Aachen: In Aachen fehlen demnächst 100 Feuerwehrleute

Aachen : In Aachen fehlen demnächst 100 Feuerwehrleute

Vor wenigen Monaten hat die Stadt Aachen die neu sanierte Hauptfeuerwache an der Stolberger Straße eröffnet. Wer nun aber glaubt, dass es im Bereich Feuerwehr in Aachen in den kommenden Jahren keine größeren Investitionen mehr gibt, irrt.

Das offenbart der Brandschutzbedarfsplan, der im Mai in seiner endgültigen Fassung vorliegen soll. Erstmals seit knapp 20 Jahren ist eine Fortschreibung dieses Papiers erfolgt, wie nun der für Personal und Feuerwehr zuständige Dezernent Markus Kremer und Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff in einem Pressegespräch erläuterten. Und nicht nur einen Standort für eine weitere Feuerwache im Aachener Süden gilt es zu finden. Der Personalbedarf bei der Feuerwehr wird weiter wachsen.

Siegel ist im Gespräch

Berühmte acht Minuten soll es maximal dauern von der Alarmierung bis zur Ankunft der Feuerwehr bei einem Brand. Wie der städtische Umweltausschuss bereits vor wenigen Tagen erfuhr, ist dieser Zeitrahmen im Aachener Süden teilweise nur schwer einzuhalten. Wo genau die neue Wache hinkommen soll, ist noch unklar, auch wenn Politiker hinter vorgehaltener Hand erklären, dass der Standort Siegel im Gespräch sei. Wie die neue Feuerwache ausgestattet sein muss, dazu gibt es schon recht konkrete Vorstellungen, wie Jürgen Wolff erklärt.

Vorgehalten werden sollen vor Ort ein Hilfsgruppenlöschfahrzeug (HLF), eine Drehleiter und ein weiteres Fahrzeug — beispielsweise ein Tankwagen. Auch über Stellplätze für Rettungsfahrzeuge wird man nachdenken. Das ist aber noch nicht alles: „Wir werden an der neuen Wache natürlich auch neue Stellen einrichten“, sagt Wolff — und nicht nur dort. „In den kommenden Jahren werden wir insgesamt 50 weitere Stellen bei der Feuerwehr besetzen müssen“, sagt Markus Kremer. Keine einfache Aufgabe, denn die Anforderungen an die neuen Kollegen sind hoch, sowohl fachlich als auch körperlich. Zudem können jetzt schon rund 50 Stellen bei der Wehr nicht besetzt werden. „Auf Sicht werden wir also 100 offene Stellen haben.“ Um das stemmen zu können, muss die Stadt sich einiges einfallen lassen.

Hohe Zulagen für Anwärter

„Wir sind in der Lage, Brandanwärtern eine Zulage von 90 Prozent auf ihr Ausbildungsgehalt zu zahlen“, nennt Kremer als Beispiel. Das klingt zunächst vielleicht nach viel Geld. „Doch man muss im Hinterkopf haben, dass unsere Brandanwärterinnen und -anwärter bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung hinter sich haben und mitten im Leben stehen, mit Eigenheim und Familie“, sagt Jürgen Wolff. Ohne die Zulage — mit der ein Anwärter immer noch weniger als 2000 Euro verdienen.

Ab dem Jahr 2020 wolle man auch doppelt so viele Leute ausbilden wie bislang, erklärt Markus Kremer. Bis dahin wird es noch dauern, weil man nicht einfach die Zahl der Azubis verdoppeln kann. „Wir brauchen ja auch mehr Dozenten, mehr Ausbilder, mehr Seminarräume“, erklärt Kremer. Auch das Thema Anwerbung von weiblichen Kräften sei ein wichtiger Punkt. Die sportlichen Prüfungen seien für Anwärterinnen zum Teil angepasst worden. Doch ob Männer oder Frauen: „Die körperliche Eignung ist in vielen Fällen ein Ausschlusskriterium“, sagt Wolff bedauernd. Viele Leute interessieren sich zwar für die Arbeit bei der Feuerwehr, sind aber zu unsportlich.

Auch wollen die Aachener in Zukunft nicht nur selbst ausbilden, sondern Kandidaten für den gehobenen Dienst direkt anwerben. Man wolle allerdings nicht in Konkurrenz zu den Feuerwehren aus der Region treten, erklärt Kremer. All das wird Teil der städtischen Personalgewinnungsstrategie, die Markus Kremer im Mai den Kommunalpolitikern vorstellen wird.

Ein wesentlicher Bestandteil der Aachener Feuerwehr seien auch die Freiwilligen Feuerwehren, sagt Kremer. „Das machen wir nicht zur Brauchtumspflege“, betont er. Immerhin 350 aktive Mitglieder haben die verschiedenen Löschzüge der Aachener Freiwilligen Feuerwehr, hinzu kommen der Nachwuchs und weitere Mitglieder. „Die helfen nicht nur beim Löschen von Bränden“, sagt Jürgen Wolff, „die bringen auch ihre berufliche Expertise mit in den Betrieb.“ Wenn ein Freiwilliger Feuerwehrmann beispielsweise im Hauptberuf Bauingenieur ist, kann er beim Neubau oder Ausbau eines Gerätehauses wertvolle Hilfe leisten.

Kosten in Millionenhöhe

Was das alles kosten soll, kann noch niemand genau beziffern, weder für die anstehenden Investitionen in Gebäude noch für die neu zu schaffenden Stellen. „Wir sprechen mit Sicherheit von Kosten in Millionenhöhe“, sagt Markus Kremer. Wann die neue Wache kommt, weiß auch noch niemand so genau. „Wir werden aber zum Ende dieses Jahrzehnts deutlich weiter sein“, sagt Jürgen Wolff.

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