Aachen: Im Osten was Neues: Festival „Polnischer Film on Tour“

Aachen: Im Osten was Neues: Festival „Polnischer Film on Tour“

„So aktuelle, so moderne und so neue Filme aus Polen haben wir hier noch nicht gehabt“, sagt Olaf Müller, Leiter des städtischen Kulturbetriebs, und wirbt damit für das Festival „Polnischer Film on Tour“. An fünf Tagen, vom 7. bis zum 11. November, zeigt das Apollo-Kino in der Pontstraße fünf untertitelte Filme junger Regisseure.

Laut Simon Kluge vom Apollo-Kino kommt das Publikum dabei in den Genuss von Filmen, die sonst nicht so ohne weiteres in Deutschland zu sehen sind. Und das sei für Cineasten oft der wahre Reiz, meint Kluge.

Los geht es am Donnerstag, 7. November, um 19.30 Uhr mit „80 Millionen“ von Waldemar Krzysrek. Er zeigt in seinem Polit-Thriller die Solidarno-Zeit aus ungewohnter Perspektive. Kurz bevor der Kriegszustand ausgerufen wird, sorgen Aktivisten der Solidarno dafür, dass 80 Millionen Zloty vom Gewerkschaftskonto ausgezahlt werden, bevor das Konto eingefroren wird. Damit beginnt ein spannendes Spiel der Fronten. Der Film wurde als polnischer Kandidat für den Oscar 2013 nominiert. Im Anschluss ist ein Gespräch mit dem polnischen Zeitzeugen Józef Pinior, Senator in Polen, geplant.

Porträt einer Hip-Hop-Gruppe

„Du bist Gott“ lautet der Titel des zweiten Films am Freitag, 8. November, um 20 Uhr. Leszek Dawid erschafft hier ein fantastisches Porträt der Hip-Hop-Gruppe Paktofonika, die in den 1990er Jahren das Gesicht der polnischen Musikszene verändert hat. Die jungen Musiker sind bereit, aus Liebe und Leidenschaft zur Musik den höchsten Preis zu zahlen.

Am Samstag, 9. November, steht um 20 Uhr „Mein Fahrrad“ von Piotr Trzaskalski auf dem Programm. Drei Männer — Großvater, Sohn und Enkel — erleben ihre persönliche Katharsis während der Suche nach der großen Liebe des Großvaters. Die Handlung ist in lyrische und atmosphärische Bilder und Landschaften eingebettet. Der Film berührt die Zuschauer nicht zuletzt auch wegen seiner Musik.

Weiter geht es am Sonntag, 10. November, mit „Im Namen des…“. Malagoka Szumowska wagt sich hier an das tabuisierte Thema der Homosexualität unter Priestern. Es ist eine Geschichte über verwirrte Gefühle, Verdrängung und Einsamkeit, die nach Auskunft von Olaf Müller in Polen für sehr viel Aufsehen sorgte.

Den Abschluss des polnischen Filmfestivals bildet am Montag, 11. November, um 20 Uhr „Baby Blues“ von Katarzyna Roslaniec. Der Film ist ein grelles Märchen in überzeichneten Farben, das vom Leben einer 17-jährigen Mutter erzählt und dabei den noch jungen Kapitalismus in Polen thematisiert.

Alle Filme bekamen Preise und sind es nach Ansicht der Organisatoren wert, gesehen zu werden. Laut Simon Kluge steht eine Menge Arbeit hinter diesem Angebot. Möglich wurde es vor allem durch die Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut in Düsseldorf. Zu sehen sind die Filme außer in Aachen nur in Düsseldorf und Münster.

In Aachen ist das Festival eine Fortsetzung eines ersten Angebots im vergangenen Jahr. Jetzt wollen die Veranstalter regelmäßig polnische Filme ins Apollo-Kino holen. Simon Kluge hält das für eine tolle Idee.