Aachen: Im Preuswald werden weiter Bäume gerodet

Aachen : Im Preuswald werden weiter Bäume gerodet

Für manche Anwohner und Passanten war das ein Schreck. Bereits im Herbst war an der Lütticher Straße für die Ansiedlung der geplanten Aldi-Filiale mächtig gerodet worden. Jüngst wurden nun aber hinter dem Areal, in Richtung des Kinderheims Maria im Tann, weitere Bäume gefällt.

Die Rodungen sind die Vorbereitung für den Bau eines Regenrückhaltebeckens, wie Harald Beckers vom städtischen Presseamt auf Anfrage mitteilt. „Gebaut wird dort ein relativ großes Regenrückhaltebecken für Wasser aus dem Aachener Wald.“ Zum Opfer fallen wird dem Bauwerk auch ein Stück historischer Straßenbahndamm. Es sei allerdings nicht so, sagt Beckers, wie manche Anwohner vermutet hatten, dass dort Platz für einen weiteren Discounter oder sogar ein neues Gewerbegebiet geschaffen werde.

Die Rodungen in Richtung des Kinderheims dienen nicht etwa einem geplanten Gewerbegebiet, wie befürchtet wurde, sondern einem Regenrückhaltebecken.

Bei den Überlegungen zum Bebauungsplan für die Aldi-Niederlassung habe sich vielmehr herausgestellt, „dass dort ziemlich viel Wasser unterwegs ist“. Durch die geplante Bebauung werde weiterer Boden versiegelt. Da außerdem die gesetzlichen Bestimmungen für den Überflutungsschutz deutlich verschärft wurden, habe man nach einer Lösung suchen müssen, um das Wasser in den Griff zu bekommen.

Für 5000 Kubikmeter Wasser

Die Stawag wird das Regenrückhaltebecken im Auftrag der Stadt bauen. Nach Angaben von Stawag-Pressereferentin Angeli Bhattacharyya ist auf einer Fläche von einem Hektar (10.000 Quadratmetern) ein naturnahes, teilweise begrüntes Erdbecken vorgesehen, das rund 5000 Kubikmeter Wasser fassen kann. Bis Herbst soll alles fertig sein.

Über dieses Becken soll das Wasser nach Angaben der Stadt zunächst in die Kanalisation geführt werden. Auch die vorhandene Kanalanlage muss ertüchtigt werden. Für die Zukunft, sagt Beckers, sei aber geplant, das Wasser in den grenznahen Tüljebach zu leiten: „Es handelt sich ja um sauberes Wasser, das ist nicht belastet.“

Bei dem gerodeten Waldstück handele es sich vor allem um Bäume, die nach den Verwüstungen durch den Orkan Kyrill im Jahr 2007 dort angepflanzt worden sind. Wie Beckers weiter mitteilt, muss der Discounter auf seinem Areal ein weiteres Regenrückhaltebecken erstellen, um Parkplatz und Gebäude zu entwässern.

Zu der Baumaßnahme der Stawag hat sich unterdessen auch der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) zu Wort gemeldet. Mit Sorge sehe man, dass dort ein „historisches Kuriosum bedroht“ sei, teilen Vorsitzender Hans Garbe und Geschäftsführer Thomas Kreft mit. Am Rand des geplanten Beckens liegt nämlich ein alter Straßenbahndamm, ein Überbleibsel der alten Tram-Strecke ins belgische Kelmis.

„Die Tram nach Kelmis wurde am 27. März 1907 eröffnet, bis dahin war am Osterweg Endstation“, schreiben die beiden RVDL-Vorstandsmitglieder. „Die Schwierigkeit für die Weiterführung war damals die große Steigung der Lütticher Straße. Die Trasse wurde sodann in einer weiten Schleife durch den Wald geführt, tangierte die Genesungsheime (heute Kinderheim) und folgte ab der Bushaltestelle Unterer Backertsweg der Lütticher Straße.

Der obere Abzweig wurde vor 50 Jahren beim Ausbau der Straße abgeschnitten, der weitere Straßenbahnverlauf aber ist noch vorhanden: durch den Wald als Wanderweg, beim Kinderheim über den Bahndamm als Reitweg und weiter entlang der Lütticher Straße als Rad- und Fußweg.“

Aus Sicht des Vereins müsste der alte Straßenbahndamm für den Bau des Regenrückhaltebeckens nicht zwingend abgebaggert werden. „Mit etwas gutem Willen lässt sich das Regenrückhaltebecken auch dann verwirklichen, wenn der Straßenbahndamm als augenscheinlichstes Relikt der Waldschleife erhalten bleibt“, schreiben Garbe und Kreft. Außerdem habe der Stadtteil Bildchen in den letzten Jahren bereits zwei Eisenbahnbrücken aus dem Ersten Weltkrieg und eine Eisenbahnunterführung von 1843 verloren.

Vom „Kuriosum“ bleibt nichts

Nach derzeitigem Stand allerdings wird vom „historischen Kuriosum“ nichts übrig bleiben. Der Damm werde abgetragen, heißt es bei der Stawag. Der vorhandene Reitweg werde künftig „ebenerdig“ geführt. Alle Maßnahmen, versichert Angeli Bhattacharyya, seien eng mit der Stadt Aachen, besonders mit der Denkmalpflege und den Stadtarchäologen, abgestimmt. „Und die Denkmalpflege hat uns bestätigt, dass der Damm kein eingetragenes Bodendenkmal ist.“

Gleichwohl soll die gesamte Maßnahme archäologisch begleitet werden.