Aachen/Vaals: Immer mehr Aachener Studenten ziehen ins niederländische Vaals

Aachen/Vaals : Immer mehr Aachener Studenten ziehen ins niederländische Vaals

Auch wenn einer „seiner“ Studenten nachts um drei Uhr feststellt, dass er sich ausgesperrt hat, ist Marco van Riemsdijk zur Stelle. Der sympathische Niederländer ist Verwalter eines privaten Studentenwohnheims an der Sneeuwberglaan in Vaals. Seit einem Jahr gibt es das „Katzensprung“, das seinen Namen wegen der Nähe zur Studentenstadt Aachen hat.

Während es anfangs noch viele leere Zimmer in dem fünfstöckigen Containerbau gab, sind alle 249 Zimmer restlos ausgebucht.

FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 11.10.2017 Wohnen in Vaals, Studentenwohnheim "Katzensprung".

„Dass wir nicht von Anfang an voll belegt waren, hatte mit dem Bekanntheitsgrad unseres Hauses zu tun“, schätzt van Riemsdijk, den alle Studenten duzen dürfen, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Dann haben wir eine Werbekampagne gestartet, und mittlerweile kennen in Aachen viele Studenten den ‚Katzensprung‘.“

Im Wohnheim „Katzensprung“ werden 250 Aachener Studenten von Marco van Riemsdijk (Bild rechts oben) betreut. Der Vaalser Bürgermeister Reg von Loo freut sich über den Zuzug aus der Nachbarstadt. Foto: Krömer

Die Auslastung des Hauses in den Niederlanden nur darauf zurückzuführen, dass es in Aachen mit der Wohnungssuche immer schwieriger wird, wäre dabei ein wenig zu kurz gesprungen: In Vaals bekommen die Studenten für rund 360 Euro eine Rundum-Sorglos-Betreuung.

Eigene Küche und Fitnessstudio

Jeder Student hat eine eigene kleine Küche, ein Bad, freien Eintritt ins gegenüberliegende Fitnessstudio und Zugang zu Waschmaschinen. Wer sich für ein Leben im „Katzensprung“ entscheidet, verpflichtet sich zunächst für ein Jahr. Erst dann kann man den Mietvertrag kündigen. Zum Vergleich: Ein Einzelzimmer in den Studententürmen an der Rütscher Straße kostet 197 Euro pro Monat. Die Lage des Wohnheims dürfte für viele Studenten ebenfalls eine Rolle spielen: Zwei Aachener Buslinien fahren die nur wenige Meter entfernte Bushaltestelle an. Wer als Mediziner am Uniklinikum studiert, kann innerhalb weniger Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad losziehen.

Momentan blicken die „Katzensprung“-Bewohner, wenn sie in Richtung Aachen schauen, noch auf eine große Baustelle. „Dort entsteht bis Mai 2018 ein Erweiterungsbau mit weiteren 211 Appartments“, sagt Marco van Riemsdijk. Mit einer kleinen Parkanlage, in der sogar ein Wasserlauf integriert werden soll, will man es den Studenten jenseits der Grenze möglichst nett machen.

„Wir haben hier 70 Prozent Deutsche unter den Studenten, die anderen sind international, bunt gemischt“, beschreibt van Riemsdijk die kleine Community, die ausschließlich aus Studenten besteht. Die allermeisten Bewohner studieren an der RWTH, aber auch einige an der Fachhochschule oder in Maastricht eingeschriebene Studenten leben in der Anlage in Vaals. Und es gibt noch viel mehr.

„Wir sehen uns schon ein Stück weit als kleine Schwester von Aachen, als niederländischer Vorort“, erklärt der Vaalser Bürgermeister Reg von Loo im Gespräch mit den „Nachrichten“, und weist — nicht ohne Stolz — darauf hin, dass Vaals neben Maastricht die einzige wachsende Kommune in Südlimburg sei. Etwa 10000 Einwohner hat die niederländische Nachbarstadt, die mit insgesamt 70 Nationalitäten sehr bunt gemischt ist. „Und rund 30 Prozent unserer Einwohner kommen aus Deutschland“, sagt von Loo. Ganz bewusst setzt man auch beim Marketing auf die Nähe zu Aachen. So ist Vaals auch beim Aachener Stand auf der Expo Real-Messe in München vertreten gewesen. „Da kommen wirklich interessante Projekte zustande“, sagt von Loo.

Frischzellenkur für die Stadt

Über die Studenten freut sich der Bürgermeister besonders: „Die jungen Menschen tun der Stadt wirklich gut. Wir wollen, dass die Aachener Studenten bei uns ein bequemes Leben führen“, betont er. Auch wenn es anfänglich in der Gemeinde durchaus Skeptiker gegeben habe, seien doch alle sehr angetan von den Studenten. „Man sieht sie beim Einkaufen und an den Bushaltestellen“, beschreibt von Loo, der sich aber wünscht, dass sich auch die Vaalser Geschäftsleute noch mehr auf studentisches Publikum einstellen.

Reg von Loo rechnet damit, dass derzeit rund 600 Aachener Studenten in Vaals leben. Und es könnten bald noch mehr werden, nicht nur durch den Ausbau vom Katzensprung. Weitere Studentenwohnheime sind bereits genehmigt und könnten bald entstehen. Auch haben die Aachener Studenten den privaten Wohnungsmarkt in Vaals längst für sich entdeckt.

Sowohl Studenten als auch die Stadt Vaals werden von den Niederlanden unterstützt, wenn es zum Mietvertrag kommt: „Die Niederlande geben EU-Bürgern einen Mietzuschuss, der wiederum das Wohnen im Katzensprung attraktiv macht“, sagt Marco van Riemsdijk. Und die Stadt Vaals, so berichtet Bürgermeister Reg van Loo, bekommt pro Student 800 Euro zugewiesen. Geld, das er gut gebrauchen kann.

Tagsüber ist es eigentlich recht ruhig in dem Wohnheim. Denn selbstverständlich spielt sich auch das Leben der Studis, die im „Katzensprung“ leben, hauptsächlich in Aachen ab. Doch die Gemeinde und auch Hausverwalter van Riemsdijk sind stets bemüht, die jungen Nachbarn auf Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten in Südlimburg hinzuweisen. „Mit der Pontstraße können wir nicht mithalten. Nette Kneipen haben wir aber auch“, findet Marco van Riemsdijk und fügt lachend hinzu: „Dass sie bei uns sonntags einkaufen können, finden viele Studenten auch richtig gut.“

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