entschieden, teilte Jürgen Rudig vom Schulamt mit. Diese sei mit dem ÖPNV nicht nur gut zu erreichen. Auch der Schulverband Aachen-Ost – eine Kooperation zwischen der Hauptschule Aretzstraße, der Hugo-Junkers-Realschule und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium – sei ein Standortvorteil. Ralf Said, kommissarischer Leiter der Hauptschule Aretzstraße, ist überzeugt von dem Konzept. „Sprachdefizite sind ein großes Problem, und wir haben viel Erfahrung.“

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