In Aachen-Brand wird an der Tuchfabrik schwer gearbeitet

Bauprojekt : Bagger rollen durch die Tuchfabrik

Ein Jahr lang werden die Abrissarbeiten der alten Tuchfabrik laufen. Dann werden in Brand 119 Häuser in Terrassenlage mit Sicht auf das Münsterländchen gebaut.

Drei Bagger knabbern Seite an Seite tief in einer Grube an den Mauern einer noch immer beeindruckenden Fabrikanlage. Es sind die Grundmauern der seit 2012 leer stehenden Hallen der alten Tuchfabrik Becker, eine Liegenschaft in bester Brander Südwestlage, die jetzt seit Anfang Januar Stück für Stück beseitigt wird.

Dort im Stadtteil Brand zwischen Beckerstraße und dem Vennbahnweg mit einem wunderbaren Blick ins Münsterländchen baut die Aachener Firma Nesseler Projektidee mit Projektleiter Nisse Neßeler auf der 54.000 Quadratmeter großen Fläche des einstigen Mittelständlers in der Textilindustrie ein neues Wohnviertel, das sogenannte Tuchmacherviertel. Geplant von den Düsseldorfer Architekten GNA (Grimbacher Nogales Architekten) und dem arrivierten Aachener Planungsbüro „pbs Architekten“ werden bis etwa Ende 2024 in Terrassenlage 119 Gebäude mit insgesamt 170 Wohneinheiten entstehen. Das gesamte Projekt wird laut Neßeler ein Finanzvolumen von mindestens 100 Millionen Euro verschlingen.

Gebäude mit zwei bis drei Geschossen wird man nach den Plänen in der obersten Reihe des Hanges unmittelbar an der nach den Tuchfabrikanten benannten Beckerstraße finden, dazu kommen rund 100 Einfamilienhäuser, die alle so gestaltet sein werden, dass sie einen freien Blick auf die grüne Landschaft gewährleisten. Planer Reinhard Gerlach (pbs-Architekten) zum Vorhaben: „Wir haben die Wohnformen so geplant, dass hier eine lebendige Gemeinschaft entstehen kann.“ Von einer Einraumwohnung bis zu Angeboten für große Familien sei alles bei der Planung vorgesehen.

Apropos Planung: Nach jetzt zweieinhalb Jahren Vorbereitung sei es toll, dass „wir endlich anfangen konnten“, bekräftigte der Chef vor Ort, Nisse Neßeler, gegenüber unserer Zeitung und war voll des Lobes über die Gründlichkeit der beauftragten Abrissfirma aus dem Emsland. „Sie gehen mit besonderer Sorgfalt vor“, berichtete Neßeler und zeigte positiv überrascht auf einen ansehnlich hohen Stapel von alten Leuchtstoffröhren aus der weitläufigen Fabrik, die sorgfältig übereinandergelegt waren. In den weitläufigen Hallen verpacken die Recycler alles, was nicht niet- und nagelfest ist, zum baldigen Abstransport in weiße Säcke. „Der Beton der Wände wird vor Ort wiederverwertet“, klärt Neßeler auf, eine Lösung, die genauso teuer sei wie ein Abtransport, aber eben rohstoffschonenender.

So soll das Tuchmacherviertel im Jahr 2024 aussehen. Baubeginn soll 2020 sein. Foto: Entwurfsverfasser: Grimbacher Nogales Architekten GmbH, Visualisierung: Mohan Karakoc

Nachbarn miteinbezogen

Das Verwaltungsgebäude des Aachener Textilgiganten mit damals mehr als 800 Beschäftigten selbst ist ein Hochbau von fünf oder sechs Stockwerken Höhe. Sein Abriss dürfte nicht ohne merkbaren Lärm vonstatten gehen. Doch die Planer von Nesseler Projekt Idee mit Seniorchef Hubertus Neßeler an der Spitze hatten bereits früh die Nachbarschaft mit in die Projektplanung  einbezogen, mehrere Anwohnergespräche wurden über das Vorhaben geführt. Die Abrissphase soll Ende Dezember 2019, spätestens im Januar 2020 abgeschlossen werden.

Im Tuchmacherviertel soll auch eine fünfgruppige Kita entstehen, gelegen oben an der Beckerstraße. Denn das Viertel soll zeitgemäß ebenso familien- wie energiefreundlich werden. Für die Energiefrage haben sich die Planer mit der Stawag zusammengetan. „Es soll ein Blockheizkraftwerk für Nahwärme gebaut werden“, kündigt Nisse Neßeler an.

Für den Verkehr im neuen Quartier wird eine neue Zufahrtsstraße in Schleifenform durch den Hang gelegt, hieran reihen sich dann die einzelnen Häuser auf. Unterfüttert wird das Quartier mit Tiefgaragen, die gesammelt von den Bewohnern in den einzelnen Häusern genutzt werden sollen, den klassischen Garagenbau gibt es also nicht, im Straßenbereich wird es 81 Stellplätze geben.

Für die steigende E-Mobilität habe Neßeler die Stawag in die Pflicht genommen, die an geeigneten Orten öffentliche Ladestationen installieren werde. Dazu habe man ebenso den Aachener Anbieter von E-Bikes gewonnen, der dort an zentraler Stelle eine Ausleihstation platzieren will, alles also Maßnahmen, um die Luft am Ende reiner zu halten.

Die Nachbarschaft hatte sich in dieser Ecke des Stadtteils Brand eine Bäckerei gewünscht, sie soll mit Sicherheit kommen. Ärger gab es anfänglich in den städtischen Gremien mit der Abholzung und der damit fälligen Wiederaufforstung des Baumbestandes auf dem Gelände, nur drei Bäume waren stehengeblieben. Jetzt sollen 125 neu angepflanzt werden, die Forderung der Stadt war ursprünglich höher, doch man einigte sich.

„Mit den ersten Neubauten beginnen wir Anfang 2020“, sagt Neßeler, die Bauunternehmen werden mit den höhergeschossigen Einheiten entlang der Beckerstraße anfangen. Hier wird dann auch die städtischerseits festgelegte Quote an öffentlich finanziertem Wohnungsbau zu finden sein.

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