In Aachen entstehen mehr als 1000 neue Wohneinheiten

Das große Baggern für den Wohnungsbau : Von der alten Tuchfabrik Becker bleiben Schutt und Asche

Von den Grundmauern der alten Tuchfabrik Becker ist kaum noch etwas zu erkennen. Seit Dezember laufen die Abrissarbeiten. Insgesamt entstehen im neuen Tuchmacherviertel in Brand 270 Wohneinheiten. Auch an anderen Stellen in Aachen wird eifrig gebaut.

Menschen, die anhaltenden Regen als „Glück“ bezeichnen, sind in der Regel entweder sehr naturverbunden oder betreiben eine Sportart, bei der ein hoher Wasserstand essenziell ist. Oder aber sie sind wie Nisse Neßeler im Baugewerbe aktiv und sorgen sich um Staub. Die lästigen Partikel machen Abrissarbeiten auf dem Bau nicht nur zu einer äußerst schmutzigen Angelegenheit.

Sie stellen zudem noch eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr dar. Doch „zum Glück“ für Nisse Neßeler, seine Mitarbeiter und nicht zuletzt auch die Anwohner rund um die alte Tuchfabrik Becker in Brand haben die vergangenen Wochen und Monate für viele Wolken auf dem Regenradar gesorgt. „So hatten wir kaum Staubbelastung“, sagt der Projektleiter von der Aachener Firma Nesseler Projektidee. Erst wenn es wieder wärmer wird, müsste mit Wasser gesprenkelt werden, um den Staub unter Kontrolle zu halten.

Seit Dezember wird die alte Fabrikanlage abgerissen. Und wer dieser Tage im Bereich zwischen Beckerstraße und dem Vennbahnweg vorbeikommt, sieht, dass die Arbeiten weit vorangeschritten sind. Von den Grundmauern der seit 2012 leerstehenden Halle ist kaum noch etwas zu erkennen. Bauschutt und Geröll bestimmen das Bild. Zu verantworten haben das aktuell zwischen 40 und 50 Arbeiter, die zeitgleich in der Baugrube beschäftigt sind. Und natürlich die acht Bagger mit einem Gewicht von 70 beziehungsweise 120 Tonnen.

Etwa die Hälfte der Abrissarbeiten sei geschafft, sagt Neßeler. Ende Juli sollen sie abgeschlossen sein. Parallel dazu sollen im April oder Mai die Erdarbeiten beginnen. Etwa ein halbes Jahr veranschlagt der Projektleiter für die sogenannte Terrassierung. Entstehen sollen drei Terrassen auf unterschiedlichen Höhen (drei, sechs und neun Meter). So soll gewährleistet werden, dass von allen Häusern auf der rund 54.000 Quadratmeter großen Fläche ein freier Blick ins Münsterländchen möglich ist.

Auch an der Süsterfeldstraße wird noch eifrig gebaut. Rund 800 Wohnungen entstehen am Guten Hirten. Einige wurden bereits bezogen. Foto: ZVA/Andreas Steindl

Die Erschließung des Gebiets soll ab November beginnen. Nisse Neßeler hofft dann auch schon mit dem Bau beginnen zu können. Die entsprechenden Vorbereitungen dazu laufen. Bis die ersten Aachener das dann neue Tuchmacherviertel ihr Zuhause nennen dürfen, wird allerdings noch etwas mehr Zeit ins Land gehen. Ende 2024 soll das 100-Millionen-Projekt mit seinen insgesamt 270 Wohneinheiten fertig sein.

Auf der anderen Seite der Stadt, im Großprojekt „Guter Hirte“ an der Süsterfeldstraße, wurden indes schon längst die ersten Umzugskartons ausgepackt. Insgesamt 800 Wohneinheiten aller Größenordnungen und Preisklassen entstehen im Schatten des zukünftigen Campus West. Mehr als ein Dutzend Wohnbauprojekte sind geplant oder werden bereits realisiert. „Die Vermarktung läuft sehr gut“, sagt Eric Brück, Bauleiter bei Derichs & Konertz, auf Anfrage unserer Zeitung. Das Bauunternehmen mit Sitz in Aachen hat sich mit seiner Tochtergesellschaft Dekoncepta und Bausch zusammengetan, um unter dem Konsortium Campus Wohnen rund 300 Wohneinheiten im Aachener Westen zu errichten. Und ist damit mit etwa 3,3 Hektar für den größten Geländeblock verantwortlich.

Sieben Wohnblocks wurden hochgezogen; sie befinden sich mittlerweile im Endausbau. Bei den Einfamilienhäusern beginne nun der Rohbau. Vor allem bei den niedrigpreisigen Wohneinheiten ist die Nachfrage erwartungsgemäß hoch. Von den 52 öffentlich geförderten Wohnungen in der Zuständigkeit von Dekoncepta seien 90 Prozent bereits vermietet und bezogen, sagt Brück. Insgesamt entstehen unter dem Dach von Campus Wohnen 104 Sozialwohnungen.

Der Großteil der angebotenen Wohnungen rund um das ehemalige Kloster Guter Hirte sind allerdings im hochpreisigen Segment angesiedelt. Die Vermarktungsfirma Milestone wirbt etwa mit luxuriösen Studentenappartements um finanzstarke „Kapitalanleger und Eigennutzer“. Etwa 35 Prozent der Wohnungen seien bereits verkauft. Umzugskartons müssen hier allerdings noch nicht gepackt werden. Im Herbst 2020 sollen die Neubauten mit rund 200 Mikroappartements fertiggestellt sein, teilt Achim Erner, Gründer und Geschäftsführer von „Ideal Assets“ in Köln auf Anfrage mit. Die Wohnungen im denkmalgeschützten Kloster, das zurzeit umgebaut wird, sollen im 2. Quartal 2020 fertiggestellt sein. Vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Mit Regen oder ohne.

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