Aachen: Immer mehr Menschen gehen für Europa auf die Straße

Aachen: Immer mehr Menschen gehen für Europa auf die Straße

„Happy Birthday, Europa!“, tönte es am Sonntag lautstark vom Katschhof. Bei der vierten „Pulse of Europe“-Kundgebung in Aachen feierten geschätzt 2500 Teilnehmer den 60. Geburtstag der Europäischen Union und ihrer Vorgängerinstitutionen.

In den kurzen Ansprachen, bei denen sich traditionell jeder zu Wort melden kann, herrschten diesmal die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und die Pkw-Maut der Bundesregierung vor.

Es wird immer voller: Auf dem Katschhof waren am Sonntag Freiwillige als Ordner unterwegs, viele blaue Luftballon mit goldenen Sternen prägten das Bild bei strahlendem Sonnenschein. Foto: Ralf Roeger

Oberbürgermeister Marcel Philipp, der am Sonntag erstmals bei den sonntäglichen Veranstaltungen redete, sparte dabei nicht mit Kritik an seinen Parteikollegen, welche die „uneuropäische“ Maut mitgetragen hätten. „Ich habe mich oft gefragt, wie man den kommenden Generationen die Bedeutung von Europa klarmachen kann. Aber die Abstimmung in Großbritannien und Veranstaltungen wie diese hier zeigen: Es sind die jungen Menschen, die Europa voranbringen“, sagte er. Nach dem britischen Referendum ist damals deutlich geworden, dass die jungen Leute mehrheitlich für den Verbleib des Landes in der Union gestimmt hatten. Andere Redner sahen das europäische Projekt vor allem als Gegenentwicklung zum wachsenden Egoismus in den Vereinigten Staaten oder eben in Großbritannien.

Kritisiert wurden jedoch die noch immer hohen Agrarsubvention und die manchmal fehlende Teilhabe an den Entscheidungsprozessen in der EU. Insgesamt überwog aber der positive Tenor, Europa gemeinsam weiterzuentwickeln, „auf den Werten, für die die sechs Gründerstaaten vor 60 Jahren den Grundstein legten“, wie Mitorganisator Joachim Sina sagte.

Am 25. März 1957 gründeten Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande und Deutschland mit der Unterzeichnung der sogenannten Römischen Verträge die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Diese wurde 1965 schließlich zur Europäischen Gemeinschaft und 1992 mit der zeitgleichen Einführung des Binnenmarkts zur Europäischen Union mit ihren Institutionen.

Aufgrund der wöchentlich steigenden Besucherzahlen bei „Pulse of Europe“ wird nun auch vermehrt die Frage nach einem Sicherheitskonzept aufkommen. Bereits am Sonntag waren einige Freiwillige als Ordner unterwegs, um den bisher immer friedlichen Verlauf der Veranstaltungen zu gewährleisten. Zum Schluss der Kundgebung schickten die Teilnehmer dann noch einen Gruß an Europas äußersten Rand — nach Bulgarien. Das Land ist seit zehn Jahren Mitglied in der Union und wählte am Sonntag ein neues Parlament.

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