Aachen: Immer mehr Flüchtlinge: Stadt stellt 165 Container auf

Aachen : Immer mehr Flüchtlinge: Stadt stellt 165 Container auf

Die Zahl der Menschen, die vor Hunger, Kriegen oder Katastrophen flüchten, ist in den letzten Jahren explosiv in die Höhe gegangen, was sich auch in der Grenzstadt Aachen deutlich niederschlägt: Vor vier Jahren waren es noch 206 Flüchtlinge, die untergebracht werden mussten, derzeit sind es 979.

Bis zum Jahresende geht die Stadt inzwischen von rund 2000 Hilfesuchenden aus, für das kommende Jahr wird mit einem weiteren Zuwachs von 50 Menschen pro Monat gerechnet.

Bis Ende des Jahres sollen 51 Container auf der Wiese am Ende der Laachgasse in Haaren stehen.

Die Hälfte der Ankommenden besteht aus Kindern und Jugendlichen, teilweise traumatisiert und allein reisend, ein Großteil der Menschen stammt aus Osteuropa. Da die Zahl der Plätze bei derzeit 1150 liegt, besteht dringender Handlungsbedarf. Beigeordneter Manfred Sicking: „Wir müssen andere Wege gehen und in Wohnbau investieren.“

Problem der Prognose

Bis neue Häuser gebaut sind, etwa von der städtischen Tochtergesellschaft Gewoge, von der Stadt selbst oder auch von Investoren, bedarf es eines Vorlaufs von eineinhalb bis zwei Jahren. Ein Problem ist dabei, dass die Prognosen ungenau sind. Es kann sein, dass die Zahl bis zum Jahresende nur bei 1600 liegt, sie kann aber auch auf 2200 steigen.

In jedem Fall müssen alle Flüchtlinge möglichst dezentral und gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt werden. Fachbereichsleiter Heinrich Emonts: „Die Schere geht weit auseinander. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte, aber wir wissen es nicht. Wir wissen nicht einmal, wie viele am Freitag kommen.“

Mittel- und langfristig sollen auf Dauer Wohngebäude mit insgesamt 1000 Plätzen geschaffen werden. Wohngebäude, die ohnehin in Aachen knapp sind und angesichts hoher Studentenzahlen auch auf anderen Gebieten gebraucht werden.

Kurzfristig aber wird es nicht ohne Container-Standorte gehen, von denen drei in der Planung sind. Einmal an der Adenauerallee, wo der Sportplatz in Höhe Heidbendenstraße noch dem Jugendsportclub und dem Verein Blau-Weiß als Ausweichplatz für die Zeit des Umbaus der Sportstätte am Branderhofer Weg zum Kunstrasenplatz dient. 57 Container zur Unterbringung von 80 Menschen sollen dort angemietet und aufgestellt werden, voraussichtlich im Januar oder Februar.

Auf dem Parkplatz Kronenberg/Gemmenicher Weg sollen 57 Pavillons aufgestellt werden, und auf der Wiese am Ende der Laachgasse in Haaren weitere 51 — die letzteren Standorte sollen Ende des Jahres bezugsfertig sein, diese Container werden von der Stadt gekauft.

Knapp 900.000 Euro sollen dafür in den Haushalt 2015 der Stadt eingestellt werden, schlägt die Verwaltung der Politik vor, die darüber in einer Sondersitzung der drei zuständigen Fachausschüsse am 23. Juni entscheiden wird. Geprüft worden waren auch Container-Standorte in Gewerbegebieten, die aber wegen der Nähe zu Gefahr- oder Giftstoffen nicht in Frage kamen.

Zum Konzept legt das Dezernat VI ein ausführliches Papier vor, das sich sowohl mit der aktuellen Ausgangslage (51 Millionen Flüchtlinge weltweit), als auch den Ausblicken (Schaffung von Wohnungen, die auch anderweitig verwendet werden können) beschäftigt. Behandelt wird nicht nur die Frage der Unterbringung, sondern auch der Betreuung.

Sicking: „Wie kommen die Kinder zur Schule, wie kommen die Menschen zum Arzt, wie finden sie sich in einer völlig anderen Kultur zurecht?“ Dafür werden auch Sozialarbeiter und Hausmeister eingestellt.

In den Einrichtungen, Übergangswohnheimen, Wohnungen und Häusern sollen langfristig nicht mehr als 50 Personen an einem Standort beherbergt werden. Dabei werden auch ehemalige Schulen (Franzstraße und Händelstraße) genutzt und bisher gewerblich genutzte Gebäude in Wohnraum umgewandelt.

Die größten Objekte sind derzeit Bushof (100 Plätze, fertig zum 1. Juli) und Turpinstraße (ehemals Versorgungsamt, Einzug Mitte 2016). Außerdem sind Investoren an die Stadt herangetreten und bieten leer stehende Objekte an, etwa an der unteren Adalbertstraße oder der Hein-Janssen-Straße.

Für den Neubau von Gebäuden will man auf städtische Grundstücke an der Albert-Einstein-Straße, in Kalverbenden, an der Birkenstraße und der Burggrafenstraße zugreifen, die möglicherweise von der Gewoge verwirklicht werden. Auch private Investoren sollen Unterbringungsmöglichkeiten schaffen, für die auch öffentliche Fördermittel in Anspruch genommen werden können.

„Bündnis für Flüchtlinge“

Turnhallen sollen möglichst nicht belegt werden, nur im äußersten Notfall. Die Halle an der Barbarastraße soll dagegen wieder an die Schule und die Vereine zurückgegeben werden und auch nicht mehr für Flüchtlinge genutzt werden. Emonts: „Sie wird in den Ferien wieder hergerichtet.“

Insgesamt sind die Verantwortlichen aber durchaus zufrieden: „Wir glauben, dass wir das in Aachen bisher gut hinbekommen haben.“ Was nicht zuletzt an dem ausgedehnten Netzwerk aus Profis und Ehrenamtlern liegt, die die Lebensumstände der Flüchtlinge verbessern und für ihre Integration sorgen, etwa im „Bündnis für Flüchtlinge“.