Immobilie in Aachen ist nicht leicht zu finden

Immobilienbericht : Städtische Grundstücke werden an das beste Konzept vergeben

Wer durch Aachen fährt, sieht unweigerlich Gerüste und Baumaschinen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch erschreckend viel Leerstand. Wohn- und Gewerbeflächen zu finden, wird immer schwieriger. Doch die Stadt Aachen hat einen Plan, wie man dies ändern kann.

Geht es nach den Immobilienmanagern, befindet sich Aachen im Aufwind. Es wird gebaut, verkauft, geplant, investiert und umgedacht. Überall sind Baustellen, Baulücken, Leerstände und neu entstandene Wohnungs- und Gewerberäume zu entdecken. Wohin der Weg dabei führen soll, das versucht das Immobilienmanagement der Stadt Aachen im Immobilenbericht jährlich zusammenzufassen. Der 14. seiner Art ist nun veröffentlicht und vorgestellt worden.

Auf 46 Seiten sind all die Projekte aufgeführt, die begonnen wurden, noch laufen oder bereits fertiggestellt sind. Dazu zählen unter anderem die Entwicklung der Baugebiete Lichtenbusch, Alter Tivoli, Guter Hirte oder auch der Gewerbepark Brand. Insbesondere dort sei die Nachfrage anhaltend gut. Von ursprünglich rund 120.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sind etwa 60.000 verkauft, für 24.000 liegen Verkaufsbeschlüsse vor. Die Firmen, die dort bereits Grundstücke gekauft haben oder an einem Erwerb interessiert sind, beschäftigen über 600 Mitarbeiter.

Doch bei all der Euphorie über bereits erfolgreich abgeschlossene oder in Angriff genommene Projekte, betont Norbert Plum, Vorsitzender des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses: „Die Gewerbeflächen in Aachen werden knapp, und das ist kein Geheimnis.“ Manfred Sicking, Beigeordneter für Wirtschaftsförderung, Soziales und Wohnen, geht sogar noch einen Schritt weiter: „Grundstücke in Aachen sind knapp, um nicht zu sagen sehr knapp.“ Es gebe kein Hinterland, auf das man ausweichen könne. Es sollen keine neuen Flächen geschaffen, sondern vorhandene besser genutzt werden. Also bleibt dem Immobilienmanagement nichts anderes übrig, als die vorhandene Fläche Aachens von rund 160 Quadratkilometern so sinnvoll und zukunftsweisend wie nur möglich zu gestalten.

„Wir müssen neue Wege finden, Angebote für die Flächen zu machen, die zur Verfügung stehen. Die Bevölkerung muss gut und günstig wohnen können“, sagt Christoph Kemperdick, Leiter des Fachbereichs Immobilienmanagement. Klar ist, dass insbesondere günstiger Wohnraum, aber auch Gewerbeflächen für die vielen Betriebe gefunden werden müssen. Aachen ist zudem eine beliebte Studentenstadt, und auch die Studenten wollen in der Nähe der Seminarräume leben.

Daher will man versuchen, große Baulücken und Parkplätze sowie eingeschossige Gebäude, wie es sie beispielsweise an der Jülicher Straße gibt, neu zu überdenken. „Wir müssen da sehr viel tun. Wenn es zur Stagnation käme, wäre das ein Rückschritt“, so Kemperdick. Ziel sei, „an Boden zu kommen“. Die Stadt möchte weiterhin Grundstücke erwerben und daher auch auf private Eigentümer zugehen. Auch Industriebrachen seien Objekte, die infrage kämen. „Wir wollen darüber hinaus auch städteregional denken“, sagt Kemperdick. Möglicherweise kämen für einige Betriebe auch Flächen in Eschweiler oder Stolberg infrage. Und damit solch rare Flächen nicht einfach verbaut werden, wolle man in Zukunft nicht mehr an den Meistbietenden verkaufen, sondern an gute Konzepte. Um das besser im Blick zu haben, möchte die Stadt vermehrt auf Erbpacht setzen. „Wir wollen Grundstücke nicht nur noch verkaufen, sondern teils auch Eigentümer bleiben. Denn nur dann haben wir einen städtebaulichen Einfluss auf die Entwicklung“, so Kemperdick weiter.

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